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Mo, 13. Februar 2012, 12:38

Gesellschaft::Politik/Recht

Welte: GPL-Durchsetzung muss noch verstärkt werden

In seinem Blog spricht sich der Entwickler und freie Software-Aktivist Harald Welte für eine Durchsetzung der GPL mit Augenmaß aus. Angesichts der zahlreichen bekannten Fälle sollte sie aber noch intensiviert werden.

Die Ankündigung des Sony-Mitarbeiters Tim Bird, eine nicht-GPL-Alternative zu Busybox zu schaffen, wirbelte einigen Staub auf. Matthew Garrett, Kernel-Entwickler von Red Hat, vermutete, dass es der Industrie lediglich darum gehe, mit fortgesetzten Kernel-Lizenzverletzungen davonzukommen. Für die Software Freedom Conservancy kommentierte Bradley Kuhn das Vorgehen der Organisation, gegenüber der die Darstellung von Tim Bird übertrieben scheint.

Wie der freie Software-Aktivist Harald Welte nun in seinem Blog kommentiert, war es für ihn nicht leicht, herauszufinden, was wirklich vorging. Insbesondere sei es für ihn nicht zu beurteilen, ob das SFLC im Auftrag von Busybox übermäßig aggressiv vorging. Im Grunde mache das von ihm gegründete gpl-violations.org nichts anderes, nur verfolgt es hauptsächlich Urheberrechtsverletzungen im Linux-Kernel. Nach einem Ersatz des Kernels durch eine Nicht-GPL-Implementierung hat allerdings noch niemand gerufen, vermutlich weil der Aufwand dafür höher als nur einige Personenmonate wäre.

Für Welte ist es das Recht jedes Autors, die Strategie zur Durchsetzung der GPL sowie die Interpretation der Lizenz festzulegen. Selbstverständlich würde man nicht nur den Quellcode des betroffenen Teils wie z.B. des Kernels, sondern sämtlichen verwendeten GPL-Quellcode samt Modifikationen fordern. Dem folgen die Hersteller schon aus eigenem Interesse, denn wenn sie Code zurückhalten würden, würden sie eine weitere Klage riskieren. Umstritten sei dabei, ob dies eine Bedingung sei, um die Lizenz wieder zu erhalten. In verschiedenen Rechtssystemen wie den USA oder Deutschland seien dazu verschiedene Auffassungen vorherrschend. In den USA tendiere das SFLC wohl dazu, diese Bedingung zu nutzen. Welte stellt in Frage, ob es ethisch recht sei, das zu tun, selbst wenn es juristisch in Ordnung sei. Allerdings seien die Auffassungen von Ethik in verschiedenen Kulturen genauso unterschiedlich wie die Rechtsprechung.

Für übertrieben hält Welte allerdings Forderungen, dass der Verursacher von Copyright-Verletzungen den Rechteinhabern künftige Veröffentlichungen für ein Audit vorlegt. Es gibt allerdings keinen Beleg, dass solch eine Forderung je erhoben wurde, es dürfte sich um ein Gerücht handeln.

Welte bezweifelt stark, dass die notfalls gerichtliche Durchsetzung der GPL Firmen von der Verwendung der Software abhält. Denn einer Produkteinführung gehen langwierige Recherchen voraus, die natürlich auch die Kenntnis der Lizenzen einschließen muss. Offensichtlich haben einige Unternehmen letzteres noch nicht erkannt, denn es gibt immer noch zu viele GPL-Verletzungen. Daher ist es nach Weltes Ansicht notwendig, die GPL-Durchsetzung noch zu verstärken, sonst werde sich die Lage nicht bessern. Unter anderem sei es auch ein Gebot des fairen Wettbewerbs, dass Firmen, die sich durch Ignorieren der Lizenz einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, merken, dass sie damit nicht weit kommen.

Demnach wird es den GPL-Verletzern auch nichts nützen, einen Ersatz für Busybox zu schaffen, solange sie noch den Linux-Kernel verwenden. Denn auch wenn die Webseite von gpl-violations.org wenig Aktivitäten zeigt, passiert im Hintergrund einiges. Welte hofft, etwas Zeit zu finden, um die Aktivitäten besser publik zu machen. Zumindest ein Jahresbericht wäre für ihn erstrebenswert.

Bradley Kuhn fasst in einer Reaktion auf Weltes Aussagen die Lage folgendermaßen zusammen: Wer die Copyleft-Idee der GPL unterstützt, muss auch ihre Durchsetzung befürworten, alles andere wäre unlogisch.

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