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Mo, 23. Juni 2008, 12:31

Software::Systemverwaltung

Positionspapier zu geschlossenen Treibern herausgegeben

In einem Positionspapier haben einige Linux-Kernel-Entwickler Stellung zu Closed-Source-Modulen bezogen und fordern Unternehmen auf, zunehmend auf offene Treiber zu setzen.

Eigentlich ist es nichts Neues, dass Linux-Entwickler für Geräte von Drittherstellern spezielle Treiber schreiben und sie dann der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Im Januar 2007 wollte der Novell-Angestellte Greg Kroah-Hartman das Selbstverständliche offiziell machen. Unter der Überschrift »Kostenlose Linux-Treiber-Entwicklung« stellte der Entwickler allen interessierten Firmen ein Angebot vor, das die Übernahme aller Entwicklungsarbeiten zur Herstellung eines Treibers unter Linux enthält. Die Gemeinschaft würde nicht nur die Entwicklung des Treibers übernehmen, sondern auch die Pflege. Die Resonanz war eher verhalten und vor allem große Unternehmen nahmen das Angebot des Entwicklers nicht an und veröffentlichen ihre Treiber weiterhin in binärer Form.

Die Integration von geschlossenen Treibern für Linux ist nicht problemlos. Nach Auffassung manch eines Kernel-Entwicklers sind Kernel-Module abgeleitete Werke des Kernels, und für diese schreibt die GPL vor, dass sie unter der gleichen Lizenz wie der Kernel stehen müssen. Die Auslegung der Passage der GPL ist allerdings bei vielen umstritten. Linus Torvalds vertritt zwar die Meinung, dass Treiber, die gegen eine Kernel-API gelinkt sind oder gegen einen Kernel linken, auch unter der GPL stehen müssen, doch sieht er die Implementation mittels eines Abstraktionslayers als grenzwertig an. Torvalds selbst spricht von einer Grauzone.

In der Vergangenheit äußerte sich Torvalds deshalb kritisch über eine Sperre für unfreie Treiber. Er warf den Leuten, die eine Sperrung des Kernels für proprietäre Module fordern, Heuchelei vor. Die gleichen Leute, die DRM und Gesetze wie den DMCA ablehnen, wollen durch die Reglementierung der Treiber Ähnliches im Kernel erreichen. Für Torvalds ist es jedoch besser, die Grauzone der »abgeleiteten Werke« so zu belassen, wie sie ist. Die GPL kann nur bei solchen vom Kernel-Code abgeleiteten Werken greifen. Wenn nicht einwandfrei festgestellt werden kann, ob ein Modul von Kernel-Code abgeleitet ist, dann gilt die Unschuldsvermutung. In einer Email wies er nochmals darauf hin, dass die GPL lediglich die Weitergabe, nicht die Benutzung von Code regelt. Das Laden eines Binärmoduls sei eine Benutzung und dabei dürfe den Benutzern keinerlei Einschränkung auferlegt werden.

Vor allem Kroah-Hartman ist mit der momentanen Situation nicht zufrieden. Neben der Initiative, kostenlos für Unternehmen freie Treiber zu schreiben, ist sich der Entwickler nicht zu schade, die Unternehmen über die Risiken aufzuklären. In einer neuen Aktion sammelte er Unterschriften von zahlreichen Kernel-Entwicklern und äußerte zum wiederholten Male seine Bedenken zu proprietären Treibern.

141 Kernel-Entwickler, darunter beispielsweise Alan Cox, der sich selbst nicht sicher war, wie binäre Treiber im Kernel gehandhabt werden sollten, haben zu der momentanen Situation Stellung bezogen. Demnach seien Closed-Source-Module für Linux schädlich, da sie die Vorteile eines offenen Systems relativieren. Darüber hinaus untergraben sie die Stabilität und die Flexibilität des Linux-Entwicklungsmodells. Um alle Vorteile von Linux in Anspruch nehmen zu können, bedarf es laut Aussagen der Entwickler eines offenen Modells. Dementsprechend drängen sie alle Hersteller, die unter Linux anerkannten Standards zu akzeptieren und die Kunden mit offenen Treibern zu unterstützen.

Der Ton der Erklärung ist zwar bestimmend, aber nicht drohend. Grund hierfür könnte unter anderem der anhaltende Pragmatismus sein, denn in der Praxis dürfte die Realisierung offener Treiber für viele Unternehmen schwer sein. Neben patentrechtlichen Knebeln ist für viele Firmen auch die Angst, Innovationen an potentielle Konkurrenten durch eine Freigabe des Codes herauszugeben, ein entscheidender Punkt für geschlossene Treiber. Torvalds selbst hat das Papier nicht unterschrieben.

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