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Mi, 10. Oktober 2007, 10:37

Software::Kernel

Linux-Kernel 2.6.23 freigegeben

Nach einer langen Testphase hat Linus Torvalds Version 2.6.23 des Linux-Kernels freigegeben, die den Xen-Code für Gastsysteme und den Completely Fair Scheduler enthält.

Genau drei Monate nach Linux 2.6.22 bringt der neue Kernel wiederum zahlreiche Änderungen und neue Features. Die größte einzelne Änderung gab es im SCSI-Treiber advansys. Insgesamt wurden jedoch 7203 Dateien modifiziert. Der Patch ist annähernd gleich groß wie die Änderungen für die Vorgängerversion.

Eine der wichtigsten Änderungen, vom Code-Umfang her jedoch ziemlich klein, ist der neue Completely Fair Scheduler von Ingo Molnar, der an Ideen von Con Kolivas anknüpft. Dass Molnars Implementation und nicht die von Con Kolivas bevorzugt wurde, erzeugte einigen Wirbel. Doch soll CFS schlichtweg besser sein, während der Scheduler von Kolivas neue Probleme an einigen Stellen erzeugte, um an anderen Stellen einige zu lösen.

Der bisherige Scheduler konnte zwar mit einer großen Zahl von Prozessen effizient umgehen, verteilte die Rechenzeit jedoch auf Basis von Statistiken und Heuristiken. Dies führte dazu, dass Anwender in manchen Fällen keine optimale Interaktivität verspürten. CFS soll die Rechenzeit »fair« verteilen und mit einfacheren Algorithmen für bessere Interaktivität sorgen. CFS macht Schluss mit »Zeitscheiben« und summiert die Prozess-Laufzeit auf Nanosekunden genau.

Die zweite große Neuerung ist die Integration des Kerns von Xen. Damit lässt sich der Kernel jedoch nur als unprivilegiertes DomU-Gastsystem übersetzen. Eine privilegierte Dom0 lässt sich aus den momentanen Quellen noch nicht erzeugen. Dazu muss der Kernel um weitere Patches ergänzt werden. Ferner funktionieren mit der momentanen Implementierung Suspend und Resume nicht. Das Durchreichen von PCI-Geräten funktioniert ebenfalls noch nicht.

Die einfache Hypervisor-Implementation »lguest« von Rusty Russell wurde ebenfalls integriert. Ferner wurde die virtuelle Maschine KVM weiter verbessert. Ein neuer Systemaufruf, fallocate(), wurde verfügbar gemacht. Eine wichtige Geschwindigkeitsverbesserung wurde beim vorausschauenden Lesen von Dateien erzielt. Der Code hierfür wurde vereinfacht und flexibler gestaltet. Besonders bei Datenbanken soll er seine Stärken ausspielen. Weitere Verbesserungen sind noch in Arbeit.

User Space I/O (UIO) wurde nun in den Kernel aufgenommen. Dieses Subsystem stellt eine Möglichkeit dar, Treiber als normale Prozesse zu schreiben, sofern sie sich auf bestimmte Funktionen und Interrupts beschränken. UIO kann für freie Treiber sinnvoll sein, aber auch genutzt werden, um proprietären Treibercode außerhalb des Kernels laufen zu lassen.

Die weiteren Änderungen ziehen sich durch alle Architekturen und alle Kernel-Subsysteme. Die Dateisysteme XFS und ext4 wurden verbessert, letzteres ist weiterhin experimentell. Die Speicherfragmentation wurde verringert. Japanische und chinesische Übersetzungen einiger Entwicklungsdokumente wurden angefertigt. Treiber für die Hardware-Überwachungs-Chips LM93, DME 1737 und Abit Guru 3 und den Demodulator AF9005 von Afatech kamen hinzu. In der OMAP-Architektur wurden ein Treiber für den Energieverwaltungs-Chip TI TWL92330/Menelaus, umfassende LCD- und diverse andere Treiber hinzugefügt. Mehrere Treiber für USB-Geräte, die mit den Chips oti6858, Samsung s3c2410, Renesas R8A66597 und M66592, AMD5536 arbeiten, hielten Einzug, ebenso neue Sound-Treiber.

Die Unterstützung für einige CDROM-Laufwerke mit proprietären Schnittstellen, die seit über zehn Jahren nicht mehr produziert werden, wurde gestrichen. Sie hat nach Ansicht der Entwickler in Kernel 2.6 noch nie funktioniert, beklagt hat sich jedoch niemand, also wurden sie nie benutzt. Ebenfalls entfernt wurde der Netzwerktreiber sk98lin, der durch den bereits länger vorhandenen skge ersetzt wird. Der Treiber zs wurde ins Subsystem der seriellen Schnittstellen verschoben und neu implementiert.

Eine Liste aller Änderungen enthält das sehr ausführliche Changelog. Die Seite Kernelnewbies.org hat eine übersichtliche Zusammenfassung der Änderungen veröffentlicht. Die aktuelle Version kann von kernel.org und zahlreichen Mirror-Servern in Form von Patches oder tar-Paketen heruntergeladen werden.

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