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Mo, 5. Dezember 2011, 11:18

Gesellschaft::Wissenschaft

Software als Vorbild: Open-Source-Arzneimittelforschung

Die Ergebnisse der eigenen Arbeit allen bereitstellen, damit sie von anderen genutzt, verbessert und weiter entwickelt werden können. Was mit freier Software gut funktioniert, wird nun auch in der Arzneimittelforschung erprobt.

Anstatt lebensrettende Medikamente jahrelang im stillen Kämmerlein zu entwickeln, gehen immer mehr Forschungsinstitute dazu über, ihre Arbeiten offenzulegen und mit anderen zu teilen. Beispiele dafür sind die Open Source Drug Discovery Foundation (OSDD), das Human Genome Project (HGP), die Tropical Disease Initiative (TDI) und das Dana-Farber Cancer Institute.

Das zum Dana-Farber Cancer Institute gehörige Bradner Laboratory hat kürzlich niedermolekularen Inhibitoren (JQ1, benannt nach Jun Qi) entdeckt, die das agressive Wachstum von Krebszellen stoppen können. JQ1 unterbindet die Bildung des Proteins Brd4, das das Myc-Regulator-Gen beeinflusst. Mutierte Myc-Gene sind vermutlich die Ursache vieler Krebsarten. Statt die Entdeckung geheimzuhalten, sendeten sie die Forscher an Freunde und Kollegen in über 70 Forschungseinrichtungen und ermunterten sie, die Inhibitoren zu nutzen, weiter zu entwickeln und ihre Erkenntnisse zurückzusenden.

Kristallographen der Oxford-Universität steuerten darauf hin ein Bild des Moleküls bei, mit dessen Hilfe Bradners Team besser verstand, wie JQ1 gegen Brd4 wirkt. In weniger als einem Jahr wussten die Forscher des Bradner Labs, dass JQ1 das Leukämie-Wachstum verhindert und sich betroffene Zellen erkrankter Patienten wie gesunde weiße Blutkörperchen verhalten. Andere Teams berichteten, wie Myelom-Zellen des Knochenmarks auf JQ1 reagieren und das der Inhibitor Fettzellen an der Einlagerung von Fetten hindert. Dr. Bradner erklärte in einem Video, dass er glaubt, ihr Ansatz könne die Entwicklung wirksamer Krebsmedikamente dramatisch beschleunigen.

Auch OSDD, HGP und TDI konnten und können durch den Open-Source-Ansatz viele Erfolge vorweisen, beispielsweise in der Behandlung von Malaria, Tuberkulose, Schistosomiasis (Bilharziose). Der Open-Source-Ansatz wird in Form der OSDD von der indischen Regierung gefördert und als Modell betrachtet, neue Medikamente kosteneffektiv zu entwickeln. Indien hat dafür 34 Mio. USD bereitgestellt. Das erste Forschungsprojekt der OSDD beschränkte sich auf Tuberkulose, jetzt soll auch Aids ein Forschungsschwerpunkt werden.

Der Open-Source-Ansatz in der Arzneimittelforschung bringt Forscher verschiedener Bereich aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Wissen und Erfahrung werden zentral verwaltet und abgerufen sowie die Entwicklung neuer Medikamente optimiert und beschleunigt. Das Open-Source-Verfahren kann so helfen, die Entwicklungskosten neuer Medikamente zu senken. Generika-Hersteller können leichter Lizenzen erwerben, wodurch sich Arzneien nochmals preiswerter anbieten lassen. Zudem ist es für Außenstehende leichter, »favorisierten« Forschungsprojekten bzw. Einrichtungen Zuwendungen zukommen zu lassen.

Da in der Pharma-Industrie Patente nach wie vor eine große Rolle spielen, wird sich der Open-Source-Ansatz eher im Bereich der vorkommerziellen Forschungs- und Entwicklungsarbeit abspielen. Gelingt später einem Forschungsteam der Durchbruch, können sie ihre Erkenntnisse veröffentlichen und patentieren.

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