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Mi, 22. Oktober 2008, 18:02

Software::Systemverwaltung

Streit um ATI-Treiber in X.org

Durch die Löschung des radeonhd-Treibers aus dem Modules-Verzeichnis des X.org-Zweiges avanciert der xf86-video-ati quasi zum Standardtreiber und verdrängt vorerst seinen Konkurrenten.

Benutzer von ATI-Chipsätzen haben es nicht leicht. Will man dem proprietären Treiber des Herstellers entkommen, stellt sich immer noch die Frage nach dem »richtigen« freien Treiber für ihre Karten. Gleich zwei funktionell fast identische Projekte buhlen um die Gunst des Anwenders. Sowohl xf86-video-ati als auch xf86-video-radeonhd unterstützen die meisten neuen Chipsätze und bieten eine ähnliche Funktionalität, auch wenn sie teils verschieden zum Ziel kommen.

Das wohl größte Unterscheidungsmerkmal der beiden Treiber stellte in der Vergangenheit die Unterstützung von AtomBIOS dar. Die von ATI vorgestellte Abstraktionsschicht, die auf allen neueren ATI-Grafikkarten zu finden ist, ermöglicht eine einheitliche Programmierung der Chips. Anstatt direkt auf die Register des Chips zuzugreifen, können Programmierer durch die Abstraktion mit erheblich weniger Aufwand die Funktionen der Bausteine ansprechen. Die Verwendung der binären Schnittstelle in den freien Treibern ist allerdings umstritten, weshalb sich das Team rund um xf86-video-radeonhd ursprünglich auf die direkte Programmierung mittels Registerzugriffen beschränkte. Die Entwickler sehen des AtomBIOS, das auch von den proprietären Treibern genutzt wird, als weiteren binären Blob, den man ja gerade mit der Entwicklung von freien Treibern loswerden wollte.

Spätestens seit der teilweisen Nutzung von AtomBIOS-Funktionen in xf86-video-radeonhd näherten sich die beiden Treiber allerdings nicht nur funktionell, sondern auch technisch an. Doch die Unterscheidung, welcher der »richtige« Treiber im X.org-Zweig sein dürfte, ist auch im Falle einer absoluten technischen Angleichung nicht leicht. Während für den xf86-video-ati-Treiber vor allem die Unterstützung auch älterer Chipsätze und die Nutzung Standardisierter Schnittstellen spricht, weist der xf86-video-radeonhd-Treiber durch seine jüngere Geschichte weniger Altlasten auf, ist technisch fortgeschrittener und kann sich des finanziellen Rückhalts von Novell sicher sein.

Dementsprechend unsicher sind sich auch die Distributoren. Viele der Hersteller liefern gar drei Treiber mit. So sind beispielsweise auf der Mandriva-Distribution sowohl der binäre fglrx-Treiber von ATI als auch die beiden freien Pendants zu finden.

Mit einer Änderung im Modules-Verzeichnis von X.org könnte die künftige Wahl des Treibers massiv zugunsten von xf86-video-ati verschoben werden. Daniel Stone entfernte gestern xf86-video-radeonhd aus dem Verzeichnis und begründete seine Entscheidung damit, dass bereits ein Radeon-Treiber in X.org existiere.

Naturgemäß stieß die Änderung im Kreise der xf86-video-radeonhd-Entwickler auf nur wenig Gegenliebe. Luc Verhaegen, einer der drei Hauptentwickler, stößt sich nicht nur an der Änderung, sondern vor allem an der Art der Durchführung. Die Änderung sei laut Verhaegen weder an die Entwickler kommuniziert worden, noch haben sie eine Chance erhalten, Stellung zu der Streichung zu beziehen. Auch die Gründe seien Verhaegen nicht ersichtlich.

Stone rechtfertigt seine Entscheidung durch die Tatsache, dass es schwieriger sei, zwei Treiber mit fast gleicher Funktionalität zu pflegen. Ihm pflichtet auch der prominente X.org-Entwickler Keith Packard bei, der als Beispiel den Kernel nennt. Auch dort werden laut Packard keine zwei identische Treiber gepflegt. Allerdings wurde er durch Alan Cox widerlegt. Cox stellte fest, dass es nicht die Politik der Kernel-Entwickler sei, doppelte Treiber zu entfernen oder zu verhindern: »Wir haben diverse Übergänge, in denen wir mehrere Treiber für dieselben Geräte ausliefern, so dass Anwender alte getestete oder neue Treiber auswählen können«. In der Regel können die Übergänge bis zu mehreren Jahren dauern.

Während die Frage nach dem gewünschten ATI-Treiber in X.org vorerst wohl geklärt ist, schwillt im Hintergrund ein weiteres potentielles Problem an. Ähnlich wie beim ATI-Treiber existieren auch für Nvidia-Karten neben dem offiziellen binären Blob zwei voneinander unabhängig entwickelte freie Treiber. Auch hier wird sich irgendwann die Frage nach dem »richtigen« Treiber stellen.

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Kommentare (Insgesamt: 95 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[8]: Keine Frage (Headbutt, Sa, 25. Oktober 2008)
Re[7]: Keine Frage (Headbutt, Sa, 25. Oktober 2008)
Re[6]: Keine Frage (energyman, Sa, 25. Oktober 2008)
Re[2]: Treiber für Kartenserien (energyman, Fr, 24. Oktober 2008)
Re[20]: Keine Frage (sd07, Fr, 24. Oktober 2008)
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