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Di, 5. August 2008, 13:18

Software

Die schlechte Benutzbarkeit freier Software

Insbesondere kleinere Projekte - proprietäre ebenso wie freie - weisen oft Mängel in der Benutzbarkeit auf, die ein Artikel von Matthew Paul Thomas aufzeigt.

Vor sechs Jahren schrieb der Autor bereits einen Artikel zum gleichen Thema mit dem provokanten Titel »Why Free Software usability tends to suck«. In seinem aktuellen Artikel führt der Autor diese Überlegungen fort und nennt 15 Gründe für die schlechte Benutzbarkeit mancher Softwareprojekte sowie mögliche Verbesserungsmaßnahmen.

Seine Gründe treffen überwiegend auch auf proprietäre Software zu. Freie Software hat aber potentiell mehr Anwender und mehr Nutzer, die Vorschläge oder Änderungen beisteuern können. Unabhängig von der Frage, ob frei oder proprietär, haben jedoch Projekte mit kleiner Entwicklerzahl in der Regel mehr Probleme als größere.

Der Anreiz für Entwickler, an der Benutzbarkeit zu arbeiten, ist gerade bei freier Software oft zu gering. Ferner wären gute Designer nötig, um gute Benutzbarkeit zu erreichen. Diese sind jedoch selten zu finden. Durch die Betonung des Programmcodes sind Designvorschläge nicht immer willkommen, Designer sind jedoch oft keine Programmierer und können daher keinen Code beitragen. Gute Benutzbarkeit ist schwer zu messen und sehr zeitaufwendig in der Realisierung - für kleine Projekte of zu aufwendig. Das Schreiben von Code, bevor es ein Design gibt, ist ein weiteres Problem.

Wenn ein Projekt einen Designer hat, dann sollte es nur einen geben, sonst können Inkonsistenzen zwischen verschiedenen Programmteilen auftreten. Ein weiterer verbreiteter Fehler ist laut Thomas, bekannte Programme nachzuahmen. Dabei können auch diese Programme schlechte Benutzbarkeit aufweisen, selbst wenn sie von Apple oder Microsoft stammen. Wenn Entwickler ihr Programm hauptsächlich für ihre eigenen Zwecke entwickeln, lassen sie Benutzbarkeit oft außer acht oder kümmern sich nicht um kleine Fehler, mit denen sie selbst leben können.

Auch das Bereitstellen von zuvielen Optionen, um die Entwickler zufriedenzustellen, trägt nicht zur Verbesserung der Situation bei. Generell hält es Thomas für ziemlich schwierig, Designideen über das Internet zu diskutieren, da E-Mail, IRC und Bugtracking-Systeme dafür wenig geeignet seien. Aber auch das Prinzip, Code so früh wie möglich zu veröffentlichen, kann zum Problem werden, da sich die Anwender an die Designmängel gewöhnen können. Die Modularität von freier Software kann zum Problem werden, wenn die grundlegenden Module nicht im Hinblick auf die Anforderungen der darüberliegenden entworfen wurden. Und schließlich ist es schwierig, Verbesserungen projektübergreifend vorzunehmen, da die entsprechenden Entwickler selten miteinander kommunizieren.

Thomas bietet für all diese Probleme Lösungsvorschläge an, die er für realisierbar hält. Zweifellos bleibt das Thema Benutzbarkeit schwierig, aber Verbesserungen sind in Projekten jeder Größe möglich. Dafür sind jedoch gute Kenntnisse, Disziplin (Entwurf vor dem Beginn der Programmierung), Kommunikation, Beschäftigung mit den Anwendern und Zeit notwendig. Für größere Projekte sind die Zuweisung von Designerrollen, Entwicklertreffen und verteilte Versionsverwaltungsysteme Teile der Lösung. Durch die Vergabe von Preisen oder Prämien könnte nach der Meinung von Thomas die Benutzbarkeit gefördert werden.

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