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Di, 6. April 2010, 12:05

Gesellschaft

OOXML-Standard vor dem Scheitern

Das kommende MS Office 2010 wird voraussichtlich den von Microsoft selbst forcierten ISO-Standard von OOXML nicht unterstützen - selbst Microsoft-freundliche Beobachter gehen von einem sicheren Scheitern des Standards aus, wenn sich kein Richtungswechsel abzeichnet.

Alex Brown, zum Zeitpunkt der Standardisierung noch Befürworter von OOXML, wird in seinem Blog zunehmend skeptischer. In den vergangenen zwei Jahren habe Microsoft zu wenig getan, und als Krönung des Ganzen wird MS Office 2010 wohl den Standard gar nicht unterstützen, dafür aber die von der ISO abgelehnte Version von OOXML. »Es ist, als ob der Standardisierungsprozess nicht stattgefunden habe«, konstatiert Brown.

Es ist hinreichend dokumentiert, wie Microsoft die Standardisierungs-Gremien der ISO weltweit manipulierte. Eine große Zahl von linientreuen Befürwortern von OOXML wurde kurzfristig in den Organisationen platziert, die allerdings über die Abstimmung hinaus keinerlei Interesse an Standardisierungsarbeit hatten. Trotzdem war die Entscheidung für OOXML äußerst knapp. Sie gelang nur deshalb, weil der Standard in zwei Teile aufgeteilt wurde, »strict« und »transitional« genannt. Ersterer ist der offiziell abgesegnete Standard, letzterer enthält die Optionen, die schon 2007 zur Ablehnung durch die ISO führten. Schon MS Office 2007 unterstützte den Standard nur schlecht, doch das kommende MS Office 2010 wird offenbar noch schlechter, da es den Umfang von »transitional« implementiert und damit all das enthält, was in neuen Implementierungen nicht mehr unterstützt und nach »strict« migriert werden sollte.

Brown untersucht in seinem Beitrag die verschiedenen Versprechungen, die Microsoft seinerzeit machte und stellt fest, dass davon wenig eingelöst wurde. Kritiker hatten genau das von Anfang an erwartet. So gab Microsoft an, von der globalen Gemeinschaft eine Menge gelernt zu haben. Das kann man heute getrost als Märchen bezeichnen. Microsoft versprach auch, den Standard zu pflegen und weiterzuentwickeln. In der Tat fand etwas Pflege und Korrektur an den Standardtexten statt, aber laut Brown viel zu wenig. Die Arbeitsgruppe WG4 der ISO musste daran erinnert werden, einige lange ausstehende Defekte endlich zu beheben, ein ungewöhnliches Ereignis in der ISO-Welt.

Für Brown ist unklar, wo der Grund für das Verhalten von Microsoft zu suchen ist. Die Produktmanager haben offiziell die Unterstützung des Standards zum Ziel erklärt, und einige Mitarbeiter mit gutem Ruf in der Standardisierungs-Gemeinschaft wüssten zweifellos, was zu tun wäre. Dennoch erzeugt MS Office 2010 Beta ungültige Dateien, wenn man sie mit verschiedenen Validatoren untersucht. Laut Brown ist nicht zu erwarten, dass sich das bis zur Produktfreigabe noch ändert. Somit sollten alle Anwender sehr genau prüfen, ob MS Office 2010 ihre Anforderungen erfüllen kann. Ohne baldige Kursänderung ist für Brown das ganze OOXML-Projekt auf dem sicheren Weg, zu scheitern.

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