Zumindest bei kommunalen Behörden gibt es dafür einen ganz praktischen Grund: die Fachanwendungen (welche es gibt, weiter unten). Kommunalbehörden sind autonom (Art. 28 GG) und können sich selbst organisieren. Daher ist es in Deutschland z.B. nicht möglich, eine einheitliche Einwohnermeldeverwaltung für alle Kommunen vorzuschreiben. Daher gibt es zwar einen Markt für Fachanwendungen, dieser wird aber von Windows-orientierten Produkten dominiert. Und bei Preisen im fünfstelligen Bereich für Fachanwedungen interessieren ein paar hundert Euro für Windows überhaupt nicht mehr.
Kurz gesagt: die Kommunalverwaltungen brauchen Fachanwendungen und bekommen die nur unter Windows. Hier mal einige Beispiele für Fachanwendungen:
- Sitzungsdienst (für Ratssitzungen usw.) - Personalbrechnungs- und informationssysteme - Gleitzeiterfassungssysteme - Controllingsysteme für die Führungsspitze und Rechnungsprüfung - Finanzwirtschaft (NKF, Finanzmanagement, d.h. abgeänderte Doppik) - Kassen- und Anordnungswesen - Steuerverwaltung (Gewerbesteuer, Grundsteuer, Hundesteuer usw. usw.) - Obdachlosenverwaltung, Verwaltung von Übergangsheimen - Gaststättenverwaltung - Gewerbedatenbank - Sozialhilfe-Programme - Bearbeitung Fehlbelegerabgabe und Wohnungsbauförderung - Wohngeld-Software - CAD für Planungsrecht - Geo-Informationssysteme - Facility-Management-Software - Grundstücksverwaltung
>> Kurz gesagt: die Kommunalverwaltungen brauchen Fachanwendungen und bekommen die nur unter Windows.
!! s/bekommen/gibt/ !!
Die Software können Sie auch für Linux programmieren lassen. Und sehr sehr oft sind es speziell programmierte Windowsprogramme, keine Stangenware, was diesen Punkt fast zur Gänze entkräftet.
Würden die Politiker mehr auf Linux & Co. setzen, wären die Fachanwendungen kein Problem. Jede Softwareschmiede würde die Spezialsoftware für Linux programmieren, wenn sie dafür einen Auftrag von der Regierung/Kommunalverwaltung bekommt.
Richtig, aber bestehende Software wird meist weiterentwickelt und angepaßt womit man bei Windows bleibt.
Und wenn doch mal die Software komplett neu geschrieben werden soll, dann gibt es halt noch Software B, C, D und E nicht noch Windows benötigt, weswegen man die neue Software A 2.0 auch wieder für Windows entwickeln läßt.
Man müßte also schon alles auf einmal umstellen, von A, B, C, D und E und das machen halt nur die wenigsten Komunen.
Von Verwaltungsangesteller am Mo, 28. Juni 2010 um 03:02 #
Na, du musst es ja wissen...
Ich bezweifle, dass es wirklich so schwierig ist, in weiteren Bereichen Linux zu etablieren. Ich verweise mal auf das Projekt aus Bayern. Da ist es auch erfolgreich gewesen. Also, vielleicht ist eine Kooperation angebracht? Es geht definitiv. Klar, paar Gebiete sind noch unertastet, wie du schon richtig anmerkst, aber das Potential besteht. Das ist die Hauptsache.
Man muss sich mal vorstellen wie viel Geld man sparen könnte, wenn man sowas staatlich zentral als OSS entwickeln würde. Die Anforderungen sind in jeder Kommune ja quasi gleich. Man könnte es mit angepasster Sprache wahrscheinlich europaweit nutzen.
Aber nein es kocht lieber jeder sein eigenes proprietäres Süppchen
ob Beamte oder der Öffentliche Dienst ein guter Maßstab für die Linuxdurchdringung sind. Solange fünfstellige Beträge für Software nur rechtzeitig geplant werden müssen um von Steuereinnahmen bezahlt zu werden, ist das Interesse an Open Source (mit den "zwingenden" Umschulungen) und des Einsparpotentials eher gering.
Meiner Erfahrung nach gibt es im Bereich der öffentlichen Hand eine breite Ablehnung von gerade Linux und Open Source
Das hat handfeste Gründe.
Es findet gerade in diesem Bereich eine sehr intensive Lobbyarbeit statt.
Einladungen zu Messen, Fortbildungsveranstaltungen und sonstigen Events die natürlich auch ein sehr Umfangreiches Rahmenprogramm haben.
Das hat der Einsatz einer GNU/Linux Lösung einfach nicht zu bieten.
Selbst wenn man den Bereich der Client Software einmal ausblendet gibt es dort eine starke Diskrepanz über den Einsatz von GNU/Linux Servern im vergleich zur Privatwirtschaft.
In der Privaten Wirtschaft ist im Bereich der Serversysteme GNU/Linux eine feste Größe, mit meiner Erfahrung nach einer immer stärkeren Nachfrage.
Der Kostendruck in der Privatwirtschaft ist auch um ein vielfaches höher als in der öffentlichen Verwaltung.
