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Mi, 3. November 2010, 14:12

Gesellschaft::Politik/Recht

Wilhelm Tux fordert Festhalten an Migration in Solothurn

Die Schweizer Kampagne für freie Software Wilhelm Tux findet in ihrer Bewertung der IT-Strategie von Solothurn wenige technische, aber einige organisatorische Probleme. Sie kritisiert die Entscheidung, statt Linux nun Windows auf dem Desktop einsetzen zu wollen, als Überreaktion.

Nach den Wirren um die Linux-Migration fasste der Kanton den Entschluss, die Migration abzubrechen und im nächsten Jahr zu Windows 7, MS Office und MS Outlook 2010 zu migrieren. Laut der Schweizer Kampagne Wilhelm Tux ließ Solothurn einen Expertenbericht erstellen, der die Umsetzung der Informatikstrategie beurteilen sollte. Allerdings gibt der Kanton weder den Bericht heraus noch macht er Angaben zu den Autoren und den Daten der Benutzerbefragungen.

Klar scheint, dass das Amt für Informatik (AIO) mit seinem geschassten Chef Kurt Bader gravierende Fehler in der Projektverwaltung machte. Es muss sich auch vorwerfen lassen, Probleme nicht ernst genug genommen zu haben. Technisch dagegen war wenig auszusetzen. So kommt der Bericht zu dem Schluss, dass ein Festhalten an der Grundstrategie weiterhin sinnvoll sei, wenn »einige grundsätzliche Änderungen am bisherigen Vorgehen vorgenommen werden«. Wenn nun stattdessen gleich Windows und MS Outlook genommen werden, ist das laut Wilhelm Tux eine Überreaktion. Nun könne von den Zielen der IT-Strategie, wie Lieferanten-Unabhängigkeit keine Rede mehr sein. Mit der Zunahme der technischen Abhängigkeiten würden auch die Kosten steigen. Die vom Kanton immer wieder bestätigten Einsparungen dürften nun durch Mehrkosten (Lizenzen, Umschulung, mehr Personal) wieder aufgewogen werden.

Technische Probleme gab es mit dem Linux-Desktop nur wenige. Die Wahl des Groupware-Clients Scalix wurde als unglücklich bezeichnet, eine Evaluierung fand zu spät statt und wurde offenbar abgebrochen. Davon abgesehen fand Wilhelm Tux überhaupt keine technischen Mängel mit dem System. Probleme gab es nur mit Legacy-Programmen. Für die gerichtliche Fachanwendung JURIS sollte weiterhin Windows eingesetzt werden, bis der Hersteller eine Linux-Version liefert. Und das zweite wichtige System, Ambassador, steht nach diversen Verzögerungen Anfang 2011 für Linux zur Verfügung.

Konsequenterweise fordert Wilhelm Tux ein Festhalten an der bisherigen Strategie. Ein Schwenk zu Windows würde teuer kommen. Mit wenigen Maßnahmen könnte die Migration zu Linux erfolgreich zum Abschluss gebracht werden: Die Zufriedenheit der Benutzer müsse mehr im Auge behalten werden. Die Strategie müsse konsequent fortgeschrieben werden, der Trend gehe sowieso dahin, dass das Betriebssystem immer weniger eine Rolle spiele. Der Mail-Client Scalix müsste durch eine bessere Lösung ersetzt werden. Der Desktop solle Windows bleiben, wo nötig (JURIS, KAPO), ansonsten aber nur noch Linux und kein Terminal-Server mehr, da dies für die Anwender kompliziert sei. Mehr Aufwand sollte auch für die Schulungen eingeplant werden.

Als Gründe für die »Überreaktion« der Verwaltung sieht Wilhelm Tux unter anderem die Negativ-Kampagne der Solothurner Zeitung, die in mehreren Artikeln, die Probleme der Migration stark übertrieb, und politische Widerstände aus dem Kantonsrat. Eine Chronologie soll die Ereignisse in Solothurn dokumentieren.

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