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Di, 23. September 2008, 13:46

Software::Distributionen::Canonical

Greg KH: »Canonical trägt nichts zum Linux-Ökosystem bei«

In einer offiziellen Keynote auf der Linux Plumbers Conference attackierte der Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman das Verhalten der Ubuntu-Muttergesellschaft Canonical und bemängelte fehlendes Engagement in der Linux-Gemeinschaft.

Die Besucher der Keynote von Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman auf der Linux Plumbers Conference staunten nicht schlecht. Der eigentlich als »Linux-Ökosystem« angekündigte Beitrag des Kernel-Entwicklers und Novell-Angestellten entwickelte sich mit fortlaufender Dauer zu einer Abrechnung mit dem Linux-Distributor Canonical. Die Muttergesellschaft der Ubuntu-Distribution trage so gut wie gar nichts zur Linux- und Systementwicklung bei und bediene sich der Arbeit anderer, ohne eine eigene Leistung zu erbringen.

Stein des Anstoßes stellte eine bereits vor Monaten von Kroah-Hartman aufgestellte Aussage dar, wonach Canonical in den vergangenen Jahren lediglich fünf bis sechs Patches in den Kernel übermittelte. Nachdem sich die Entwickler beschwert hatten, präzisierte er in seiner Keynote die Zahl und stellte in Übereinstimmung mit den Canonical-Entwicklern fest, dass die Ubuntu-Muttergesellschaft in den letzten drei Jahren 100 Patches für den Kernel übermittelte. Stellt man es allerdings in Relation zu den insgesamt erstellten Patches aller Hersteller, so trug Canonical gerade einmal 0.1% aller Patches bei. Red Hat übermittelte in demselben Zeitraum über 11.000 Patches und Novell über 7.000.

Auf weiteren Folien zeigte Greg Kroah-Hartman die Beteiligung von Canonical auch bei anderen Systemen wie X.org, gcc oder binutils. Auch hier stellte der Entwickler eine massive Passivität dar. Die Beteiligung bei gcc lag bei 0.3%, bei X.org bei kaum messbaren 0.0466% und bei Systemen wie Alsa oder binutils konnte gar keine Beteiligung festgestellt werden.

Die Antwort auf Kroah-Hartmans Angriff kam postwendend. In seinem Blog gab Matt Zimmerman, Canonicals CTO, Kroah-Hartman zwar recht, bemängelte aber nicht nur die Art der Erhebung, sondern auch die Aufrichtigkeit der Aussagen. So verschweigt der Entwickler in seinen Unterlagen die Tatsache, dass er bei einem direkten Konkurrenten von Canonical arbeite. Ferner bestehe für Kroah-Hartman ein »Linux-Ökosystem« lediglich aus den Kernkomponenten und beinhalte keine Desktop-Umgebungen wie Gnome oder KDE, in deren Entwicklung sich Canonical engagiere. Darüber hinaus ärgert sich der Canonical-Manager über die Intention der Aussagen. Es stimme zwar faktisch, dass das Unternehmen erheblich weniger zum Linux-Kernel beitrage als seine direkten Konkurrenten, aber das sei auch nicht der Fokus des Unternehmens. Der Kernel ist nur ein Block des Systems, das das Unternehmen für seine »primäre Mission« nutze - eine einfache und freie Distribution zu erstellen. Aus diesem Grund setzt Canonical auch größtenteils den Upstream-Kernel ein und hat schlicht keine Notwendigkeit, Patches an die LKML zu senden.

Schützenhilfe bekam Zimmerman von seinen Angestellten. Wie der langjährige IBM-Angestellte und ehemalige Red Hat-Mitarbeiter Dustin Kirkland in seinem Blog schreibt, ist der Vergleich eine Farce. Kroah-Hartman vergleiche das Engagement einer kleinen Firma, die gerade vier Jahre existiert und immer noch Verluste schreibe, mit Schwergewichten der Branche und verlange dasselbe Engagement. Während Red Hat über 2000 und Novell gar über 4000 Mitarbeiter beschäftige, arbeiten für Canonical nur 130 Personen.

Für Amanda McPherson, Vizepräsidentin der Linux Foundation, ist es ebenfalls unverständlich, warum Kroah-Hartman Canonical so massiv angreift. Es möge an der Popularität der Distribution liegen, die Kroah-Hartman dazu veranlasst, mehr Engagement im Kernel zu fordern. Doch auch McPherson stellt fest, dass auch für sie das »Linux-Ökosystem« nicht nur aus dem Kernel bestehe und ebenfalls Desktop-Umgebungen umfasse. Sie wundert sich darüber hinaus, warum Kroah-Hartman nicht auch Unternehmen angreife, die ebenfalls von Linux partizipieren und noch weniger zurückgeben. »Greg ist ein sehr effektiver und strategischer Zeichengeber für Kernel-Probleme. Ich würde es mir aber wünschen, er würde diese bedeutenden Fähigkeiten für Inspiration anstatt Züchtigung nutzen«, so McPherson.

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