Im Bereich der öffentlichen Verwaltung sind GNU/Linux Server nur mit der Lupe zu finden.
Es gibt noch einen weiteren Grund: Die Admins in Behörden sind zu einem Großteil zum MCSE umgeschulte Hausmeister oder Ähnliches, mit einem einem entsprechenden Gehalt. Ich weiß ganz konkret von einem Fall, wo die Fachanwendung (eine GIS-Applikation) für einen Linux Server konzipiert war (im Grunde ist und nun dementsprechend unzuverlässig läuft), den die Admins nicht in den Griff bekamen, sodass die Dienste auf einen Windows Server migriert wurden. Machste Nix...
Von Marc Schoechlin am So, 27. Juni 2010 um 20:52 #
Fachanwendungen sind in der Tat ein echtes Problem - mich wundert nur warum Behörden nicht auf die Idee kommen sich die Fachanwendungen von Softwarentwicklungsfirmen neu und als OpenSource programmieren zu lassen.
Aus meiner Sicht hätte das einige sehr interessante Vorteile:
Entwicklungen bzw. Erweiterungen können leichter ausgeschrieben werden weil bei der Ausschreibung potentiell interessierte Firmen vorher genau beurteilen können worauf sie sich einlassen (dies führt zu realistischeren Angeboten und mehr Wettbewerb)
Der Wechsel zwischen Softwareentwicklungsfirmen die im Auftrag des Staats entwickeln fällt leichter.
Es ist eine Kooperation von Bereichen in unterschiedlichen Gemeinden und Bundesländern möglich
Die Gemeinden und Bundesländer sind der Preispolitik der Hersteller nicht mehr so stark ausgeliefert (oft haben die Hersteller Monopole für bestimmte Fachanwendungen)
Die Weiterentwicklung kann besser beeinflusst werden
Fachanwendungen werden dann eher nicht über ein Lizenzmodell sondern eher über ein Supportmodell vertrieben (Bei so speziellen und langfristigen Einsatzszenarien muss das in jedem Falle günstiger sein)
Schnittstellen und Fachlogik sind offen und können so besser integriert und weiterentwickelt werden
Anwendungen können portabel für unterschiedliche Betriebssystemplattformen entwickelt werden
Durch die Offenlegung ist eine bessere Qualitätskontrolle der Software möglich
Was meint ihr? Gibt es Gründe gegen Fachanwendungen auf OpenSource Basis?
Das wäre eigentlich ganz cool eine Art Sourceforge für Staatssoftware zu haben....
Ich würde sogar noch weiter gehen: Da die Fachanwendungen von Steuergeldern, also der Allgemeinheit, bezahlt werden, sollte man gesetzlich vorschrieben, dass diese Software auch der Allgemeinheit wieder zu nutzen kommt:
Sprich: ein OS-Zwang für behördlichen Fachanwendungen. Dadurch könnten vermutlich Milliarden gespart werden, die in unterschiedlichen Fachanwendungen imer wieder neu und proprietär implementiert werden,
@Marc Schoechlin, Der Jupp und cleaner (aus Posting Werbung) Man, ihr sprecht mir aus dem Herzen !!!
Es gibt überhaupt keine Gründe gegen Fachanwendungen auf Basis der GPL oder ähnlichem. Wir alle als Steuerzahler sind die Auftraggeber und sollten unsere gewählten Vertreter dazu energisch anhalten, zukunftsorientiert im sozial verantwortlichem Sinne (FSF) für unserer Kinder aber auch deren Geldbeutel Entscheidungen zu treffen.
Letztendlich benötigt die öffentl. Verwaltung und all ihre Ausprägungen (Bundeswehr, Bundesgrenzschutz etc.), die von den Steuerzahlern bezahlt werden, nur eine/n starken Frau/Mann als Projektleiter/in "Umsetzung von freier, quelloffener Software in den öffentl. Verwaltungen und all ihre Ausprägungen", die/ der wenig Kompromisse (Lobbyisten sind absolut auszugrenzen) eingeht und Lösungen !!!verlangt!!! und !!!durchsetzt!!!. Seine Mitarbeiter, die nur Problembeschreibungen liefern, sollte er gegen solche austauschen, die bereit sind, Lösungen zu bieten oder daran mitzuarbeiten.
Imho geben sie damit auch ein gutes, mit sozialem Verantwortungsbewußtsein geprägtes Beispiel für unsere Kinder und Kindeskinder, die ohne monopolistische Geißeln aufwachsen können sollten !
@all Fachanwendungen können via Terminal-Server-Prinzip zur Verfügung gestellt werden und danach successive und "oberflächengleich" umgesetzt werden in ein GNU/Linux und GPL (quelloffen) basierendes Programm, vllt sogar plattformübergreifend. Dafür müßten dann auch keine Mitarbeiter umgeschult werden.
Zwingende Schulungen reduzieren sich auf Umschulungen von Administrationspersonal und das amortisiert sich kurzfristig oder wird, wie bisher, von "outgesourctem KnowHow" lolol (eingekaufte Firmen) befriedigt. Hat also auch kaum Zusatzkosten, evtl. neue Ausschreibungen und die o. g. geringfügigen Umschulungen.
