Login
Login-Name Passwort


 
Newsletter
Werbung

Fr, 25. April 2008, 13:47

Hardware::Netbooks

OLPC unter Beschuss

Produktions- und Planungspannen, verunsicherte Anwender und verärgerte Käufer – das ehrgeizige OLPC-Projekt verliert zunehmend nicht nur Mitarbeiter, sondern verspielt auch seine Glaubwürdigkeit.

laptop.org

»One Laptop per Child« stellte eine ehrgeizige Initiative von Nicholas Negroponte dar, jedes Kind in Entwicklungsländern mit einem Laptop zum Preis von 100 Dollar auszustatten. Ziel des Projektes war es, einen sehr schlanken Laptop zu schaffen, der den ärmeren Ländern Anschluss an das digitale Zeitalter ermöglichen soll. Durch Weglassen von fehlerträchtigen Komponenten und große Stückzahlen sollte der Preis niedrig gehalten werden. Der Laptop sollte an die Regierungen verkauft werden, die sie möglicherweise kostenlos an die Bevölkerung verteilen würden.

Früh schlugen deshalb dem Initiator des Projektes Sympathiebekundungen entgegen. Die enormen Absatzmärkte und die daraus resultierenden Gewinnmöglichkeiten riefen auch die Branchengrößen auf den Plan, die sich wohlwollend dem Projekt zuwandten. Was folgte, war eine Phase der Ernüchterung. Der angedachte Preis von 100 UD-Dollar konnte schon bald nicht mehr gehalten werden. Das Gerät ist mittlerweile fast doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. Hinzu kamen interne Streitigkeiten, Personalrotation und Austritte von Partnern, die eine gesunde Struktur des Projektes in Frage stellen.

Erst letzte Woche verließ die Nummer zwei hinter Nicholas Negroponte das Projekt. Wie Walter Bender in seiner Abschiedsmail schreibt, sei er ausgebrannt und plant, eine Auszeit zu nehmen. Danach will der Manager seine Aktivitäten weiterhin im Umfeld schlanker Rechner mit einer offenen Struktur bündeln - nicht aber an OLPC. Der wahre Grund für Benders Ausscheiden liegt, so vermuten Beobachter, in internen Streitigkeiten. Bereits letztes Jahr verließ Ivan Krstic, Softwarearchitekt des OLPC, das Projekt.

Sugar, Oberfläche des neuen 100-Dollar-Laptops

OLPC

Sugar, Oberfläche des neuen 100-Dollar-Laptops

Vor allem die künftige Marschrichtung von OLPC ist vielen altgedienten Mitstreitern des OLPC ein Dorn im Auge. Während die ursprüngliche Idee des OLPC proklamierte, eine offene Plattform, fern von Zwängen eines Herstellers zu etablieren, liebäugelt Negroponte zunehmend mit Microsoft. Laut Negroponte hat die bisherige Strategie, ausschließlich auf quelloffene Anwendungen zu setzen, die Verbreitung des OLPC gehemmt. Das System unterstütze unter anderem keine Flash-Animationen, die allerdings laut seiner Meinung auf vielen Seiten benötigt werden. Darüber hinaus biete die selbstentwickelte Bedienoberfläche »Sugar« nicht den gewünschten Komfort.

Wie der Manager deshalb diese Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) sagte, gehe man bei OLPC davon aus, dass der Laptop womöglich zukünftig nur noch mit Windows ausgeliefert wird. Was sich wie ein verspäteter Aprilscherz anhört, meint Negroponte ernst. Die freien Lernprogramme sollen auf Windows portiert werden und die Organisation plant wohl auch weiterhin, Sugar zu verwenden. Warum deshalb der komplette Unterbau ausgetauscht wird und der Manager Unternehmen verprellt, die ihre Entwicklungen eigens für das Projekt im Quellcode veröffentlicht und unter Linux portiert haben, verriet Negroponte nicht.

Doch nicht nur die künftige Marschrichtung verwirrt die Anwender. Die unter dem Namen G1G1 gestartete Initiative beschert dem Projekt zunehmend mehr Negativschlagzeilen und legt Schwächen des Gerätes offen. So berichten Käufer des Laptops über zahlreiche Ausfälle der Tastatur. Da die Fehler oftmals erst nach 30 Tagen in Erscheinung treten, ist eine Rücksendung des Gerätes unmöglich. Ersatztastaturen gibt es nicht. Schwerwiegender ist allerdings der Imageschaden, wurde das Gerät den Angaben nach doch speziell dazu konstruiert, auch den widrigsten Anforderungen Stand zu halten.

So ist man von der ursprünglichen Planung, mehrere Millionen Geräte auszuliefern, weit entfernt. Die bereits 500.000 Mal verkauften Geräte mögen auf den ersten Blick viel sein, geben aber nicht einmal ansatzweise den ursprünglichen Anspruch wider. Das wissen auch die Verantwortlichen und geben zu, das Gerät besser vermarkten zu müssen. Ob allerdings eine Reihe von Pannen der richtige Weg ist, OLPC positiv in Szene zu setzen, ist fraglich.

Werbung
Kommentare (Insgesamt: 92 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[2]: Bedienoberfläche »Sugar« (michi, Mo, 28. April 2008)
Re[2]: Schämen sollte er sich (Gedächntnis einer Dreitagsflie, Mo, 28. April 2008)
Schade (Micha, Mo, 28. April 2008)
Re[2]: Flash (Chef, So, 27. April 2008)
Re[6]: Unterbau? (energyman, So, 27. April 2008)
Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung