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Di, 1. April 2008, 12:29

Glosse: »Meine Frau tötet mich«

Wie die Affinität zur Technik zugleich Segen und Fluch sein kann.

Mit der Anschaffung einer technikaffinen Freundin respektive eines Freundes beginnt für viele ein neues Zeitalter der Befehlsgewalt im trauten Heim. Es spielt keine Rolle, ob sich gerade der Laptop in Rauch auflöst, der Toaster »komische« Geräusche von sich gibt oder aus dem naheliegenden AKW gerade eine breite Rauchwolke aufsteigt, denn die Person mit profundem Wissen oder wenigstens einem Hauch von Halbwissen wird gezwungen sein, ihr Können schon bald unter Beweis zu stellen. »Schatz, es geht nicht«, lautet die simple Mitteilung. Alternativ auch mit »Ich habe nichts gemacht« gepaart, um die göttliche Vorsehung zu unterstreichen.

Dass sich den Tragödien des Techniklebens auch wichtige Personen stellen müssen, bewies der Linux-Erfinder Torvalds. Neben der wohl wichtigsten Katastrophe im Computer-Bereich (Ebay geht nicht) gleicht auch das plötzliche Versagen von YouTube einem mittelschweren Erdbeben. Der Haussegen des Torvalds'schen Hauses könnte deshalb nicht schiefer hängen, nachdem der Kernel-Hacker seiner Frau die neueste Kreation der Softwaredesigner aus dem Hause Red Hat vorgestellt hat. »YouTube funktioniert nicht - Fedora 9 nicht nutzbar für meine Frau«. Spätestens hier erzittern auch die stärksten und mutigsten Besitzer einer Freundin/Frau 1.0 oder Freundes/Mannes 1.0. Nutzer einer Upgradevariante 2.0, 3.0 oder höher sind da sicherlich schon resistenter, auch wenn nicht komplett gegen Angstzustände immun.

Man stelle sich die Tragweite der Handlung bildlich vor: Nach möglicherweise wochenlanger Überzeugungsarbeit und harten Fakten stimmt die Gegenpartei einer Neuinstallation des Systems zu. In diesem Fall stellt die Frau allerdings fest, dass YouTube nicht mehr funktioniert. Nein, es ist nicht die Bild oder der Spiegel, die nicht mehr wollen, sondern ausgerechnet YouTube. Dass in diesem Moment jedem existentielle Gedanken durch den Kopf gehen und der Selbsterhaltungstrieb nun der sicheren Auslöschung zu entrinnen versucht, ist keinem mehr zu verübeln. So stuft auch Torvalds sein Problem als besonders hoch ein und unterstreicht im Falle eines Versagens das baldige Ableben durch die Frauenhände.

Der Fluch der Techies und ein schier unlösbares Problem. Eine Weigerung, jegliche technische Arbeiten durchzuführen, gleicht einer Anzeige im Lokalblatt, sich für besonders ausgefallene Särge zu interessieren. Das Versagen als Alternative zu wählen, wirft allerdings noch größere Probleme auf. So informiere sich der Techie gründlich und genau vor der Arbeit und führe die Arbeit zügig und reibungslos durch. Denn jede Minute Verzögerung oder Störung bedeuten in der Praxis ein bestenfalls »besorgtes« Gesicht hinter dem arbeitenden Rücken, das schon sehnsüchtig auf die tägliche Portion Ebay oder YouTube wartet.

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