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Mo, 7. März 2011, 13:17

Software::Distributionen::Red Hat

Kontroverse um Red Hat-Kernel-Patches

Nachdem Red Hat die Art änderte, wie er den Code für den eigenen Kernel bereitstellt, kam es zu Spekulationen, dass der Distributor freien Anbietern die Erstellung von eigenen Versionen erschweren wolle. Dem hat der Linux-Produzent nun widersprochen und stellte klar, dass er sich lediglich gegen das Abwerben von Supportkunden wehren will.

Eine gängige Praxis von vielen Linux-Distributoren und Systemherstellern ist es, die Bereitstellung von Kernel-Änderungen in Form von Patches anzubieten. Installiert der Anwender die eigentlichen Quellen des Kernels, so werden diese in der Regel in einem eigenen RPM- oder SRPM enthalten sein und neben dem Originalkernel auch zahlreiche Patches enthalten. Mit der Freigabe von RHEL6 änderte der Linux-Distributor allerdings diese Praxis und bietet ab sofort alle Änderungen in einem einzelnen Paket an. Eine Unterscheidung zwischen dem Originalkernel und den von Red Hat eingespielten Änderungen ist damit erheblich schwerer, ohne aber gegen die Bestimmungen der GPL zu verstoßen. In Fachkreisen wird von einer »trüben« (obfuscated) Form gesprochen.

Änderungen in der Art der Verteilung haben deshalb recht schnell Spekulationen ausgelöst, wonach Red Hat damit Oracle und Novell, aber auch freien Alternativen wie CentOS die Erstellung ihrer Produkte erschweren will. Hinzu kam noch, dass Nachfragen bei dem Hersteller ergaben, dass es sich bei der Änderung nicht um ein Versehen handelte, sondern bewusst von Red Hat initiiert wurde.

Nun hat in einem Interview mit The Register Brian Stevens, CTO bei Red Hat, klar gestellt, dass die Änderungen sich keinesfalls gegen freie Alternativen richten. Vielmehr wolle das Unternehmen verhindern, dass kommerzielle Unternehmen wie Oracle und Novell in Gewässern des Unternehmens fischen und Support für Kunden von RHEL anbieten. Denn beide Unternehmen versuchen laut Stevens, direkten Kunden des Unternehmens Support-Verträge zu verkaufen. Mit dem Schritt will Red Hat nun diesem Trend entgegensteuern und Informationen, die essentiell für das Anbieten von Support-Leistungen sind, verstecken, ohne aber den Grundgedanken von freier Software zu verletzten.

Laut Red Hat spielt es für alternative Projekte wie CentOS oder Scientific Linux keine Rolle, wie sie die Änderungen des Kernels übernehmen. Um vollständig kompatibel mit dem System zu sein, müssten sie sowieso alle Patches einspielen und daraus einen identischen Kernel bauen. Das ist nun auch weiterhin möglich. Diese Einschätzung scheinen auch die Entwickler selbst zu teilen. Dem CentOS-Mitbegründer Russ Herold bereitet die Änderung demnach keine schlaflosen Nächte. Testversionen von CentOS 6 auf seinen privaten Systemen haben ergeben, dass die Änderungen keine große Sache für das Projekt sein werden. »Ich kann keine weltbewegenden Änderungen erkennen«, so Herold. »Ich denke nur, dass es schwieriger sein wird, die direkten Änderungen des Kernels zu lokalisieren«.

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