Login
Login-Name Passwort


 
Newsletter
Werbung

Di, 19. Januar 2010, 13:45

Software::Distributionen

ReactOS will sich neu erfinden

Die Entwickler des ehrgeizigen Projektes ReactOS setzen sich zum Ziel, eine freie Windows-Umgebung auf Basis quelloffener Software zu erstellen – über elf Jahre nach dem Beginn der Arbeit räumt der momentane Projekleiter nun konzeptionelle Schwächen ein und plant eine komplette Neuausrichtung.

MS Works 8.5 unter ReactOS

reactos.org

MS Works 8.5 unter ReactOS

Bereits 1996 legte das Team den Grundstein für ein neues Betriebssystem unter dem Namen FreeWin95. Aufgrund ihrer Unzufriedenheit mit der unter Linux angebotenen WINE-Lösung sollte ein offenes und schnelles System entstehen, welches dem Redmonder Unternehmen Paroli bieten kann. Die Arbeiten stockten allerdings aufgrund interner Unstimmigkeiten und 1998 startete ein neues Projekt unter dem Namen ReactOS. Im Gegensatz zur Ursprungsversion konzentrierten sich die Entwickler nicht mehr auf eine Windows95-Umgebung, sondern strebten einen Windows NT-Klon an. Mit der Version 0.1.0 stellten die Macher 2003 eine erste Version vor, die zwar nach Aussagen der Programmierer noch einen »langen Weg zu gehen hat«, aber in Grundzügen die Funktionalität des neuen Systems zeigen sollte.

Monster Truck Madness unter ReactOS

reactos.org

Monster Truck Madness unter ReactOS

Über zehn Jahre nach dem Start des Projektes sieht sich ReactOS nun an einem Scheideweg. Wie Aleksey Bragin, momentaner Koordinator des Projektes, in einer E-Mail an die Liste von ReactOS schreibt, ist das Projekt immer noch nicht bei einer Version angekommen, die von Anwendern genutzt werden kann. Von einer Beta-Version oder gar einer stabilen Version sei nicht zu reden.

Zwar kann das Projekt jedes Jahr eine enorme Anzahl an funktionellen Verbesserungen für sich verbuchen, doch seien es gerade die Anwenderprogramme, die sich immer noch nicht starten lassen. »Für einen Anwender ist es wichtig, dass der Webrowser funktioniert, der Instant-Messenger sich verbinden kann, Office Dokumente zeigt und der Email-Client neue Nachrichten empfängt«. Keine dieser Voraussetzungen kann momentan erfüllt werden. »Es ist die Anwendbarkeit, die fehlt«, so Bragin weiter. »Wenn wir so weiter machen, fürchte ich, dass unser Projekt auch in zehn Jahren nicht nutzbarer sein wird«.

Control-Panel in ReactOS 0.3.3

reactos.org

Control-Panel in ReactOS 0.3.3

Laut Bragin verschlingt vor allem die Konzeption des Win32-Subsystems, das gleichzeitig das wohl wichtigste System in ReactOS darstellt, enorme Ressourcen. Gleich 30 Entwickler haben sich in den vergangenen Jahren exzessiv mit der Verbesserung des Win32-Subsystems befasst. Die Resultate blieben bescheiden und Bragin geht fest davon aus, dass sogar das Erreichen einer Windows 2000-Kompatibilität mit der momentanen Zahl an Entwicklern für das Projekt schwer sein wird.

Um dem Ziel eines funktionsfähigen Systems näher zu kommen, schlägt Bragin deshalb eine komplette Neuausrichtung vor [PDF]. Demnach sollte das bereits seit über zehn Jahren entwickelte Win32-Subsystem komplett ausgetauscht werden. Was auf den ersten Blick absurd klingt, erklärt der Entwickler mit der simplen Tatsache, dass das neue Subsystem bereits existierende Technologien einsetzen sollte, anstatt sie neu zu erfinden.

Das bereits seit einem halben Jahr von Bragin entwickelte Arwinss setzt deshalb exzessiv auf Wine auf. So seien beispielsweise die Fensterhandhabung, der Windows-Server und GDI in Wine komplett isoliert und können ohne Änderungen auch durch ReacsOS genutzt werden. Aber auch andere Teile lassen sich problemlos nutzen oder erweitern, so Bragin. Der Vorteil für das Projekt: Änderungen zahlreicher Entwickler können genutzt und problemlos auch in ReactOS implementiert werden. Neben offensichtlichen Vorteilen wie einem signifikant kleineren Zeit- und Arbeitsaufwand würde ein Einsatz von Wine auch die Möglichkeit bringen, Tests nicht mehr direkt unter einem Betriebssystem, sondern unter Wine zu starten.

Bragins Idee einer kompletten Neuausrichtung stieß im Kreis der Entwickler auf Zustimmung. Vor allem die Aussicht auf ein funktionierendes System sei verlockend und motiviert auch manch einen ReactOS-Kernel-Entwickler dazu, Arwinss zu unterstützen. »Wenn ich es alleine schaffte, das neue System binnen weniger Monate aus dem Nichts zu schaffen, stellt euch vor, was wir alle gemeinsam erreichen könnten«, so Bragin abschließend.

Werbung
Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung