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Di, 13. September 2011, 10:30

Gemeinschaft

Perens: Neuer Ansatz zu Rechteüberlassungen an Code

Ein freies Projekt kann von Beitragenden verlangen, dass sie Teile ihrer Rechte an das Projekt übertragen. Diese Praxis ist umstritten. Anstelle von solchen Beitragsvereinbarungen versucht der Freie-Software-Evangelist Bruce Perens nun einen anderen Weg.

Wenn ein Unternehmen mit freier Software, die es entwickelt hat, Geschäfte machen will, kann es die Software unter eine duale Lizenz stellen. MySQL ist ein Musterbeispiel dieses Ansatzes. Das Datenbanksystem wird sowohl unter der GPL als auch unter einer kostenpflichtigen kommerziellen Lizenz angeboten, die von Kunden genutzt wird, die nicht an die GPL gebunden sein wollen.

Wie der Freie-Software-Evangelist Bruce Perens ausführt, stellte sich für ihn nun die gleiche Frage, als HPCC Systems seine gleichnamige Software unter eine freie Lizenz stellte, wofür er als Berater engagiert war. Wie er schreibt, ist es bei solchen Lizenzierungsmodellen nötig, dass die nötigen Rechte an eventuellen Beiträgen der Gemeinschaft an das Unternehmen übertragen werden. Dazu mussten die Beitragenden spezielle Beitragsvereinbarungen unterschreiben, was eine recht umstrittene Praxis darstellt. Zwei extreme Standpunkte dazu sind, dass Beitragsvereinbarungen in Ordnung sind, weil ja der GPL-Code in jedem Fall verfügbar bleibt, selbst wenn die Firma die Entwicklung schließt. Dieser Standpunkt wird von Mark Shuttleworth und dem Harmony-Projekt vertreten. Das andere Extrem ist, keine Beiträge zu leisten, weil man mit den Vereinbarungen nicht einverstanden ist und nicht will, dass der eigene Code eventuell unter eine proprietäre Lizenz gestellt wird.

Will man möglichst viele Beiträge aus der Gemeinschaft, sollte man also offenbar den Entwicklern gute Anreize dazu geben, wahrscheinlich mehr, als das Projekt Harmony vorsieht. Eine Möglichkeit wäre, die Entwickler zu bezahlen, doch das ist aufgrund der weltweiten Verteilung der Entwickler kaum praktikabel. Auch die Einigung auf den richtigen Preis für den Beitrag könnte schwer werden. Einen etwas anderen Weg ging MySQL, das jegliche Beiträge von außen ablehnte. Stattdessen stellte es talentierte Entwickler ein und erhielt dadurch automatisch die Rechte an deren in der Arbeitszeit geleisteten Beiträge.

Für HPCC, dessen Produkt mehr als zehn Jahre Arbeit repräsentiert, fand Perens eine alternative Lösung. Die bei anderen Vereinbarungen dauerhafte Copyright-Überlassung wird durch eine befristete ersetzt. Das Unternehmen gibt jedem Beitragenden eine bindende Versprechung, für eine bestimmte Zeit nach dem Beitrag das gesamte Projekt als freie Software weiter zu warten und zu unterstützen. Bei HPCC beträgt diese Frist drei Jahre. Sie wird mit jedem Beitrag aus der Gemeinschaft erneuert. HPCC wird unter der AGPLv3 und einer kommerziellen Lizenz veröffentlicht, alle Beiträge aus der Gemeinschaft bleiben unter diesen beiden Lizenzen verfügbar. Sollte HPCC das Produkt nicht länger warten, verpflichtet es sich, den Code entweder unter einer liberalen BSD-ähnlichen Lizenz an eine nicht gewinnorientierte Organisation zu übertragen oder alle Beiträge aus der Gemeinschaft aus dem Produkt zu entfernen. Der vollständige Text der Vereinbarung ist als PDF-Datei verfügbar. Laut Perens ist diese Vereinbarung die beste Lösung für die Open-Source-Gemeinschaft, das Unternehmen und die kommerziellen Kunden. Die freien Entwickler »zahlen« für die freie Nutzung des Produkts mit Quellcode-Beiträgen, die kommerziellen Nutzer zahlen mit Geld und HPCC Systems »bezahlt« die freien Entwickler mit der Möglichkeit, das Produkt frei zu nutzen, und der Unterstützung der Software.

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Kommentare (Insgesamt: 17 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[2]: OT: Stell Dir vor, es ist ... (Gerd, Mi, 14. September 2011)
Re: OT: Stell Dir vor, es ist ... (MichaHier, Mi, 14. September 2011)
Re: Bullshit (nico, Di, 13. September 2011)
Re[6]: die sollen dich einfach entscheiden (nmnmnmn, Di, 13. September 2011)
Re[5]: die sollen dich einfach entscheiden (Klaus5, Di, 13. September 2011)
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