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Mi, 19. Oktober 2011, 13:29

Gesellschaft

Paypal sperrt Diaspora-Konten

Wie die Betreiber des offenen sozialen Netzes Diaspora bekannt gaben, hat der Zahlungsdienstleister PayPal das Spendenkonto der Organisation gesperrt. Bereits eingegangene Spenden sollen für mehrere Monate gesperrt und neue Zahlungen nicht mehr akzeptiert werden.

Startseite von Diaspora

Mirko Lindner

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Das soziale Netzwerk Facebook hat zwar einen kometenhaften Aufstieg hinter sich, gilt aber als Datenkrake und wird von allen Benutzern, die sich der Risiken von Facebook auf Datenschutz und Privatsphäre bewusst sind, gemieden. Zahlreiche Alternativen zu Facebook existieren zwar - auch als freie Software - konnten jedoch nie eine auch nur annähernd vergleichbare Benutzerzahl erreichen. Diesen Zustand wollen vier Studenten der Universität von New York ändern und mit Diaspora eine freie Alternative zu Facebook schaffen. Im Gegensatz zum Branchenprimus ist Diaspora dabei quelloffen und dezentral. So ermöglicht es die Software unter anderem, einen eigenen Server aufzusetzen und die Kontrolle über alle Inhalte, etwa Nachrichten, Fotos, Kontaktlisten oder Profildetails komplett zu behalten. Ende des vergangenen Jahres ist das Netzwerk für erste Tests online gegangen.

Vor wenigen Tagen hatte das Netzwerk nun zu weiteren Spenden aufgerufen und um Hilfe gebeten. Die als Startkapital festgesetzte Summe war demnach bereits verbraucht und das Projekt benötigte mehr Kapital. Das Geld konnte entweder über den Micropayment-Dienst Flattr oder über den Zahlungsdienstleister PayPal eingezahlt werden. Als sie jedoch einen Teil des gespendeten Geldes abheben wollten, erfuhren sie, dass die Gelder gesperrt wurden. PayPal benötige laut Aussage des Diaspora-Mitarbeiters Peter Shurman zusätzliche Dokumente, ohne die es dem Dienstleister nicht möglich sei, die Gelder wieder freizugeben. Bis das Problem gelöst sei, werden zudem keine weitere Spenden mehr angenommen.

Laut Shurman blühe Diaspora nun, dass das Netzwerk bis zu sechs Monate lang keinen Zugriff mehr auf Spenden in Höhe von 45.000 USD haben wird. Das ursprüngliche Problem sei zwar bereits gelöst, doch weigere sich das Unternehmen offenbar weiterhin, die Gelder freizugeben. Wann die Konten wieder enteist werden, konnten die Diaspora-Betreiber nicht sagen, weshalb das Projekt als Reaktion auf die neuesten Vorkommnisse nun PayPal den Rücken kehren wird. Weitere Zahlungen sollen künftig über einen neuen Dienstleister erfolgen.

Die Sperrung von Spendengeldern stellt keinesfalls ein Novum dar. Bereits in der Vergangenheit fiel der Zahlungsdienstleister durch politisch oder wirtschaftlich orientierte Kontensperrungen auf. So sperrte PayPal Ende 2010 unter anderem das Konto der Whistleblower von WikiLeaks, nachdem die Seite tausende US-Botschaftsdepeschen im Internet veröffentlicht hatte. Auch das Indie-Studio hinter MineCraft musste eine Sperrung über sich ergehen lassen. PayPal sperrte über 600.000 Euro, als das Projekt anzog und die Verkaufszahlen stiegen. Wie auch bei Diaspora forderte das Unternehmen daraufhin zahlreiche Dokumente und ließ sich laut Aussage des Projektes reichlich Zeit mit der Freigabe der Gelder. Im Juli 2011 forderte PayPal zudem auch deutsche Unternehmen auf, keine Waren mehr aus Kuba anzubieten. Als Grund nannte das Unternehmen ein seit 1962 bestehendes US-Erbargo, das PayPal auch für ausländische Unternehmen mittels Sperrungen durchsetzen wollte. Zahlreiche Firmen kündigten daraufhin Klagen an. Andere wiederum entfernten PayPal aus ihren Angeboten.

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