Die Mitarbeiter benötigen keine oder nur wenige Schulungen, da die Standardsoftware von Windows auch auf GNU/Linux läuft oder in wenigen Fällen mit einem, von der Oberfläche, ähnlichem Programm (z. B. OpenOffice, Evolution, KMail, Thunderbird etc. ) ersetzt werden kann. Die Fachanwendungen laufen, bis sie umgesetzt wurden, auf einem Terminal-Server und danach oberflächengleich oder besser, auf einem nativen GNU/Linux.
Ich hoffe, dass eure und meine Ausführungen kein Wunschdenken bleiben und sich langfristig um- und durchsetzen !
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert. Zuletzt am 28. Jun 2010 um 10:45.
Es gibt viele und hervorragende Beispiele dafür, dass die Beauftragung durch die öffentliche Hand selber nach hinten losgeht. Der Auftrag wird erteilt, ohne dass ein ausreichendes Leistungsverzeichnis vorhanden ist. Die Firmen programmieren und müssen dann immer nachschustern. Die öffentliche Hand hat sich dann oft in die Hand der Software-Firma begeben und kann das Projekt nicht mehr stoppen, ohne großen finanziellen Schaden zu haben.
Bestes Beispiel: KIRP. Das ist ein ERP-System (u.a. Doppelte Buchführung und Kostenrechnung), das von der öffentlichen Hand bestellt wurde. Nach schleppendem Anlauf und viel, viel Geld-Nachforderungen lief es dann irgendwie. Später wurde es dann von einer Firma aufgekauft, die als erstes die Einstellung dieses Verfahrens ab 2013 oder 2015 verkündete. Im Rahmen der Umstellung auf die Doppik setzen es aber viele Kommunen. Das Programm kann herkömmlichen Produkten (SAP u.a.) bei weitem nicht das Wasser reichen.
Wenn Eigenerstellung, dann komplett selber - mit eigenen Programmierern. Wie das funktionieren kann, zeigt die Finanzverwaltung NRW - da läuft das (weitgehend).
Ich weiß, das wäre schön, aber zumindest hier in Göttingen sieht das anders aus. Die ganze IT Infrastruktur wird hier vom Dienstleister GWDG durchgeführt, und die scheinen fast alle Windows-Informatiker zu sein. Überall ist Windows drauf, es wird Active Directory und Outlook benutzt und wenn man mit seinem Linux auf die Systeme zugreifen will, gibt es, wenn man überhaupt jemanden mit Ahnung findet, nur widerwilligen Support.
Ich habe als Doktorand im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (bis 2004) auch eine immer stärkere Hinwendung zu Windows beobachtet. Und das in einem Institut für Kernphysik; das sind die, die vor kurzem noch alles in Fortran programmierten. Zwischen den Abteilungen gab es auch Gezeter, weil die einen den Jahresbericht des Instituts wie gewohnt mit LaTeX setzen wollten, während eine immer stärker werdende Fraktion für MS-Word votierte. Die aktuelle Datenanalysesoftware des CERN in Genf nennt sich "Root" und pflegt, viel mehr als das Vorgängerprogramm "PAW", einen aufwendigen Windows-Port. Mit großer Sorgfalt werden z. B. Dateiauswahldialoge peinlich genau dem Windows-Explorer nachempfunden (auch in der Linux-Version). Es wird seit mindestens zehn Jahren gepredigt, Linux sei auf der Überholspur. Ich frage mich wirklich, wo! In der industrie? Da wurden doch bloß die Alpha- und AIX-Workstations durch Linux-Server ersetzt. In Schulen? Da gibt es manchmal ein paar junge Idealisten unter den Lehrern, aber die werden immer wieder zurückgepfiffen. Ich war ein paar Jahre Lehrer. Als ich in einer siebten Klasse fragte, wer denn gelegentlich mal mit einem anderen Programm als dem "Internet-Explorer" im WWW unterwegs ist, meldete sich nur einer und sagte was von Firefox. Die Schule, an der ich in dem Moment war, hatte ein Jahr zuvor ihre Server von Linux auf Windows migriert. (Und sie fielen ständig aus.)
Dasselbe an der Uni Köln. Alle PC-Pools sind mit Windows ausgestattet und nur in zweien der vielen Pools ist Linux/Windows als Dual-Boot eingerichtet, wobei Windows standardmäßig startet. Bei Servern sieht's wohl anders aus, SUN Solaris und Linux in vielen Fällen, aber auch Windows-Infrastruktur
also hier in Lübeck (FH), gibt es fasst nur Windows (Verwaltung, Studenten-PC-Raum) mein Prof ( großer Ubuntu-Fan) meint das es nur einpaar wenige Linux-Server gibt.
"»Politiker, Administratoren und IT-Entscheider unterschätzen die Bedeutung der Freiheit bei der Wahl des Desktops."
