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Di, 15. März 2011, 08:48

Software::Kernel

Linux-Kernel 2.6.38 freigegeben

Linux-Initiator Linus Torvalds hat Version 2.6.38 des Linux-Kernels freigegeben, die unter anderem bessere Interaktivität unter Last und schnellere Dateioperationen bringt.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Die nur zweieinhalb Monate nach Linux 2.6.37 kommende Version 2.6.38 des Linux-Kernels enthält über 9000 einzelne Änderungen und ist vom Umfang der Änderungen die zweitgrößte binnen des vergangenen Jahres; nur 2.6.37 enthielt mehr Änderungen. Dabei ragen zwei Änderungen besonders heraus, die den Benutzern unter bestimmten Umständen spürbar höhere Geschwindigeit oder kürzere Latenzzeiten bringen.

Eine nicht besonders große, aber sehr wirksame Änderung im Scheduler sorgt dafür, dass tty-Sitzungen automatisch in separate Control Groups eingeteilt werden. Über die Control Groups wird die CPU so aufgeteilt, dass auch besonders CPU-hungrige Prozesse die anderen Prozesse noch zum Zug kommen lassen. Die Interaktivität von Programmen soll dadurch deutlich besser werden, wenn im Hintergrund noch andere Programme laufen, und die Latenzzeiten sollen wesentlich sinken.

Die zweite wichtige und sehr umfangreiche Änderung von Nick Piggin ist der Favorit von Linus Torvalds. Trotz der Kompliziertheit der Änderung gab es nur wenige, inzwischen gelöste Probleme damit. Sie beseitigt die Sperren, die der Kernel beim Auffinden von Dateipfaden setzen muss, und ersetzt sie durch RCU. Damit fällt der letzte Engpass für die Skalierbarkeit dieser Operation weg. Das Ergebnis ist eine massive Steigerung der Geschwindigkeit für alle Aufgaben, die viele Dateipfade benutzen. Jedes entsprechende Programm auf einem Mehrprozessorsystem dürfte von dieser Änderung profitieren, selbst wenn es nur einen einzigen Thread nutzt.

Kernelmodule werden nun so geladen, dass ihr Programmcode nicht änderbar ist. Außerdem gibt es nun keine Datenbereiche im Kernel mehr, die ausführbaren Code enthalten. Beides erhöht die Sicherheit, da es damit schwer wird, ausführbaren Code in den Kernel einzuschleusen. Transparent Huge Pages machen es möglich, große Speicherseiten in Anwendungen transparent zu nutzen. Damit wird die Leistung der Speicherverwaltung erhöht und ihr Speicherbedarf gesenkt. Einige Anwendungen können dadurch einige Prozent schneller werden, ohne dass sie geändert werden müssen.

Netzwerkkarten, die über mehrere Sendewarteschlangen verfügen, werden nun mit Transmit Packet Steering effizienter angesteuert. Eine andere Änderung ermöglicht jetzt vertrauenswürdige und verschlüsselte Schlüssel im Kernel. Das veraltete Video4Linux-API in Version 1 wird im Kernel nicht mehr unterstützt; veraltete Anwendungen, die es noch benötigen, müssen eine Kompatibilitätsbibliothek nutzen.

Auf der x86-Architektur können nun mit xz komprimierte Kernel gebootet werden. Für Benutzer von Intel-Prozessoren wurden zwei Tools hinzugefügt: turbostat kann Leistungsstatistiken aus den Prozessoren auslesen und x86_energy_perf_policy dient zur Feineinstellung der Balance zwischen Geschwindigkeit und Energieverbrauch.

Der Device Mapper kann nun RAID 4, 5 und 6 mittels der MD-RAID-Treiber verwalten. Das Dateisystem btrfs kann schreibgeschützte Schnappschüsse erzeugen und als zusätzliche Kompressionsalgorithmus steht LZO zur Verfügung. Das Dateisystem squashfs hingegen kann jetzt mittels xz stärker komprimieren.

Viele neue Treiber fanden auch dieses Mal den Weg in den Kernel. Daneben gab es einige Änderungen, die nur für Entwickler von Interesse sind, darunter die Möglichkeit, sogenannte Device-Tree-Binärdateien in den Kernel zu linken. Solche Device Trees sind für eingebettete Systeme gedacht, deren Hardware nicht automatisch erkannt werden kann oder soll. Das Taskstats-API wurde in einem Detail geändert, was zu Fehlern in Programmen führen kann, die sich darauf verlassen haben. Anfänge der Unterstützung von Multitouch-Geräten wurden in die Eingabetreiber aufgenommen.

Eine Liste aller Änderungen enthält das sehr ausführliche Changelog. Die Seite Kernelnewbies.org wird in Kürze eine übersichtliche Zusammenfassung der Änderungen veröffentlichen. Die aktuelle Version von Linux kann von kernel.org und zahlreichen Spiegel-Servern in Form von Patches oder tar-Paketen heruntergeladen werden.

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