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Di, 30. März 2010, 14:21

Gesellschaft::Politik/Recht

Offene Standards in Europa in Gefahr

Seit mehreren Jahren arbeitet die Europäische Kommission an der zweiten Auflage des European Interoperability Framework (EIF). Kurz vor der Fertigstellung zeigt sich erneut, wie die Lobby proprietärer Software den Entwurf zu ihren Gunsten umschreiben ließ.

Das European Interoperability Framework wurde im Jahr 2004 geschaffen, um einen Rahmen und Ziele zur Interoperabilität der Software von Behörden mit anderen Behörden, Unternehmen und Bürgern zu schaffen. Das Dokument steht in Version 1 als PDF-Datei weiter zum Download bereit. Laut früheren Angaben des britischen Journalisten Glyn Moody war das Dokument sehr erfolgreich und wurde von verschiedenen Staaten als Muster für ihre eigenen Bestrebungen zur Interoperabilität verwendet. Ein Grund dafür dürfte sein, dass das Dokument klar erkennt, dass Interoperabilität offene Standards voraussetzt, und eine präzise Definition eines offenen Standards gibt. Diese Definition entspricht weitgehend derjenigen, die von der freien Softwarewelt propagiert wird, denn sie fordert neben der kostenlos oder für geringe Kosten erhältlichen Spezifikation auch, dass keine Lizenzzahlungen für die Implementierung und Verwendung des Standards erhoben werden dürfen, und dass alle von den beteiligten Firmen gehaltenen Patente, die den Standard betreffen, kostenlos genutzt werden dürfen. Diese Einsicht wurde beispielsweise von den Niederlanden in ihrem Aktionsplan umgesetzt.

Glyn Moody, bekannt als Beobachter der Open-Source-Entwicklungen und als Autor des Buches »Rebel Code«, warnt nun erneut, dass die bevorstehende zweite Version des EIF durch Konzerninteressen ausgehöhlt werden könnte. Dies dürfte vor allem durch die Patentregelung veranlasst sein, die den Konzernen nicht passt, da sie ja unliebsame Konkurrenz durch kleine und Open-Source-Anbieter ermöglicht. Version 2 wird hinter verschlossenen Türen entwickelt, doch wie schon zuvor wurde ein aktueller Entwurf, der als Veröffentlichungskandidat gilt, außenstehenden Personen zugespielt. Das Dokument ist offenbar bislang nicht öffentlich verfügbar.

Die Free Software Foundation Europe (FSFE) beobachtet die Änderungen in den verschiedenen Versionen mit zunehmender Sorge. In der aktuellen Version wird auf offene Standards überhaupt nicht mehr Bezug genommen, freie Software wird auf eine einzelne Fußnote reduziert. Der im letzten November an die Öffentlichkeit gelangte Entwurf enthielt einige Formulierungen, die geradezu grotesk wirkten, beispielsweise »verschiedene Grade der Offenheit« oder »»Interoperabilität kann ohne Offenheit erreicht werden«. Diese Formulierungen wurden nach Angaben der FSFE nun weitgehend ersatzlos gestrichen, was das Dokument endgültig jeder Aussagekraft beraubt.

Nach Angaben der FSFE folgte die Europäische Kommission damit weitgehend den Kommentaren der Business Software Alliance (BSA), einer Lobbygruppe, die sich für proprietäre Software und proprietäre Standards einsetzt. Dagegen wurden die Kommentare von Gruppierungen, die sich für freie Software und freie Standards einsetzen, darunter das Open Forum Europe und der FFII, vollständig ignoriert.

Ein Blog-Eintrag von Karsten Gerloff von der FSFE enthält weitere Informationen sowie Hinweise, wie sich Bürger gegen den neuen Entwurf engagieren können.

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