So ein Unfug. Es geht doch gar nicht um Wahlfreiheit, sondern darum, mit welcher Software sich die alltäglichen Probleme lösen lassen, die im Arbeitsalltag der Beamten auftauchen. Nun hat man einen Haufen Altsoftware, die man nicht von heute auf morgen umtauschen könne. Wenn die wirklich Linux nutzen wollen, müssen die bei Ausschreibungen darauf bestehen, dass die Software sowohl unter Linux als auch unter Windows lauffähig ist. Mit Java ist das seit Jahren kein Problem mehr. Problematischer als Windows ist doch, dass die Nutzersoftware immer noch aus Bequemlichkeit der Hersteller in C/C++ geschrieben wird, weil sie es immer schon so gemacht haben. Natürlich bauen die auch die Fehler ein, die sich schon immer eingebaut haben. Mit Java hätten wir einen Qualitätschub und einen Schritt in die Plattformunabhängig, automatisch.
Immer diese Traumtänzer, die glauben, man könne von heute auf morgen eine IT-Landschaft verändern. Die sollen doch erstmal arbeiten gehen und sich mal um ein Legacy-System kümmern, um zu erfahren, was des Kunden größte Sorgen sind.
Ich nutze Linux seit vielen Jahren; wenn ich genötigt bin, Windows zu nutzen, deprimiert mich das. Eine Bigbang-Lösung kann es nicht geben. Die sanfte Migration ist der einzig gangbare Weg.
Java hat gewisse Vorteile, aber selbst C/C++ sollte Qt, WxWidgets oder GTK sei dank ebenfals kein Problem mehr darstellen.
Die typischen Sprachen für Fachanwendungen sind doch eher VB6, Delphi und ab und zu VB.NET . Mit zusätzlichen kommerziellen 3rd Komponenten damit ein Grid noch besser ausschaut oder IE und Word direkt in die Anwendung integriert ist.
Eine nette Zahl... aber einfach nur die Linux-Clients zu zählen greift doch arg kurz. Einerseits fehlen, wie schon im Artikel gesagt, weitere, bedeutende OpenSource-Programme wie OpenOffice und Firefox auf Windows-PCs, aber auch die für die Infrastruktur sehr relevanten Server, auf denen sich (je nach Aufbau der IT) ein großer Teil der Verwaltung abspielt. Der deutsche Bundestag z.B. verwendet einige Linux-Server mit Samba.
Insofern halte ich diese Studie doch für arg unzureichend, um daraus eine Bewertung der OpenSource-Tätigkeit der europäischen Behörden schlussfolgern zu können.
Vielleicht liegt's aber nicht nur an politischen Gründen oder Absprachen, dass Linux als Desktop-System beim Staat (und nicht nur da) nur schwer Fuß fasst.
Es gibt z.B. keinen brauchbaren freien Ersatz für wichtige Endanwender-Software wie MS-Office unter Linux. Open Office ist meiner Ansicht nach keine ernstzunehmende Konkurrenz, weil derart gespickt mit teils jahrealten Bugs und Nachlässigkeiten, dass man sich schon fragt, ob das beabsichtigt ist. Einfache Briefchen schreiben, gut, aber komplexe Dokumente, womöglich noch mit Grafiken, werden schnell zum Fluch und sind auch alle naselang zerschossen. Auch das Importieren anderer Formate ist nicht unproblematisch, z.B. bei Word- oder PDF-Dateien. Ich kenne selbst mehrere Personen, für die schon hier Schluss ist.
Überhaupt sind leider viele der Programme unter Linux offenbar von Entwicklern, für Entwickler geschrieben worden, mit wenig Augenmerk auf simple und komfortable Bedienung oder gar auf gutes Design, ganz zu schweigen von der Liebe zum Detail. Oder sie sind dermaßen andersartig, dass die Umgewöhnung selbst bei viel gutem Willen schwer fällt. Beispiel XSane oder Gimp.
Die Ordnerhierarchie aus der Unix-Welt ist für den Durchschnitts-(Windows-)User ein Buch mit sieben Siegeln. Interessante Ansätze dies zu verbessern, wie bei GoboLinux, werden von den großen Distributionen völlig ignoriert.
Hardware ist auch nach wie vor ein Thema, das berücksichtigt werden muss. Zumal bei Kommunen und Behörden, die teils eine riesige Bandbreite an verschiedenartiger Hardware jeder Alterskategorie nutzen (Drucker, WLAN usw.). Auch eventuell für Behörden geschriebene Spezialsoftware läuft ja nicht unbedingt so ohne weiteres unter Wine. Und dann sind auch noch Schulungskosten für den Umgang mit neuen Systemen und Programmen einzurechnen, und Linux-kundige Dozenten sind vielleicht auch nicht gar so weit verbreitet und daher teuer.
Zwar geht es in letzter Zeit ganz gut voran, was freie Treiber angeht (z.B. Grafik) - z.B. für Echtzeit-3D-Anwendungen - und oft läuft als Desktop-System Linux schon jetzt Out-Of-The-Box besser als etwa XP. Aber die Entwicklung dauert noch und hinkt der unter Windows leider viel zu oft hinterher. Ich bin selbst seit mehreren Jahren Linux-User (Windows-Umsteiger) und denke mir da halt so, auch aus Erfahrung, meinen Teil.
