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Do, 6. Mai 2010, 13:00

Unternehmen

Auseinandersetzungen um Koha

Die freie Bibliotheksverwaltung Koha steht vor einer Zerreißprobe. Die Firma PTFS, die eine kommerzielle Unterstützung von Koha anbietet, hat effektiv einen Fork geschaffen und stellt Bedingungen, die das freie Projekt nicht akzeptieren will.

Koha ist eine webbasierte Bibliotheksverwaltung, die unter der GPL vertrieben wird. Die Software wurde von der neuseeländischen Firma Katipo Communications im Auftrag des Horowhenua Library Trust (HLT) entwickelt und soll mittlerweile in über eintausend Bibliotheken weltweit zum Einsatz kommen. Die Gemeinschaft, die sich um Koha bildete, produzierte Übersetzungen in etliche Sprachen sowie ständige Updates.

Im Laufe der Zeit entstanden Unternehmen, die Support für die Software leisteten. 2005 wurde in den USA von einem der Koha-Entwickler, Joshua Ferraro, LibLime gegründet. 2007 kaufte LibLime die Rechte an Koha von Katipo Communications und übernahm die Webseite Koha.org. Bis Mitte 2009 lief die Zusammenarbeit zwischen LibLime und dem Rest der Koha-Gemeinschaft offenbar reibungslos.

Als LibLime jedoch ankündigte, dass es einen eigenen Zweig der Software pflegen wolle, um den Kunden mehr Stabilität und neue Features zur Verfügung stellen zu können, war es vorbei mit der Harmonie. Erst recht, als sich herausstellte, dass die Erweiterungen von LibLime bis heute nicht der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt wurden. Unklar ist noch, ob dies eine Copyright-Verletzung darstellt. Da alle zu Koha beitragenden Autoren ihr Copyright behalten, hat die Firma kein Recht, den Code unter einer anderen Lizenz als der GPL weiterzugeben. Sie kann die Bedingungen der GPL jedoch erfüllen, wenn sie ihren Kunden den Quellcode anbietet. Eine weitergehende Veröffentlichungspflicht besteht nicht.

Anfang 2010 wurde die Lage noch etwas komplizierter, als Progressive Technology Federal Systems (PTFS) LibLime übernahm. PTFS leistete ebenfalls Support für Koha und hatte Beiträge zur Gemeinschaftsversion von Koha beigesteuert. Mittlerweile hatte die Gemeinschaft aber schwere Bedenken über die Fortführung der Webseite koha.org und gründete daher die neue Webseite koha-community.org, die unter der Obhut des Horowhenua Library Trust steht und auf der die Entwicklung der Version, die die Gemeinschaft als die offizielle ansieht, stattfindet.

PTFS würde gerne die Gemeinschaft zurück zu koha.org holen, doch die Gemeinschaft will sich nicht mit der Idee anfreunden, dass koha.org einem Unternehmen gehört - diese Abneigung dürfte auf den Erfahrungen des vergangenen Jahres beruhen. Stattdessen fordert die Gemeinschaft, dass PTFS entweder die Domain herausgibt oder den Code zu koha-community.org transferiert. Die Gemeinschaft, repräsentiert durch das HLT Koha Committee, berichtete am 29. April von zwei weiteren fragwürdigen Entwicklungen bei PTFS. Zum einen habe PTFS die Marke »Koha« in Neuseeland beantragt und den Markenhinweis auf der LibLime-Webseite geändert, so dass er nicht mehr den Tatsachen entspricht. Zum anderen verlangte PTFS für die Diskussion von verschiedenen Komitee-Mitgliedern angeblich eine Vertraulichkeitsvereinbarung. Offiziell bedauert PTFS die Ablehnung dieses Ansinnens und die Absage der Telefonkonferenz durch das HLT Koha Committee. In dieser Verlautbarung wird auch deutlich, dass PTFS die Absicht hat, Koha schnell weiterzuentwickeln und zu einem führenden Produkt zu machen.

Aus juristischer Sicht muss PTFS sich bisher offenbar nichts vorwerfen lassen. Wer jedoch auf die Arbeit einer Gemeinschaft aufbaut und dies auch weiterhin tun will, sollte es unterlassen, die Gemeinschaft zu verärgern. Es wäre nicht das erste Mal, dass solches Verhalten zu Forks von Projekten führt, wie man an den Beispielen Mambo, TWiki und Nagios sehen konnte. Die Webseite in die Hand der Gemeinschaft zurückzugeben, würde die Sicherheit schaffen, dass es nicht zu willkürlichen Zugriffsbeschränkungen kommen würde. Auch wäre es für PTFS ein Leichtes, die Marke Koha an die Gemeinschaft zu übertragen. Die kommerzielle Version von Koha besitzt ohnehin schon einen eigenen Namen, LibLime Enterprise Koha (LLEK). Wie ein Kommentator außerdem anmerkte, ist die Markenanmeldung in Neuseeland wohl aussichtlos. In Neuseeland werden keine Marken für Wörter vergeben, die in Wörterbüchern stehen - und Koha ist ein Wort der Maori-Sprache, einer der beiden offiziellen Sprachen von Neuseeland.

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