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Do, 25. August 2011, 08:00

Gemeinschaft

20 Jahre Linux

Heute vor genau 20 Jahren, am 25. August 1991, kündigte Linus Torvalds in einem mittlerweile legendären Newsgruppen-Beitrag eine Entwicklung an, die kurz danach als Linux bekannt werden sollte.

Hans-Joachim Baader

In der Usenet-Newsgruppe comp.os.minix fragte der in Finnland geborene und zu der Zeit an der Universität Helsinki studierende Torvalds, welche Features die Benutzer an Minix mögen und welche nicht. Offensichtlich versuchte er zu diesem Zeitpunkt schon, dem noch namenlosen System die Features zu geben, die die Benutzer am meisten benötigen würden.

In dem Beitrag schrieb Torvalds, dass das neue System frei sein werde, dass es ein Hobby und auf 386/486-CPUs beschränkt sei. Ferner habe er bereits bash 1.08 und gcc 1.40 auf das System portiert und erwarte, dass es in einigen Monaten benutzbar sein werde.

Dass Linux in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, ist klar. Unsicher ist allerdings der genaue Geburtstag. Denn an diesem bewussten 25. August war Linux schon seit Monaten in Entwicklung. Sollte man stattdessen lieber den 17. September als Geburtstag von Linux gelten lassen? An diesem Tag des Jahres 1991 stellte Torvalds die erste Kernelversion, 0.01, auf einem FTP-Server der Universität bereit. Oder ist der Geburtstag Anfang des Jahres 1991 anzusiedeln, als Torvalds auf seinem gerade gekauften 386-PC mit den ersten Entwicklungen begann? Vermutlich weiß er selbst nicht mehr, wann ihm klar wurde, dass er nicht mehr nur einen Terminal-Emulator, sondern ein echtes Betriebssystem als Ziel hatte. Er benötigte einen Disk-Treiber und ein Dateisystem und hätte an diesem Punkt nach eigenen Aussagen beinahe aufgegeben, irgendwann im Frühjahr 1991. Doch er hatte viel Zeit, also schrieb er den Treiber und ein Minix-kompatibles Dateisystem.

Im Zweifelsfall feiert man eben zweimal, heute und am 17. September. Als Linus am 17.9.1991 die Version 0.01 veröffentlichte, war diese noch nicht sonderlich benutzbar, aber bereits Anfang 1992 verfügte der Kernel über eine virtuelle Speicherverwaltung und war als Entwicklungsplattform geeignet. Zu diesem Zeitpunkt war die Versionsnummer schon 0.12. Im Laufe des Jahres 1992 folgte eine erste Implementation von TCP/IP, die die Portierung des X Window Systems von XFree86 auf Linux ermöglichte. Die ersten Distributionen entstanden Ende 1992.

Die Ankündigung von Linus war aus heutiger Sicht revolutionär. Innerhalb von wenigen Monaten beschäftigten sich hunderte der talentiertesten Hacker mit dem neuen System und trugen zahlreiche Erweiterungen bei. Damit wurde Linux zum größten Projekt, das gemeinschaftlich entwickelt und über das Internet koordiniert wurde, und setzte neue Maßstäbe. Ein Großteil der Innovation im Softwarebereich wird heute unter Verwendung von Linux und anderer freier Software geleistet. Bei allen Erfolgen darf aber nicht vergessen werden, dass ohne die Vorarbeit von GNU, die alle grundlegenden Tools bis hin zu Emacs und GCC geschrieben und frei zugänglich gemacht hatte, Linux nicht so leicht möglich gewesen wäre.

Das Linux-Ökosystem ist heute so groß, dass es nicht mehr möglich ist, einen detaillierten Überblick zu geben. Es würde auch diesen Artikel sprengen, die Geschichte von Linux hier auszuführen. In der Wikipedia wurde dies bereits ausführlich getan. Eine kürzere Zusammenfassung hat Heise Open Source veröffentlicht. Die von Torvalds scherzhaft zum Ziel erhobene »World Domination« von Linux wurde in fast allen Sektoren Realität. Nur auf dem Desktop kam es nie zum Durchbruch, zu groß waren die Abhängigkeiten von Windows, die Microsoft auf allen Ebenen installiert hatte. Doch selbst wenn nur ein Prozent der Desktop-Anwender Linux nutzen, wie manche Studien behaupten, hindert uns das nicht daran, den Rest wohlwollend zu ignorieren und auf das Wohl von Linux anzustoßen.

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