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Di, 8. Juni 2010, 18:00

Gesellschaft::Politik/Recht

Solothurn: Probleme stark übertrieben

Die Solothurner Zeitung berichtete gestern, wie auch auf Pro-Linux gemeldet, über wachsende Kritik an der Linux-Migration des Kantons Solothurn. Pro-Linux fragte nach, ob dieser Bericht den Tatsachen entspricht.

Auf unsere Nachfrage erklärte Kurt Bader, Chef des für die Migration verantwortlichen Amtes für Informatik und Organisation (AIO), dass es momentan nur noch ein größeres Problem gebe, und das bestehe im Webmail-Client von Scalix. Es fehle eine Aufgabenverwaltung in dem Programm. Diese sei von Scalix für März 2010 zugesagt, aber bisher noch nicht ausgeliefert worden. Daneben gebe es einige für die Benutzer wichtige »Komfort-Funktionen«, die das Programm noch nicht besitze. Ansonsten fehle dem Client aber nichts, auch dass er webbasiert ist, spiele letztlich keine Rolle.

Korrekt ist die Angabe des Zeitungsartikels, dass die Einführung von Ambassador auf den 1.1.2011 verschoben wurde. Zwar war das Programm schon am 1.4. weit fortgeschritten, doch ließ die Geschwindigkeit noch zu wünschen übrig, so dass es von den Benutzern nicht akzeptiert wurde. Ambassador ist ein umfangreiches System, an das zahlreiche weitere Fachanwendungen angekoppelt sind. Es wurde im Auftrag des AIO von der englischen Firma Zylog geschrieben. Es löst das von der Schweizer CM-Informatik entwickelte Konsul ab. Da CM-Informatik entgegen ursprünglicher Zusagen keine Linux-Version von Konsul entwickeln wollte, erhielt das AIO den Quellcode und ließ von Zylog die in Ambassador umbenannte Software auf Java portieren.

Als Betriebssystem setzt Solothurn auf Univention Linux. Für den Support wird auf ein lokales Unternehmen zurückgegriffen, es bestehen aber auch direkte Kontakte zu Univention. Über 800 der 1300 gleichzeitig arbeitenden Benutzer des Kantons arbeiten täglich mit dem Linux-Desktop, (unter Ausklammerung der fehlenden Webmail-Funktionen) zur Zufriedenheit der Benutzer, wie Kurt Bader betont. Ausgenommen von der Migration wurden die Gerichte - nicht aus technischen Gründen, sondern weil die Benutzer kompromisslos auf MS Outlook bestanden.

Einige Benutzer leisten der Migration weiterhin Widerstand - und dies wurde in dem Artikel der Solothurner Zeitung erheblich aufgebauscht. So handelte es sich bei den angeblichen Problemen mit dem Drucken lediglich um ein vorübergehendes Problem, das nach dem Update des VMWare-Servers, auf dem der virtualisierte CUPS-Servers läuft, vor drei Wochen auftrat und mit einer Einstellungsänderung im VMWare-Server behoben wurde. Insgesamt ist nach Auskunft des Amtsleiters das System äußerst stabil und wartungsarm. Schon jetzt spart die Verwaltung ca 1,5 Mio. Franken pro Jahr ein, und das schon seit Jahren. Die von Migrationsgegnern geforderte Expertise wird laut Kurt Bader wahrscheinlich nicht sehr viel Neues bringen. Der endgültige Migrationstermin zu Ambassador am 1.1.2011 stehe, und mit der Ersparnis gibt es ein zusätzliches Argument für die Migration. Dass sich die Politik trotzdem anders entscheidet, scheint zur Zeit unwahrscheinlich, jedenfalls zeigt der Regierungsrat nach wie vor eine zustimmende Haltung zum Projekt.

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Kommentare (Insgesamt: 28 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[4]: Solothurn und Linux (Hoppla, hoppla!, Mi, 9. Juni 2010)
Re[4]: Extra Aufwand (extra Aufwand für Windows, Mi, 9. Juni 2010)
Re[2]: Extra Aufwand (Von extra Aufwand für Windows, Mi, 9. Juni 2010)
Re[4]: Extra Aufwand (Heinze, Mi, 9. Juni 2010)
Re[3]: Extra Aufwand (Heinze, Mi, 9. Juni 2010)
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