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Mi, 25. August 2010, 13:33

Software::Datenbanken

Oracle: »Geschlossene Gedanken und Open Source«

Laut Dave McAllister, Adobes Chef für Open-Source-Strategien, hat Oracle Microsofts Rolle als größter Gegner von Open Source übernommen. Ein Kommentar.

oracle.com

Es ist unzweifelhaft, dass Feindfiguren sowohl für ein Geschäft als auch für die Innovation durchaus von Vorteil sein können. Man eifert ihnen nach, will sie überholen oder bei besonders kritischen Zeitgesellen gar vernichten. Das spornt bisweilen zu schier übermenschlichen Leistungen an.

Seit Anbeginn der Zeitrechnung von Linux übernahm Microsoft diese Rolle. Das Unternehmen machte es seinen Kritikern auch nicht schwer. Lügen über die freie Bewegung, Anschuldigungen gegen Entwickler und Propaganda säumten den Weg des Unternehmens. Jeder wusste es – Microsoft ist das Böse.

Darf man Dave McAllister, der bei Adobe die Chefposition für Open Source einnimmt, Glauben schenken, so hat Oracle allerdings Microsoft den Rang als Feindbild abgelaufen. Ausgangspunkt der Feststellung ist die Auflösung des OpenSolaris Government Boards (OGB) vor wenigen Tagen. Der Rückzug des OGB, die Einstellung diverser Projekte und Dienste und die Ignoranz gegenüber der Gemeinschaft verdeutlichen demnach laut McAllister, dass sich die »Achse des Bösen« um ca. 850 Meilen gen Süden verschoben hat. Weg von Redmond hin zu Redwood Shores in Kalifornien, wo Oracle seine Zentrale hat.

Auch die kürzliche Klage gegen Google verdeutliche laut McAllister einen Paradigmenwechsel. Während Sun laut eigenen Aussagen Patentstreitigkeiten immer außergerichtlich klären wollte, sieht Oracle in den tickenden Bomben Chancen, Geld zu verdienen, so ein ehemaliger Entwickler von Java. Dementsprechend sieht auch der Adobe-Manager noch weitere Aktionen im Kommen. Die Frage ist nur, was als nächstes passiert.

Es wäre sicherlich falsch, Oracle nur alles Böse zu unterstellen oder Google mit freier Software gleichzusetzen. Das Unternehmen finanziert immer noch eine nicht geringe Anzahl an Programmierern, engagiert sich in der Kernel-Entwicklung und unterhält nicht unbedingt bedeutungslose Projekte. Das muss Oracle immer noch hoch angerechnet werden. Die momentane Vorgehensweise des Herstellers ist allerdings aus Sicht eines Beobachters sowohl taktisch als auch geschäftlich mehr als fraglich. Während andere Unternehmen versuchen, eigene Gemeinschaften an sich zu binden und Netzwerke bilden, zerstört Oracle mutwillig teils Jahrzehnte alte Gemeinschaften oder spaltet sie. Ob das klug war, wird sicherlich die Zeit zeigen.

Die Hauptfrage wird sowieso sein, was Oracle mit seinem Portfolio an freien und offenen Projekten vorhat. Ob Oracle, wie McAllister es sieht, nur an Open Source als einer neuen »cash cow« interessiert ist, kann wohl nur das Unternehmen sagen. Es ist allerdings fraglich, ob Oracle für Klärung sorgen wird. Bereits bei der Übernahme von Sun fiel das Unternehmen durch unklare Antworten und missverständliche Aussagen auf.

Der Flurschaden, der bereits angerichtet wurde, ist enorm, und jede Aktion des Unternehmens wird genau unter die Lupe genommen werden. Bedenkt man die vor der Übernahme ausgetragene Diskussion mit der Europäischen Kommission, ist davon auszugehen, dass nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch Politik und Wirtschaft das Unternehmen im Visier haben. Noch mehr Fehler könnten deshalb für das Unternehmen kritisch werden.

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