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Di, 31. Januar 2012, 17:51

Gesellschaft::Politik/Recht

GPL-freier Busybox-Ersatz geplant

Ein Sony-Entwickler hat die Entwicklung einer Alternative zu Busybox vorgeschlagen. Anlass für den Vorschlag sind nicht technische Gründe, sondern die Änderung der Lizenz, um Copyright-Klagen wegen GPL-Verletzungen zu unterlaufen.

Tim Bird von Sony konstatiert in seinem Projektvorschlag auf elinux.org, dass viele Hersteller, die mit der Veröffentlichung der GPL-lizenzierten Quellen von Busybox zu nachlässig waren, bereits wegen GPL-Verletzung verklagt wurden. Das Problem dabei ist nach seiner Auffassung, dass es nicht wirklich klar sei, was in dem Fall, dass die Kläger Recht behalten, passieren soll. Die Kläger hätten als Wiedergutmachung teilweise Dinge verlangt, die außerhalb von Busybox selbst lagen, beispielsweise das Recht, nicht damit im Zusammenhang stehende Produkte zu untersuchen.

Wie Bird selbst schreibt, wäre es das Einfachste für die Hersteller, die Lizenzen der verwendeten Komponenten zu beachten. Doch scheinen einige Hersteller dazu nicht fähig zu sein, so dass Bird die derzeit stärkste Waffe der Entwickler freier Software entschärfen will. So hat er bereits erste Analysen angestellt, welche Funktionen eine alternative Implementierung von Busybox mindestens haben müsste. Er schätzt den Aufwand für eine erste Implementierung mit minimalem Funktionsumfang auf einige Personenmonate. Als Grundlage könnte das Toybox-Projekt dienen, das bereits ein paar Funktionen enthält und unter einer BSD-Lizenz vertrieben wird. Auch Android könnte von dem Busybox-Ersatz profitieren. Android enthält mit der »Toolbox« bereits ein ähnliches Programm, das ebenfalls nicht unter der GPL steht, aber andere Kommandos anbietet.

Matthew Garrett, Kernel-Entwickler von Red Hat, vermutet weniger hehre Gründe als den Schutz der Hersteller vor Klagen hinter der Initiative. Denn die Entwickler von Busybox waren jahrelang nahezu die einzigen, die die zahlreichen Lizenzverletzungen, die in der Welt der eingebetteten Geräte begangen werden, überhaupt verfolgen. Die meisten Rechteinhaber, einschließlich der meisten Kernel-Entwickler, drücken lieber ein Auge zu, da sie wenig mit Gerichten zu tun haben wollen und wenig zu gewinnen haben. Denn um nennenswerte Schadensersatzforderungen ging es in den bisherigen Klagen nie. Stattdessen wurden hauptsächlich die Prozesskosten eingefordert sowie die vollständige GPL-Konformität, also die Veröffentlichung aller Quellen, die GPL-Code enthalten. Genau das scheint einigen Herstellern ein Dorn im Auge zu sein, und da Busybox der hauptsächliche Hebel für die Durchsetzung der GPL war, soll sie entfernt werden.

Wenn nun Busybox ersetzt würde, so Garrett, würden die Hersteller eher dazu ermuntert, die GPL gezielt zu verletzen, ohne Klagen fürchten zu müssen. Es müssten daher andere Copyright-Inhaber einspringen, in erster Linie Kernel-Entwickler, da der Kernel Bestandteil jeder betroffenen Firmware ist. Garrett ist wohl nicht der einzige, der es ironisch findet, dass Sony auf der einen Seite jede Copyright-Verletzung auch bei Einzelpersonen verfolgt und andererseits die massive Verletzung der GPL begünstigen will.

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