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Mi, 8. Oktober 2008, 10:48

Software

Ändert Geld freie Softwareprojekte?

Die gemeinsame Arbeit von bezahlten und unbezahlten Entwicklern an freien Softwareprojekten wirft immer wieder Fragen auf, die jetzt in einer Doktorarbeit untersucht wurden.

Martin Michlmayr, der selbst mit einer Doktorarbeit über die Veröffentlichungsstrategie von freier Software promoviert hat, macht auf eine Doktorarbeit von Evangelia Berdou aufmerksam. Die Arbeit (PDF) von Frau Berdou mit dem Titel »Managing the Bazaar: Commercialization and peripheral participation in mature, community-led Free/Open source software projects« enthält seiner Ansicht nach viele Einsichten in die Auswirkungen, die das Zusammenarbeiten von bezahlten und unbezahlten Entwicklern hat.

Frau Berdou verglich die Projekte GNOME und KDE miteinander, die beide als ausgereift gelten können und vergleichbare Ziele verfolgen. Sie befragte zahlreiche Entwickler beider Projekte und kam so zu der Ansicht, dass die bezahlten Entwickler weitgehend den Kern der Projekte bilden. Sie sind für die Infrastruktur verantwortlich und tragen - wenig überraschend - überdurchschnittlich viele Änderungen zum Code bei. Sie haben laut der Arbeit auch andere Prioritäten. Sie streben nach höchster technischer Qualität, während die Freiwilligen eher Wert auf Zugänglichkeit und praktischen Nutzen legen.

Aufgrund der Interviews formulierte Frau Berdou vier Hypothesen. Bezahlte Entwickler würden mehr zu kritischen Teilen des Codes beitragen. Sie würden diese Teile auch eher pflegen. Freiwillige würden eher zu Aspekten beitragen, die auf die Endanwender abzielen. Sie würden sich auch weniger an Veranstaltungen (z.B. Konferenzen) beteiligen. Diese Hypothesen scheinen intuitiv selbstverständlich, doch laut Frau Berdou treffen sie nur auf GNOME komplett zu. Bei KDE seien nur die zweite und vierte Hypothese nachweisbar.

Die Doktorarbeit stellt fest, dass die Beiträge von Firmen einen signifikanten Anteil haben und entsprechend wichtig sind. Die Orientierung der bezahlten Entwickler zum zentralen Code des Projekts könnte auch damit zu tun haben, dass diese Entwickler sich eher die technischen Fertigkeiten dafür aneignen können. Bessere Dokumentation und Hilfe könne Außenstehenden helfen, sich im zentralen Code besser zurechtzufinden und dazu beizutragen. Eine weitere Erkenntnis ist, dass bezahlte Entwickler oft auch zu Modulen beitragen, die nicht zu ihren Aufgaben gehören, oft auch in ihrer Freizeit.

Freiwillige Entwickler sollten mit Zuschüssen ermuntert werden, zu Veranstaltungen zu reisen, da sie sonst teilweise die Kosten dafür nicht aufbringen können. Dies wird von einigen Projekten, aber auch der Linux Foundation, mittlerweile praktiziert.

Offen bleibt, woher die von der Arbeit ermittelten Unterschiede zwischen GNOME und KDE kommen. Die Autorin ermittelte einen höheren Anteil bezahlter Entwickler bei GNOME als bei KDE. Diese Zahl kann jedoch durch die Auswahl der Stichprobe und willkürliche Kriterien verfälscht sein. Als sicher kann gelten, dass die Lizenz der GNOME-Bibliotheken, die LGPL, für einige Unternehmen entscheidend war, sich zu engagieren, denn Bibliotheken, die ausschließlich unter der GPL angeboten werden, sind für kommerzielle Projekte nicht verwendbar (bei Bibliotheken wie Qt, für die eine kommerzielle Lizenz verfügbar ist, ist es lediglich eine finanzielle Erwägung). Auch die geografische Verteilung der Entwickler sowie die Projektziele können eine Rolle spielen, doch es scheint nicht möglich, aus den Unterschieden zwischen GNOME und KDE plausible Rückschlüsse zu ziehen.

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