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Mo, 27. Juli 2009, 10:59

Gemeinschaft::Personen

Richard Stallman kritisiert schwedische Piratenpartei

Richard Stallman hält Pläne der schwedischen Piratenpartei, das Urheberrecht einzuschränken, auch für freie Software für schädlich.

Die schwedische Piratenpartei, die als Reaktion auf überzogene Forderungen der Medienindustrie und deren Angriffe auf die Torrent-Plattform Pirate Bay verstanden werden kann, sah in ihrem Programm ursprünglich vor, das Copyright ganz abzuschaffen. Aktuell will sie davon absehen, aber die digitale Rechteverwaltung (DRM) verbieten, das nichtkommerzielle Veröffentlichen von publizierten Werken legalisieren und das Copyright auf fünf Jahre begrenzen. Fünf Jahre nach ihrer Veröffentlichung sollen alle Werke Public Domain werden.

Dies würde auch freie Software betreffen. Während Richard Stallman, der Gründer und Präsident der Free Software Foundation (FSF), die Änderungen generell unterstützt, sieht er freie Software durch diese Maßnahmen beeinträchtigt. Denn die GNU General Public License und ähnliche Lizenzen bauen auf dem Copyright auf, nur verwenden sie es umgekehrt: Anstatt dem Benutzer Rechte vorzuenthalten, gewähren sie sie ausdrücklich. Diese Copyleft-Lizenzen profitieren so auch von den langen Schutzfristen, die das Urheberrecht derzeit bietet.

Würden die Ziele der schwedischen Piratenpartei erreicht, dann würde dieser Schutz nach fünf Jahren verschwinden, die Software würde niemandem mehr gehören und könnte nach Belieben überall verwendet und auch in proprietäre Software eingebaut werden.

Umgekehrt könnte dagegen proprietäre Software nicht in freie Software integriert werden. Selbst wenn die Schutzfrist abgelaufen wäre, könnte sie weiterhin durch EULAs geschützt sein, und der Quellcode stünde nicht zur Verfügung, was jede Wartung unmöglich machen würde. Auch gebe es keine Kontrolle darüber, was diese Software tut; sie könnte sogar nach Ablauf der Schutzfrist ihre Funktion einstellen. Der Ansatz der Piratenpartei würde daher Entwicklern proprietärer Software den Zugriff auf alle freie Software geben, für die freie Softwarewelt dagegen gäbe es nichts zu gewinnen.

Das Copyright wird laut Stallman auch eingesetzt, um die Bedrohung durch Softwarepatente zu reduzieren. Zumindest verhindert es, dass ein Programm durch Softwarepatente effektiv unfrei werden kann. Die Piratenpartei will zwar Patente völlig abschaffen, aber solange das nicht erreicht ist, darf laut Stallman der Copyright-Schutz nicht verloren gehen.

Wie Stallman erwähnt, wurde als Ergänzung zum Programm der Piratenpartei vorgeschlagen, die Schutzfrist für freie Software gegenüber proprietärer zu verlängern, um die erwähnten Nachteile auszugleichen. Die Führung der Partei hat sich jedoch gegen solche Ausnahmen ausgesprochen. Daher hat Stallman nun eine andere Möglichkeit vorgeschlagen, denn er sieht keinen Anlass, für ein stärkeres Copyright einzutreten. Er will nur, dass proprietäre Software nach den vorgeschlagenen fünf Jahren ebenfalls Public Domain wird. Dafür müsste der Quellcode dieser Software, sobald sie veröffentlicht wird, bei einer Behörde hinterlegt werden, um sie nach fünf Jahren freizugeben.

Ein anderer Vorschlag sieht vor, die Schutzfrist umso mehr zu verlängern, je mehr Freiheiten eine Publikation bietet. Dadurch wäre freie Software nur ein Speziallfall einer allgemeineren Regelung. Ob die Partei auf diese Vorschläge eingeht, ist noch offen.

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