Zumindest bei kommunalen Behörden gibt es dafür einen ganz praktischen Grund: die Fachanwendungen (welche es gibt, weiter unten). Kommunalbehörden sind autonom (Art. 28 GG) und können sich selbst organisieren. Daher ist es in Deutschland z.B. nicht möglich, eine einheitliche Einwohnermeldeverwaltung für alle Kommunen vorzuschreiben. Daher gibt es zwar einen Markt für Fachanwendungen, dieser wird aber von Windows-orientierten Produkten dominiert. Und bei Preisen im fünfstelligen Bereich für Fachanwedungen interessieren ein paar hundert Euro für Windows überhaupt nicht mehr.
Kurz gesagt: die Kommunalverwaltungen brauchen Fachanwendungen und bekommen die nur unter Windows. Hier mal einige Beispiele für Fachanwendungen:
- Sitzungsdienst (für Ratssitzungen usw.)
- Personalbrechnungs- und informationssysteme
- Gleitzeiterfassungssysteme
- Controllingsysteme für die Führungsspitze und Rechnungsprüfung
- Finanzwirtschaft (NKF, Finanzmanagement, d.h. abgeänderte Doppik)
- Kassen- und Anordnungswesen
- Steuerverwaltung (Gewerbesteuer, Grundsteuer, Hundesteuer usw. usw.)
- Obdachlosenverwaltung, Verwaltung von Übergangsheimen
- Gaststättenverwaltung
- Gewerbedatenbank
- Sozialhilfe-Programme
- Bearbeitung Fehlbelegerabgabe und Wohnungsbauförderung
- Wohngeld-Software
- CAD für Planungsrecht
- Geo-Informationssysteme
- Facility-Management-Software
- Grundstücksverwaltung
>> Kurz gesagt: die Kommunalverwaltungen brauchen Fachanwendungen und bekommen die nur unter Windows.
!! s/bekommen/gibt/ !!
Die Software können Sie auch für Linux programmieren lassen. Und sehr sehr oft sind es speziell programmierte Windowsprogramme, keine Stangenware, was diesen Punkt fast zur Gänze entkräftet.
Würden die Politiker mehr auf Linux & Co. setzen, wären die Fachanwendungen kein Problem. Jede Softwareschmiede würde die Spezialsoftware für Linux programmieren, wenn sie dafür einen Auftrag von der Regierung/Kommunalverwaltung bekommt.
Nicht immer bestimmt das Angebot die Nachfrage.
Richtig, aber bestehende Software wird meist weiterentwickelt und angepaßt womit man bei Windows bleibt.
Und wenn doch mal die Software komplett neu geschrieben werden soll, dann gibt es halt noch Software B, C, D und E nicht noch Windows benötigt, weswegen man die neue Software A 2.0 auch wieder für Windows entwickeln läßt.
Man müßte also schon alles auf einmal umstellen, von A, B, C, D und E und das machen halt nur die wenigsten Komunen.
Na, du musst es ja wissen...
Ich bezweifle, dass es wirklich so schwierig ist, in weiteren Bereichen Linux zu etablieren. Ich verweise mal auf das Projekt aus Bayern. Da ist es auch erfolgreich gewesen. Also, vielleicht ist eine Kooperation angebracht? Es geht definitiv. Klar, paar Gebiete sind noch unertastet, wie du schon richtig anmerkst, aber das Potential besteht. Das ist die Hauptsache.
Man muss sich mal vorstellen wie viel Geld man sparen könnte, wenn man sowas staatlich zentral als OSS entwickeln würde. Die Anforderungen sind in jeder Kommune ja quasi gleich. Man könnte es mit angepasster Sprache wahrscheinlich europaweit nutzen.
Aber nein es kocht lieber jeder sein eigenes proprietäres Süppchen
ob Beamte oder der Öffentliche Dienst ein guter Maßstab für die Linuxdurchdringung sind.
Solange fünfstellige Beträge für Software nur rechtzeitig geplant werden müssen um von Steuereinnahmen bezahlt zu werden, ist das Interesse an Open Source (mit den "zwingenden" Umschulungen) und des Einsparpotentials eher gering.
Ausserdem war es schon immer so ...
Meiner Erfahrung nach gibt es im Bereich der öffentlichen Hand eine breite Ablehnung von gerade Linux und Open Source
Das hat handfeste Gründe.
Es findet gerade in diesem Bereich eine sehr intensive Lobbyarbeit statt.
Einladungen zu Messen, Fortbildungsveranstaltungen und sonstigen Events die natürlich auch ein sehr Umfangreiches Rahmenprogramm haben.
Das hat der Einsatz einer GNU/Linux Lösung einfach nicht zu bieten.
Selbst wenn man den Bereich der Client Software einmal ausblendet gibt es dort eine starke Diskrepanz über den Einsatz von GNU/Linux Servern im vergleich zur Privatwirtschaft.
In der Privaten Wirtschaft ist im Bereich der Serversysteme GNU/Linux eine feste Größe, mit meiner Erfahrung nach einer immer stärkeren Nachfrage.
