Login
Login-Name Passwort


 
Newsletter
Werbung

Mi, 4. Februar 2009, 19:35

Software::Desktop

Compiz: Aus drei mach eins

Wie die Entwickler des populären Compositing-Managers Compiz bekannt gaben, wird die Entwicklung der künftigen Versionen von Compiz, Compiz++ und Nomad zusammengeführt.

Reflexionen des Compiz-Würfels auf dem Boden

dev.beryl-project.org

Reflexionen des Compiz-Würfels auf dem Boden

Wohl kaum eine andere Applikation unter Linux kann auf eine so bewegte Entwicklung zurückschauen wie Compiz. Der ursprünglich von Novell entwickelte Composition- und Fenstermanager hatte bereits kurz nach seiner Geburt der Gemeinschaft schwere Nachwehen beschert und hält sie bis heute auf Trab.

David Reveman, Angestellter von Novell, hatte 2004 einen neuen Server angekündigt, der vor allem durch seine Schnelligkeit hervorstechen sollte. Im November 2004 war es so weit und Reveman stellte die erste Version seines Servers unter dem Namen XGL zum Download bereit. Der Grundstein für Compiz war gelegt.

Bereits kurze Zeit später kam allerdings der erste Rückschlag. Wie der damalige Entwickler bekannt gab, erwiesen sich die Arbeiten als zu umfangreich, um von damals zwei Personen gestemmt werden zu können. Die Aussicht, die kommenden Jahre mit der Entwicklung zu verbringen, ohne dass am Horizont ein Ende der Arbeit zu sehen war, wurde als Grund für die Einstellung der Arbeiten an XGL genannt. Reveman nahm sich der Arbeit wieder an und entwickelte den Server samt Compiz hinter verschlossenen Türen weiter. Aufgrund massiver Proteste musste Novell allerdings Anfang 2006 einlenken und stellte die Quellen von XGL wieder zur freien Verfügbarkeit bereit. Compiz war geboren.

Die Freuden des neuen Compositing-Managers, der im Februar 2006 offiziell vorgestellt wurde, hielten allerdings nicht lange an. Bereits sechs Monate später beklagten Projektmitglieder die ihrer Meinung nach falsche Richtung der Entwicklung. Einer der Gründe war unter anderem die Fixierung des Projektes auf GNOME und die immer noch unzureichende Zusammenarbeit der Hauptentwickler mit der Gemeinschaft. Das mittlerweile als Hauptanlaufstelle für Compiz-Entwickler fungierende »Compiz-Quinn«-Projekt entschied sich zu einer Abspaltung. Mit »Beryl« wurde der erste Fork von Compiz geboren.

Ein halbes Jahr später näherten sich die Positionen der Projekte wieder an. Quinn Storm, Leiterin des »Beryl«-Projektes, schloss in einer Mail an die Entwicklerliste eine Wiedervereinigung nicht aus. Auch der Compiz-Projektleiter David Reveman und die Gemeinschaft schienen einer engeren Zusammenarbeit nicht abgeneigt zu sein. Anfang April kündigten beide Projekte ihre Wiedervereinigung an. In einer Abstimmung haben sich die Entwickler darüber hinaus auf den Namen »Compiz Fusion« geeinigt. Ende August 2007 wurde die erste Version der Applikation veröffentlicht.

Der vorläufige Frieden sollte allerdings nicht lange währen. Nicht einmal ein Jahr später brodelte es wieder unter den Compiz-Entwicklern. In den letzten Monaten hat es kaum echte Fortschritte gegeben, behauptete Kristian Lyngstol in einer Mail, die er mit »Die Zukunft von Compiz« betitelte. Darüber wurde mit Compiz++ ein neuerer Fork des Projektes gegründet. Das unter der Ägide von Dennis Kasprzyk initiierte Projekt stellt eine radikale Änderung dar. Zu den Neuerungen gehören unter anderem eine Kapselung der Variablen, Trennung der OpenGL-Funktionen von den Composite-Funktionen, gekachelte Texturen und eine effizientere Plugin-Schnittstelle. Ferner hat der Entwickler den Code auf C++ portiert.

Zeitgleich wurde von Novell ebenfalls ein neuer Zweig von Compiz vorangetrieben, der faktisch gesehen auch als Fork zu verstehen war. Die unter dem Namen »Nomad« publizierte Anwendung stellt eine Remote-Desktop-Lösung dar und soll einen leichteren Zugriff auf entferne Rechner ermöglichen. Sie basiert auf RDP und DMX2 und nutzt auch Compiz-Funktionen.

Nun scheint auch die neue Zerreißprobe für das Projekt heil überstanden zu sein. Wie die Entwickler von Compiz++ und Compiz bekannt gaben, soll die Erstellung der künftigen Versionen wieder unter dem Dach eines Projektes stattfinden. Demnach planen alle Teams, nach der Freigabe von Compiz 0.8.0 die Arbeiten an Compiz 0.9.0 zu beginnen und die Änderungen des Compiz++-Projektes in Compiz zu implementieren. Erst dann sollen auch die Änderungen des Nomad-Projektes in die Applikation Einzug halten. Sind alle Projekte vereint, planen die Entwickler eine Phase der Stabilisierung auf dem Wege zu einer stabilen Version 1.0. Ob sie es allerdings bis dahin auch aushalten, bleibt in Anbetracht der bisherigen Zusammenarbeit abzuwarten.

Werbung
Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung