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Mo, 2. August 2010, 17:28

Software::Distributionen::Solaris

Quo vadis, OpenSolaris?

Die im Januar erfolgte Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle zieht im Open-Source-Umfeld immer weitere Kreise: Trotz gegenteiliger Versprechungen scheint die Entwicklung des OpenSolaris-Betriebssystems komplett eingefroren zu sein. Eine Gruppe von Entwicklern will dies nicht mehr hinnehmen und verkündet die Gründung eines neuen Projektes. Steht nun ein Fork bevor?

oracle.com

Unter der Ägide von Sun Microsystems hatte OpenSolaris stets einen wichtigen Platz im Portfolio eingenommen: Ab 2004 wurden immer größere Teile des hauseigenen UNIX-Betriebssystem zusammen mit der Gemeinschaft entwickelt. Anfang 2006 ging die Leitung an das unabhängige OpenSolaris Governing Board über, die OpenSolaris Constitution definiert die Grundregeln für die Entwicklung - etwa dass sämtliche Teile unter eine oder mehrere Open-Source-Lizenzen gestellt werden müssen.

Seit 2008 sind im Abstand von jeweils etwa sechs Monaten drei offizielle Veröffentlichungen erschienen: Version 2008.05, 2008.11 und 2009.06. Daneben existieren etwa zehn weitere freie Distributionen, von denen das auf Ubuntu Linux basierende Nexenta OS eine der Bekannteren sein dürfte. Oracle hatte nach der Übernahme von Sun zunächst nur Angaben zu Solaris selbst gemacht, im März dann aber doch erklärt, dass sich OpenSolaris-Nutzer keine Sorgen machen müssten: Es werde keine Änderung der Strategie geben, und die nächste Version werde verspätet als OpenSolaris 2010.03 erscheinen.

Sun hatte für Version 2009.06 noch fünf Jahre kommerziellen Support eingeräumt, diese Praxis wollte der Oracle-Sprecher dann aber doch nicht bestätigen: Zukünfigte Versionen könnten mit kürzeren Support-Laufzeiten versehen werden, da sich Oracle zugunsten der Verkaufszahlen auf Solaris für SPARC und x86-Architekturen konzentriere.

Seitdem herrscht Funkstille. Die versprochene Version 2010.03 ist nicht erschienen, auch eine nicht weiter spezifizierte Version innerhalb des ersten Halbjahres 2010 - 2010.1H - gab es nie. Statt wie bisher sechs Monate sind bereits vierzehn Monate vergangen, auch die bisher zweiwöchentlich verfügbare OpenSolaris Developer Preview wurde seit März nicht mehr aktualisiert. Oracle jedoch schweigt eisern zu der Problematik. Am 13. Juli kam es zu einem ersten Eklat: Das OpenSolaris Governance Board (OGB) forderte Oracle einstimmig auf, einen Mitarbeiter zu entsenden, der offizielle Aussagen zur Zukunft von OpenSolaris und dem Umgang mit der Gemeinschaft machen könne. Wird diese Forderung nicht bis zum 16. August erfüllt, will sich das OGB am 23. August auflösen und die Verantwortung für die Gemeinschaft zurück an Oracle übertragen.

Einige OpenSolaris-Entwickler, darunter etwa Ben Rockwood, bezeichnen diese Taktik jedoch als falsch und sogar feige: Oracle hätte nichts zu verlieren, wenn sich das OGB auflöse - die Gemeinschaft würde dagegen das letzte bisschen Kontrolle verlieren, das ihr noch bleibe. Zudem sei das OGB immer schon ein zahnloser Tiger gewesen, das seine eigenen Rechte eher beschränkt statt gestärkt habe. Auch die fehlende Kommunikation mit der Gemeinschaft sei nichts Neues, Sun habe auch nicht kommuniziert, die Gemeinschaft kein Mitspracherecht bei der Erstellung der OpenSolaris-Versionen gehabt.

Den vorerst letzten Akt in diesem Stück schreibt das Projekt Illumos: Einem Blog-Eintrag von Garrett D'Amore zufolge arbeitet eine Gruppe von OpenSolaris- und Nexenta-Entwicklern bereits seit einiger Zeit an dem Projekt, Details werden am 3. August in einer öffentlichen Telefonkonferenz mitgeteilt. Da die ehemalige Nexenta-Domain GNUSolaris.org bereits auf Illumos weiterleitet, vermuten Beobachter wie etwa Phoronix hinter Illumos einen Fork des Betriebssystems, möglicherweise mit einem GNU-Überbau.

Es scheint jedoch fraglich, wieviel Erfolg ein solcher Fork haben kann: Bereits im April wurde bekannt, dass selbst zu den Hochzeiten der Entwicklung weit über 90% der Beiträge von Sun kamen, die Gemeinschaft also stets nur einen sehr kleinen Teil beigetragen hat. Da die meisten OpenSolaris-Bestandteile unter eine Open-Source-Lizenz gestellt wurden und der Zugriff auf die Entwicklungs-Server noch existiert, könnten eventuelle Weiterentwicklungen seitens Oracle zwar noch portiert werden, es ist aber nicht davon auszugehen, dass Oracle überhaupt noch in Solaris und OpenSolaris investieren wird: Der Konzern entwickelt bereits seit 2006 eine auf Red Hat Linux basierende Unternehmens-Distribution namens Unbreakable Linux und investiert sehr stark in Technologien für die nächste Linux-Generation, darunter die Dateisysteme btrfs, crfs und ocfs2 sowie Virtualisierung. Einer Analyse von Jonathan Corbet zufolge stellte Oracle in den letzten beiden Jahren bereits etwa 3% der Kernel-Patches.

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