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Di, 22. März 2011, 09:52

Gesellschaft::Politik/Recht

Zweifel an Copyright-Verletzung in Android

Die kürzlich aufgekommenen Vorwürfe der Copyright-Verletzung in Android könnten auf reiner Spekulation beruhen. Den Verbreitern dieser Nachricht weht mittlerweile von Juristen und Entwicklern einiger Gegenwind entgegen.

android.com

Der vor einigen Tagen aufgekommene Vorwurf lautete, dass Google im Zuge der Entwicklung einer eigenen C-Standardbibliothek »Bionic« Code von über 700 Linux-Kernel-Header-Dateien extrahiert und die Kommentare einschließlich der Copyright-Vermerke entfernt hat.

Bradley M. Kuhn, Rechtsanwalt, Programmierer und Berater der Free Software Foundation, will sich bezüglich einer Copyright-Verletzung nicht festlegen, er zieht jedoch die ursprünglichen Analysen in Zweifel. Es sei viel mehr Arbeit zu investieren, als bisher geleistet wurde, um zu einem klaren Ergebnis zu kommen. Dafür sei die enge Zusammenarbeit eines Entwicklers mit einem Rechtsexperten nötig. Insbesondere bezeichnet er die ursprüngliche Publikation (PDF) des Rechtsanwalts Edward J. Naughton als spekulativ. Das Papier gebe eher versteckt zu, dass die eigentliche Arbeit noch gar nicht gemacht sei.

Auch die Kernel-Entwickler haben offenbar keine Sympathie für den Standpunkt von Naughton. Linus Torvalds bezeichnete den Vorwurf auf Anfrage von IT World als Unsinn. Die Verwendung der Kernel-Schnittstellen macht ein Programm nicht zum abgeleiteten Werk des Kernels und es kann daher eine beliebige Lizenz tragen. Eine der Möglichkeiten, die Kernel-Schnittstellen zu nutzen, sind die Kernel-Header-Dateien, die explizit dafür freigegeben wurden. Es gibt auch ein offizielles Kommando make headers_install, um Kernel-interne Strukturen aus den Dateien zu entfernen und die für die Anwenderprogramme relevanten Teile zu installieren. Für Torvalds ist das Vorgehen von Google nicht wesentlich anders als das von glibc, und dort erhebt niemand Copyright-Vorwürfe.

Kernel-Entwickler Al Viro, der nicht dafür bekannt ist, zimperlich zu sein, hat sich die Header-Dateien von Bionic angesehen und kommt zu dem Schluss, dass sie wohl nicht mit make headers_install erstellt wurden, möglicherweise weil es dieses Kommando erst seit 2006 gibt und die Bionic-Entwicklung vorher begann. Das Resultat sei aber ähnlich, nur dass Google mehr Definitionen entfernt habe, als make headers_install entfernen würde. Auf der anderen Seite habe Google einige Dateien unnötigerweise beibehalten, die aber für die Anwenderprogramme völlig wertlos seien.

Während Befürworter der Copyright-Verletzungstherorie wie der Patentexperte Florian Müller sagen, dass ein einziger Klage erhebender Entwickler genügen würde, um Android und die Hersteller, die es einsetzen, empfindlich zu treffen, zeichnet die Analyse von Al Viro ein anderes Bild. Zudem könnte es schwer werden, auch nur einen Entwickler zu finden, der gegen das Vorgehen von Google einschreiten will. Google könnte und sollte vielleicht auf make headers_install umschwenken, um das Problem auch in der Theorie zu beseitigen. Für die Android-Apps und Anwendungen sollte dies keinen Unterschied machen.

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