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Mi, 5. März 2008, 19:56

Software::Büro

FSF Europe zu den Interoperabilitäts-Problemen von OOXML

Die zur Standardisierung vorgelegte Spezifikation MS-OOXML/DIS29500 bietet nach Ansicht der FSF Europe (FSFE) Anlass für ernsthafte technische und rechtliche Bedenken.

Die Spezifikation und ihre praktische Implementierung in MS Office 2007 sind laut FSFE ein Hindernis für die Interoperabilität, führen zur Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller und resultieren in einer Marktverzerrung. Drei konkrete Bedenken will die FSFE in ihrer Übersicht stellvertretend für die anderen in Kurzfassung darstellen. Diese ist auch als PDF-Datei erhältlich.

XLSX-Dateien, die mit MS Office 2007 erzeugt wurden, enthalten binäre Teile, die nicht in der OOXML-Spezifikation enthalten sind. Dies behindert laut FSFE die Interoperabilität und reduziert das Vertrauen in solche Dokumente. Die Binärdaten scheinen sich zwar nur auf Druckinformationen zu beziehen, könnten aber dazu führen, dass Ausdrucke, die von unterschiedlichen Programmen gemacht wurden, sich stark unterscheiden.

Die Klausel, die festlegt, welche Programme zur Spezifikation konform sind, ist wirkungslos und lässt nahezu beliebige Programme zu, stellt die FSFE fest. Dies ist ein größeres Problem, als es zunächst scheint, da nach Ansicht der FSFE diese Klausel eine der wichtigsten der ganzen Spezifikation ist.

Als drittes Problem nennt die FSFE, dass Teile der OOXML-Dateien, die MS Office erzeugt, implementationsabhängig sind. Aus rechtlicher Sicht bleibt unklar, ob diese Teile auch durch die Patentgarantie von Microsoft abgedeckt sind.

Angesichts dieser Probleme und über 900 bisher nicht behandelten technischen Kommentaren zur Spezifikation empfiehlt die FSFE den Standardisierungsorganisationen, MS-OOXML aus dem »FastTrack«-Verfahren herauszunehmen, indem sie bei der nächsten Abstimmung eine »Ablehnung mit Kommentaren« abgeben.

Letzte Woche hatte ein Komitee der ISO getagt, um über die technischen Einwände gegen OOXML zu beraten. Dabei kam es zu einer Abstimmung, die von Microsoft medienwirksam als (Vor-)Entscheidung für OOXML dargestellt wurde. Die Realität sieht indes anders aus. Das Komitee hatte weder die Befugnis noch die Absicht, über OOXML abzustimmen oder eine Empfehlung zu geben. Es war lediglich zusammengetreten, um die technischen Einwände abzuarbeiten. Die ECMA hatte im Vorfeld alle Einwände bearbeitet und in einem Dokument von 2300 Seiten Verbesserungsvorschläge gemacht. Jedoch musste über jeden Punkt einzeln abgestimmt werden. Auf der Tagung konnten lediglich 20 bis 25 echte Punkte erledigt werden. Als gegen Ende der Tagung noch über 900 Punkte offen waren, wurde eine Abstimmung beschlossen, diese 900 Verbesserungsvorschläge insgesamt anzunehmen. Trotz scharfer Proteste einiger Delegationen über diese unzulässige Vorgehensweise wurde die Abstimmung durchgeführt. Sie ergab 6:4 Stimmen für die Annahme bei 18 Enthaltungen. Ein relativ neutraler Bericht eines griechischen Delegationsmitglieds ist einer von mehreren Berichten über die Tagung. Er macht unter anderem deutlich, dass den Delegationen zu wenig Zeit blieb, um auch nur ansatzweise die fragwürdigen Punkte ausreichend zu begutachten. Nach Meinung des Autors haben die tausend nun in den Entwurf übernommenen Punkte eine Verbesserung ergeben, insgesamt sei der Entwurf jedoch immer noch unglaublich schlecht.

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Kommentare (Insgesamt: 7 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[2]: Referat (nerd, Do, 6. März 2008)
Re: Referat (nerd, Do, 6. März 2008)
Re: Referat (scnr, Do, 6. März 2008)
Referat (JumpLink, Do, 6. März 2008)
MS-OOXML T-Shirts (mr shirt, Do, 6. März 2008)
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