Der Kostendruck in der Privatwirtschaft ist auch um ein vielfaches höher als in der öffentlichen Verwaltung.
Im Bereich der öffentlichen Verwaltung sind GNU/Linux Server nur mit der Lupe zu finden.
Gruss
Cleaner
Es gibt noch einen weiteren Grund:
Die Admins in Behörden sind zu einem Großteil zum MCSE umgeschulte Hausmeister oder Ähnliches, mit einem einem entsprechenden Gehalt.
Ich weiß ganz konkret von einem Fall, wo die Fachanwendung (eine GIS-Applikation) für einen Linux Server konzipiert war (im Grunde ist und nun dementsprechend unzuverlässig läuft), den die Admins nicht in den Griff bekamen, sodass die Dienste auf einen Windows Server migriert wurden.
Machste Nix...
Fachanwendungen sind in der Tat ein echtes Problem - mich wundert nur warum Behörden nicht auf die Idee kommen sich die Fachanwendungen von Softwarentwicklungsfirmen neu und als OpenSource programmieren zu lassen.
Aus meiner Sicht hätte das einige sehr interessante Vorteile:
Was meint ihr? Gibt es Gründe gegen Fachanwendungen auf OpenSource Basis?
Das wäre eigentlich ganz cool eine Art Sourceforge für Staatssoftware zu haben....
Ich würde sogar noch weiter gehen: Da die Fachanwendungen von Steuergeldern, also der Allgemeinheit, bezahlt werden, sollte man gesetzlich vorschrieben, dass diese Software auch der Allgemeinheit wieder zu nutzen kommt:
Sprich: ein OS-Zwang für behördlichen Fachanwendungen. Dadurch könnten vermutlich Milliarden gespart werden, die in unterschiedlichen Fachanwendungen imer wieder neu und proprietär implementiert werden,
Der Jupp
ot
Finde ich sinnvoll. Guter Vorschlag.
Bitte einreichen.
@Marc Schoechlin, Der Jupp und cleaner (aus Posting Werbung)
Man, ihr sprecht mir aus dem Herzen !!!
Es gibt überhaupt keine Gründe gegen Fachanwendungen auf Basis der GPL oder ähnlichem.
Wir alle als Steuerzahler sind die Auftraggeber und sollten unsere gewählten
Vertreter dazu energisch anhalten, zukunftsorientiert im sozial verantwortlichem
Sinne (FSF) für unserer Kinder aber auch deren Geldbeutel Entscheidungen zu treffen.
Letztendlich benötigt die öffentl. Verwaltung und all ihre Ausprägungen (Bundeswehr,
Bundesgrenzschutz etc.), die von den Steuerzahlern bezahlt werden, nur eine/n starken
Frau/Mann als Projektleiter/in "Umsetzung von freier, quelloffener Software in den
öffentl. Verwaltungen und all ihre Ausprägungen", die/ der wenig Kompromisse (Lobbyisten
sind absolut auszugrenzen) eingeht und Lösungen !!!verlangt!!! und !!!durchsetzt!!!.
Seine Mitarbeiter, die nur Problembeschreibungen liefern, sollte er gegen solche austauschen,
die bereit sind, Lösungen zu bieten oder daran mitzuarbeiten.
Imho geben sie damit auch ein gutes, mit sozialem Verantwortungsbewußtsein geprägtes Beispiel
für unsere Kinder und Kindeskinder, die ohne monopolistische Geißeln aufwachsen können sollten !
@all
Fachanwendungen können via Terminal-Server-Prinzip zur Verfügung gestellt werden und danach
successive und "oberflächengleich" umgesetzt werden in ein GNU/Linux und GPL (quelloffen)
basierendes Programm, vllt sogar plattformübergreifend. Dafür müßten dann auch keine Mitarbeiter
umgeschult werden.
Zwingende Schulungen reduzieren sich auf Umschulungen von Administrationspersonal und das
amortisiert sich kurzfristig oder wird, wie bisher, von "outgesourctem KnowHow" lolol (eingekaufte
Firmen) befriedigt. Hat also auch kaum Zusatzkosten, evtl. neue Ausschreibungen und die o. g.
geringfügigen Umschulungen.
Die Mitarbeiter benötigen keine oder nur wenige Schulungen, da die Standardsoftware von
Windows auch auf GNU/Linux läuft oder in wenigen Fällen mit einem, von der Oberfläche,
ähnlichem Programm (z. B. OpenOffice, Evolution, KMail, Thunderbird etc. ) ersetzt werden kann.
Die Fachanwendungen laufen, bis sie umgesetzt wurden, auf einem Terminal-Server und danach
oberflächengleich oder besser, auf einem nativen GNU/Linux.
Ich hoffe, dass eure und meine Ausführungen kein Wunschdenken bleiben und sich langfristig
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert. Zuletzt am 28. Jun 2010 um 10:45.um- und durchsetzen !
