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Do, 17. April 2008, 13:43

Software::Desktop

Linux und der Consumer-Desktop

Während zunehmend mehr Hardware-Anbieter den Linux-Desktop für private Anwender ins Auge fassen, sehen vor allem die großen Linux-Distributoren die Zeit für den Linux-Desktop noch nicht gekommen.

Gnome mit der Desklets-Erweiterung lukas desk_op-let

Lukas Luka/gnome-look.org

Gnome mit der Desklets-Erweiterung lukas desk_op-let

Linux als Serverbetriebssystem ist angekommen. Der Marktanteil des freien Systems auf Serverplattformen verließ bereits vor längerer Zeit die eher als Rauschen in der Landschaft der Hersteller wahrgenommene Grenze. Das System etablierte sich als eine ernsthafte Alternative zu seinen proprietären Konkurrenten und ist aus vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Zunehmend drängt sich das freie Betriebssystem nun auch in andere Domänen. Sei es der Bereich der Embeded-Geräte oder Kleinstcomputer - kaum ein Bereich kann Linux mehr ignorieren. Zu groß sind die Vorteile der offenen Plattform und zu verlockend die Kosteneinsparungen für die Hersteller.

Einzig der Desktop-Bereich, ein zweifelsohne von Microsoft dominierter Bereich, kommt nur schleppend voran. Es ist aber nicht so, dass hier Linux nichts zu bieten hat. Die Fortschritte, die die Desktop-Umgebungen und Linux im Allgemeinen in diesem Sektor erzielt haben, sind enorm. Binnen weniger Jahre gewann das ehemals als kompliziert verschriene System massiv an Benutzerkomfort. Die Zahl der verfügbaren Anwendungen steigt stetig, und auch die Funktionalität der Applikationen braucht sich nicht hinter den kommerziellen Alternativen unter Windows zu verstecken.

Diese Tatsache erkannten auch Anbieter von Hardware und offerieren zunehmend bereits konfigurierte Systeme mit Linux als Alternative zu dem proprietären System aus Redmond. So zeigte sich Dell von dem im vergangenen Jahr aufgrund von Kundenwünschen gestarteten Angebot an Consumer-Geräten mit Linux durchaus zufrieden. Auch Lenovo und der weltgrößte Hersteller Hewlett-Packard wollen in dem Segment den bisherigen Nischenanbietern in nichts nachstehen und unternehmen erste Versuche in Richtung Linux-Desktop. IBM propagiert bereits seit geraumer Zeit Linux auf dem Desktop und Vertreter des Unternehmens lassen keine Gelegenheit aus, einen bevorstehenden Durchbruch des Systems zu prophezeien.

KDE und Xairon-Compiz

Otto Donder/kde-look.org

KDE und Xairon-Compiz

So auch letzte Woche während des Jahrestreffens der Linux-Foundation, als der IBM-Mitarbeiter und Vorsitzende der Linux-Foundation-Desktop-Arbeitsgruppe John Walicki einen Durchbruch der Linux-Desktops für dieses Jahr prophezeite. Nicht nur die Hardware-Hersteller nehmen das freie Betriebssystem als Konkurrenz zu Microsoft wahr, sondern auch die Distributoren, so Walicki. Die Distributoren haben im letzten Jahr große Fortschritte auf dem Desktop erzielen können.

Dessen sind sich allerdings gerade die größten Motoren von Linux nicht wirklich sicher. Gerade im Linux-Desktop zeigen sich die Distributoren als die größten Skeptiker des Einsatzes von Linux auf dem Consumer-Desktop. Die zwei Platzhirsche Red Hat und Novell verkündeten bereits, dass sie keine wirklichen Pläne haben, Linux auf den Desktop der Endanwender zu bringen.

Red Hat sieht in Linux auf dem Desktop der privaten Anwender in naher Zukunft keinen wirklichen Markt. Zwar werde der Distributor weiterhin eine kommerzielle Desktop-Variante seiner Unternehmens-Produktpalette für Unternehmen anbieten, spezielle Angebote Richtung privater Anwender gibt es allerdings nicht. Zu groß sei hier die Dominanz aus Redmond und zu viele Anwender denken immer noch, dass Linux in diesem Sektor keine ernsthafte Alternative darstelle. Man sehe in der Sparte schlicht keine Chance, ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickeln zu können.

Eine ähnliche Meinung vertritt auch Novell. Laut Ron Hovsepian werde Linux noch drei bis fünf Jahre brauchen, um sich erfolgreich auch auf dem Desktop der Privatanwender etablieren zu können. Wie der Novell-Chef erklärte, sei deshalb der Desktop im Moment eher ein Thema für Unternehmen.

Der Fluch von Linux liegt in der Erfolgsgeschichte. Je erfolgreicher das System auf dem Server und in anderen Bereichen ist, desto weniger lukrativ erscheint es den Herstellern, den Desktop anzugreifen. Zwar bieten die großen Hersteller durch ihre Projekte bereits seit geraumer Zeit genug Alternativen für den Heimanwender, doch eine einheitliche Linie für den Desktop ist im Moment nicht erkennbar. So bleibt dem Linux-Desktop immer noch die Mundpropaganda und das Engagement der freien Gemeinschaft.

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