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Mo, 21. April 2008, 21:14

Software::Büro

OOXML - Ein Standard, den keiner mag

Nachdem das Dokumentenformat OOXML zum Standard erhoben wurde, stellt sich heraus, dass keine heute verfügbare Anwendung diesen unterstützt.

Anfang April war es so weit. Nach Monaten des Ringens und der Proteste erhob die Internationale Organisation für Normung, besser bekannt unter dem Namen ISO, das von Microsoft entwickelte Dokumentenformat OOXML zum Standard. 75% der nationalen Standardisierungs-Organisationen, die P-Mitglieder der ISO sind, befürworteten den Standard. Zwei Drittel wären nötig gewesen. Nur 14% aller Mitglieder stimmten dagegen; für eine Ablehnung wären 25% Nein-Stimmen erforderlich gewesen.

Bereits kurz nach der Verabschiedung des Standards erklangen Stimmen über Unregelmäßigkeiten der Abstimmung. Die von vielen Seiten aufgezeigten Probleme bei der Annahme des OOXML-Standards durch die ISO haben nun dazu geführt, dass die Europäische Kommission eine Untersuchung der Vorgänge begonnen hat. Sie will von allen nationalen Standard-Komitees Auskunft über die Vorgänge erhalten. Das deutsche Außenministerium akzeptiert OOXML bis auf Weiteres nicht, wie die »Open Source News« der IDABC (Interoperable Delivery of European eGovernment Services to public Administrations, Business and Citizens) vermeldete.

Die Verabschiedung des Standard bewegte sich in der Tat auf sehr dünnem Eis. Während das ODF-Dokumentenformat bereits bei der Standardisierung von zahlreichen Applikationen unterstützt wurde, wird OOXML nicht einmal vom Hersteller selbst unterstützt. Laut einem von Alex Brown durchgeführten Test mit Microsoft Office 2007 trennen die generierten Dokumente und den anerkannten Standard Welten. Der ISO7IEC 29500-Beauftragte stellte bei seinen Tests über 122.000 Fehler im Strict-Modus fest. Mit einem Fehlerlog von 17 MB stellt sich deshalb für viele Beobachter die Frage, wie es ein Dateiformat zum Standard schaffen konnte, das nicht einmal durch den Hersteller unterstützt wird, und warum die ISO erst jetzt solche Tests durchgeführt hat.

Antworten auf die Fragen versuchte jüngst der Mitentwickler von XML, Tim Bray, zu finden. Bray vermutet, dass die Ernennung von OOXML zum Standard nur eine Marketingmaßnahme seitens Microsoft darstellte. Nachdem das Unternehmen nun das »Marketingtool« erhalten hat, ist der Standard für die Redmonder nicht mehr interessant. Dass sich Microsoft an die eigenen Vorgaben halten wird, hält Bray deshalb für eine »ISO-Fantasie«.

Es ist sicherlich nicht richtig, bereits im Vorfeld über das Vorgehen von Microsoft zu richten. Das Unternehmen selbst macht es aber seinen Kritikern nicht leicht. So verspricht es auf der eigenen Seite, dass wichtige Dokumente auch mit künftiger Software noch problemlos bearbeiten werden können, verschweigt aber, dass der Standard faktisch keine Relevanz für die eigenen Produkte besitzt. Der Status quo, dass Microsoft-Produkte einzig zu sich selbst kompatibel sind, bleibt bestehen, denn trotz vollmundiger Versprechen können momentan nur Microsoft-Anwendungen die Dokumente problemlos öffnen - trotz eines Standards.

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