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Mo, 25. Januar 2010, 15:47

Gemeinschaft

Studie untersucht Softwarequalität von OpenOffice.org

Niederländische Analysten haben die Softwarequalität von OpenOffice.org untersucht und bescheinigen dem Projekt eine mittelmäßige Qualität. Das Versprechen von Oracle, nach der Übernahme von Sun die Entwicklung von OpenOffice.org fortzuführen, sehen sie noch nicht als Garantie.

Eine von der niederländischen Analystenfirma Software Improvement Group (SIG) durchgeführte Studie befasste sich mit der Messung der Softwarequalität der freien Büro-Software-Suite OpenOffice.org sowie eventuellen Risiken für Großanwender in Behörden und Unternehmen. Die Studie wurde laut Firmenangaben aus eigenem Antrieb erstellt und von keinem Auftraggeber finanziert. Die gesamte Studie kann als 12-seitiges PDF-Dokument kostenlos von der SIG-Webseite heruntergeladen werden.

Der frei zugängliche Quellcode von OpenOffice.org (OOo) bietet sich geradezu an für die Messung verschiedener Kriterien. So hat die SIG den Quellcode der Versionen 2.4.1, 3.0.0 und 3.1.1 nach ihrem eigenen SIG-Qualitätsmodell SQM evaluiert, das auf ISO 9126 beruht und hauptsächlich die Wartbarkeit des Codes über die Zeit bewertet. Kriterien sind für SIG die Codegröße, Duplikation von Code, Komplexität, Kopplung des Codes, Größe der Module und Schnittstellen zwischen den Modulen. Jedes Kriterium wird mit 0 bis 5 Sternen bewertet.

Über vier Millionen Codezeilen umfasst die neueste Version von OOo, wobei der Zuwachs gegenüber den Vorversionen gering war. Dies ist für SIG Anlass, den Code-Umfang mit der schlechten Wertung von 0,5 Sternen zu versehen. Weitere schlechte Bewertungen gab das Unternehmen für Komplexität (1,5) und Größe der Module (1,5). Insgesamt wurden alle drei betrachteten Versionen mit 3 Sternen, also durchschnittlich, bewertet. Die erheblichen Änderungen im Code zwischen den Versionen hatten also kaum Auswirkungen auf die Qualität hinsichtlich der Wartbarkeit. Um die Bewertung zu erhöhen, müsste das Projekt erhebliche Teile des Codes refaktorisieren, so SIG.

Auch die Verfahren der Qualitätssicherung in OOo wurden von SIG untersucht. Die Qualitätssicherung ist ein unabhängiges Projekt innerhalb von OOo, das C++-Code-Richtlinien herausgegeben hat, deren Einhaltung aber nur durch Reviews überprüft wird. Zudem sind die Richtlinien nach Auffassung von SIG auf recht wenige Aspekte beschränkt.

Sun, das StarOffice vor über zehn Jahren gekauft und als OpenOffice.org freigegeben hatte, soll von Oracle übernommen werden. Falls die Übernahme zustande kommt, was noch nicht endgültig sicher ist, sieht SIG es als Risiko an, dass Oracle die Entwicklung von OOo nicht mehr so unterstützt, wie Sun es bisher getan hat. Aktuell kommt immer noch ein großer Anteil der Entwicklung von Sun-Mitarbeitern, obwohl die Beteiligung allen Interessenten offen steht und auch etliche andere Entwickler und Unternehmen bereits involviert sind. Oracle hat zwar verkündet (PDF, letzte Seite), OOo fortführen zu wollen, doch ist dies laut SIG nicht verbindlich und nicht sehr konkret. Große Anwender in Behörden und Unternehmen sollten daher mit dem Einsatz von OOo lieber bis zum Abschluss der Übernahme warten. Oracle könnte eine lizenzpflichtige Version von OOo schaffen wollen, warnt SIG, erwähnt jedoch nicht, dass es eine solche Version bereits gibt.

Die freie Version von OOo ist ein etabliertes Projekt und kann nicht untergehen. Aber die Entwicklung könnte sich laut SIG stark verlangsamen. Die Folge könnte ein Mangel an Support sein, der durch kleine Unternehmen nicht kompensiert werden könne, weil sie Schwierigkeiten hätten, den umfangreichen Code zu verstehen. Diese Auffassung wird jedoch vom Leiter des OpenOffice.org-Marketing-Projekts John McCreesh, der kein Sun-Mitarbeiter ist, als Spekulation abgetan.

Bezüglich der Codequalität empfiehlt SIG dem Projekt, die Code-Standards um Richtlinien zur technischen Qualität des Codes zu erweitern, und die manuelle Code-Reviews durch automatisierte Verifikations-Tools zu ergänzen. Trotz der mittelmäßigen Qualität sei OOo immer noch konkurrenzfähig mit proprietären Produkten, aber es gebe viel Raum für Verbesserungen.

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