Es gibt viele und hervorragende Beispiele dafür, dass die Beauftragung durch die öffentliche Hand selber nach hinten losgeht. Der Auftrag wird erteilt, ohne dass ein ausreichendes Leistungsverzeichnis vorhanden ist. Die Firmen programmieren und müssen dann immer nachschustern. Die öffentliche Hand hat sich dann oft in die Hand der Software-Firma begeben und kann das Projekt nicht mehr stoppen, ohne großen finanziellen Schaden zu haben.
Bestes Beispiel: KIRP. Das ist ein ERP-System (u.a. Doppelte Buchführung und Kostenrechnung), das von der öffentlichen Hand bestellt wurde. Nach schleppendem Anlauf und viel, viel Geld-Nachforderungen lief es dann irgendwie. Später wurde es dann von einer Firma aufgekauft, die als erstes die Einstellung dieses Verfahrens ab 2013 oder 2015 verkündete. Im Rahmen der Umstellung auf die Doppik setzen es aber viele Kommunen. Das Programm kann herkömmlichen Produkten (SAP u.a.) bei weitem nicht das Wasser reichen.
Wenn Eigenerstellung, dann komplett selber - mit eigenen Programmierern. Wie das funktionieren kann, zeigt die Finanzverwaltung NRW - da läuft das (weitgehend).
Und was ist mit den Universitäten und Forschungseinrichtungen?
Die haben mehrheitlich Linux laufen! Der o.g. Typ muß nachsitzen.
Wer sagt denn, dass die nicht mit in die Rechnung eingegangen sind?
Wo nachsitzen?
Universität != Behörde?
Ich weiß, das wäre schön, aber zumindest hier in Göttingen sieht das anders aus. Die ganze IT Infrastruktur wird hier vom Dienstleister GWDG durchgeführt, und die scheinen fast alle Windows-Informatiker zu sein. Überall ist Windows drauf, es wird Active Directory und Outlook benutzt und wenn man mit seinem Linux auf die Systeme zugreifen will, gibt es, wenn man überhaupt jemanden mit Ahnung findet, nur widerwilligen Support.
Vor 10 Jahren war man in Göttingen doch noch so stolz auf die Linux-Landschaft, u.a. mit den Rechnerpools? Hat sich das geändert?
Der Frage schließe ich mich verwundert an.
Ich habe als Doktorand im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (bis 2004) auch eine immer stärkere Hinwendung zu Windows beobachtet. Und das in einem Institut für Kernphysik; das sind die, die vor kurzem noch alles in Fortran programmierten.
Zwischen den Abteilungen gab es auch Gezeter, weil die einen den Jahresbericht des Instituts wie gewohnt mit LaTeX setzen wollten, während eine immer stärker werdende Fraktion für MS-Word votierte.
Die aktuelle Datenanalysesoftware des CERN in Genf nennt sich "Root" und pflegt, viel mehr als das Vorgängerprogramm "PAW", einen aufwendigen Windows-Port. Mit großer Sorgfalt werden z. B. Dateiauswahldialoge peinlich genau dem Windows-Explorer nachempfunden (auch in der Linux-Version).
Es wird seit mindestens zehn Jahren gepredigt, Linux sei auf der Überholspur. Ich frage mich wirklich, wo!
In der industrie? Da wurden doch bloß die Alpha- und AIX-Workstations durch Linux-Server ersetzt.
In Schulen? Da gibt es manchmal ein paar junge Idealisten unter den Lehrern, aber die werden immer wieder zurückgepfiffen. Ich war ein paar Jahre Lehrer. Als ich in einer siebten Klasse fragte, wer denn gelegentlich mal mit einem anderen Programm als dem "Internet-Explorer" im WWW unterwegs ist, meldete sich nur einer und sagte was von Firefox. Die Schule, an der ich in dem Moment war, hatte ein Jahr zuvor ihre Server von Linux auf Windows migriert. (Und sie fielen ständig aus.)
Habe nur ich solche Erfahrungen?
Tronar
Dasselbe an der Uni Köln. Alle PC-Pools sind mit Windows ausgestattet und nur in zweien der vielen Pools ist Linux/Windows als Dual-Boot eingerichtet, wobei Windows standardmäßig startet.
Bei Servern sieht's wohl anders aus, SUN Solaris und Linux in vielen Fällen, aber auch Windows-Infrastruktur
also hier in Lübeck (FH), gibt es fasst nur Windows (Verwaltung, Studenten-PC-Raum)
mein Prof ( großer Ubuntu-Fan) meint das es nur einpaar wenige Linux-Server gibt.
Ist doch toll. Ich hätte im Büro manchmal auch gerne sieben Promille. (cnr)
Ja, an Hochprozentiges hab ich beim Lesen der Überschrift auch gedacht
Grueße
Ignatz
"»Politiker, Administratoren und IT-Entscheider unterschätzen die Bedeutung der Freiheit bei der Wahl des Desktops."
