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Di, 27. Mai 2008, 08:41

Gesellschaft::Politik/Recht

Software-Patente sind Munition in einem »Kalten Krieg«

Microsoft hat ein US-Patent auf ein System für proaktiven Virenschutz erhalten.

Fraglich ist allerdings, ob die im Februar 2004 zum Patent angemeldete Technologie wirklich von Microsoft erfunden wurde - kein ungewöhnliches Problem im Software-Bereich. »Mit den Software-Patenten in den USA scheint es wie im Kalten Krieg zu sein. Man hortet sie als Waffen und Munition, hofft aber, dass man sie doch nicht verwenden muss - doch wird ständig aufgerüstet, um sich gegen potenzielle Angriffe besser wehren zu können«, meint Andreas Marx, Geschäftsführer von AV-Test, gegenüber pressetext.

Das in der Vorwoche erteilte US-Patent 7.376.970 beinhaltet den Ansatz, unbekannte Software und damit potenzielle Malware in einer virtuellen Betriebssystemumgebung zu untersuchen. Das ist nicht ungewöhnlich - Marx verweist beispielsweise auf die Sandbox des IT-Sicherheitsanbieters Norman, die einen ähnlichen Ansatz verfolgt und unter anderem auf der Virus Bulletin Konferenz 2001 vorgestellt wurde. »Das Patent wird man sicherlich als 'Prior Art' zurückweisen können«, ist Marx überzeugt. Allerdings sei fraglich, ob es zu einer Anfechtung käme. »Wahrscheinlich wird das keine andere AV-Firma machen, weil diese meist selbst einen großen Satz von Patentschriften hat, der sicherlich auch das eine oder andere angreifbare Patent enthält«, erklärt Marx. Als Konkurrenten im Patent-Wettrüsten speziell im AV-Bereich nennt er Symantec, McAfee und Trend Micro.

Software-Patente auf verbreitete Ansätze sind häufig. »Selbst die einfache Suche nach Signaturen in Dateien ist patentiert«, meint Marx. Die Palette der Software-Patente reicht von Methoden wie dem One-Click-Shopping von Amazon bis hin zu Trivialitäten - sogar auf Implementierungen von Fortschrittsbalken, wie sie seit Jahrzehnten in der einen oder anderen Form bekannt sind, gibt es Patente und das auch in der Europäischen Union. AV-Test-Mitarbeiter Frank Deßmann äußert gegenüber pressetext Skepsis ob solcher Patente: »Ist es wirklich sinnvoll, bereits verbreitete Technologien überhaupt patentieren zu können?« In der Linux- und Open-Source-Gemeinschaft gäbe es großen Frust angesichts der Vergabe von Patenten für längst bekannte Methoden und gerade im Open-Source-Bereich könnten Patente leicht zu Problemen führen.

Im AV-Bereich ist Trend Micro Anfang des Jahres aufgrund eines vermeintlichen Angriffs auf Open Source ins Visier der Software-Patent-Kritiker geraten. Seither ruft die »Foundation for a Free Information Infrastructure« (FFII) auf der Webseite »Nosoftwarepatents.com« zum Boykott des Anbieters auf. Weiters macht sich die Organisation dort in siebzehn EU-Sprachen gegen Software-Patente ganz allgemein stark und warnt beispielsweise, dass Software-Patente vor allem Großkonzernen nutzen, während sie für kleine und mittlere Firmen primär Risiken bringen würden. »Software-Patente werfen eher Probleme auf, vor allem für kleinere Anbieter, und nutzen hauptsächlich den großen Firmen«, meint auch Marx. Ein gerichtliches Antreten gegen große AV-Anbieter habe kaum Erfolgsaussichten, kleine Firmen dagegen könnten mit Klagen überzogen werden. Genau dieses Problem ortet die FFII aber nicht nur im AV-Bereich, sondern rund um Software-Patente allgemein. (pte)

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