So ein Unfug. Es geht doch gar nicht um Wahlfreiheit, sondern darum, mit welcher Software sich die alltäglichen Probleme lösen lassen, die im Arbeitsalltag der Beamten auftauchen. Nun hat man einen Haufen Altsoftware, die man nicht von heute auf morgen umtauschen könne. Wenn die wirklich Linux nutzen wollen, müssen die bei Ausschreibungen darauf bestehen, dass die Software sowohl unter Linux als auch unter Windows lauffähig ist. Mit Java ist das seit Jahren kein Problem mehr. Problematischer als Windows ist doch, dass die Nutzersoftware immer noch aus Bequemlichkeit der Hersteller in C/C++ geschrieben wird, weil sie es immer schon so gemacht haben. Natürlich bauen die auch die Fehler ein, die sich schon immer eingebaut haben. Mit Java hätten wir einen Qualitätschub und einen Schritt in die Plattformunabhängig, automatisch.
Immer diese Traumtänzer, die glauben, man könne von heute auf morgen eine IT-Landschaft verändern. Die sollen doch erstmal arbeiten gehen und sich mal um ein Legacy-System kümmern, um zu erfahren, was des Kunden größte Sorgen sind.
Ich nutze Linux seit vielen Jahren; wenn ich genötigt bin, Windows zu nutzen, deprimiert mich das. Eine Bigbang-Lösung kann es nicht geben. Die sanfte Migration ist der einzig gangbare Weg.
Java hat gewisse Vorteile, aber selbst C/C++ sollte Qt, WxWidgets oder GTK sei dank ebenfals kein Problem mehr darstellen.
Die typischen Sprachen für Fachanwendungen sind doch eher VB6, Delphi und ab und zu VB.NET . Mit zusätzlichen kommerziellen 3rd Komponenten damit ein Grid noch besser ausschaut oder IE und Word direkt in die Anwendung integriert ist.
Eine nette Zahl... aber einfach nur die Linux-Clients zu zählen greift doch arg kurz. Einerseits fehlen, wie schon im Artikel gesagt, weitere, bedeutende OpenSource-Programme wie OpenOffice und Firefox auf Windows-PCs, aber auch die für die Infrastruktur sehr relevanten Server, auf denen sich (je nach Aufbau der IT) ein großer Teil der Verwaltung abspielt. Der deutsche Bundestag z.B. verwendet einige Linux-Server mit Samba.
Insofern halte ich diese Studie doch für arg unzureichend, um daraus eine Bewertung der OpenSource-Tätigkeit der europäischen Behörden schlussfolgern zu können.
Vielleicht liegt's aber nicht nur an politischen Gründen oder Absprachen, dass Linux als Desktop-System beim Staat (und nicht nur da) nur schwer Fuß fasst.
Es gibt z.B. keinen brauchbaren freien Ersatz für wichtige Endanwender-Software wie MS-Office unter Linux.
Open Office ist meiner Ansicht nach keine ernstzunehmende Konkurrenz, weil derart gespickt mit teils jahrealten Bugs und Nachlässigkeiten, dass man sich schon fragt, ob das beabsichtigt ist. Einfache Briefchen schreiben, gut, aber komplexe Dokumente, womöglich noch mit Grafiken, werden schnell zum Fluch und sind auch alle naselang zerschossen. Auch das Importieren anderer Formate ist nicht unproblematisch, z.B. bei Word- oder PDF-Dateien. Ich kenne selbst mehrere Personen, für die schon hier Schluss ist.
Überhaupt sind leider viele der Programme unter Linux offenbar von Entwicklern, für Entwickler geschrieben worden, mit wenig Augenmerk auf simple und komfortable Bedienung oder gar auf gutes Design, ganz zu schweigen von der Liebe zum Detail. Oder sie sind dermaßen andersartig, dass die Umgewöhnung selbst bei viel gutem Willen schwer fällt. Beispiel XSane oder Gimp.
Die Ordnerhierarchie aus der Unix-Welt ist für den Durchschnitts-(Windows-)User ein Buch mit sieben Siegeln. Interessante Ansätze dies zu verbessern, wie bei GoboLinux, werden von den großen Distributionen völlig ignoriert.
Hardware ist auch nach wie vor ein Thema, das berücksichtigt werden muss. Zumal bei Kommunen und Behörden, die teils eine riesige Bandbreite an verschiedenartiger Hardware jeder Alterskategorie nutzen (Drucker, WLAN usw.).
Auch eventuell für Behörden geschriebene Spezialsoftware läuft ja nicht unbedingt so ohne weiteres unter Wine.
Und dann sind auch noch Schulungskosten für den Umgang mit neuen Systemen und Programmen einzurechnen, und Linux-kundige Dozenten sind vielleicht auch nicht gar so weit verbreitet und daher teuer.
Zwar geht es in letzter Zeit ganz gut voran, was freie Treiber angeht (z.B. Grafik) - z.B. für Echtzeit-3D-Anwendungen - und oft läuft als Desktop-System Linux schon jetzt Out-Of-The-Box besser als etwa XP. Aber die Entwicklung dauert noch und hinkt der unter Windows leider viel zu oft hinterher. Ich bin selbst seit mehreren Jahren Linux-User (Windows-Umsteiger) und denke mir da halt so, auch aus Erfahrung, meinen Teil.
Hallo,
wo bekomme ich das Jahrbuch, dass in dem Artikel beschrieben ist??