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Di, 13. März 2012, 12:21

Gemeinschaft

Lizenzwechsel bei OpenStreetMap

Das OpenStreetMap-Projekt wechselt die Lizenz für seine Geodaten. Statt der CC-By-SA 2.0 Lizenz kommt in Zukunft die Open Database License zum Einsatz, wofür von einigen ehemaligen Projektteilnehmern jedoch noch nach deren Zustimmung gesucht wird. Der Lizenzwechsel ist in dem zweiten Quartal dieses Jahres geplant.

OpenStreetMap für Innenräume

Universität Heidelberg

OpenStreetMap für Innenräume

OpenStreetMap möchte seine Geodaten frei für jedermann nutzbar machen. Das heißt zum einen, dass die Daten kostenlos erhältlich sein sollen, zum anderen aber auch, dass die Daten kopiert und verändert werden dürfen. Eine kommerzielle Verwendung der Daten soll ebenfalls problemlos möglich sein. Um dies sicherzustellen, lizenziert OSM seine Daten bereits seit der Projektgründung unter den Bedingungen der CC-By-SA 2.0 Lizenz. Die freie Lizenz fordert lediglich die Namensnennung des Urhebers und die Freigabe abgeleiteter Werke unter der gleichen Lizenz.

In Diskussionen unter Projektteilnehmern stellte sich allerdings in den letzten Jahren zunehmend heraus, dass die CC-By-SA-2.0 Lizenz für OpenStreetMap keine gute Wahl ist. Die Lizenzen der CC leiten den Schutz des Werkes für gewöhnlich aus dem Urheberrecht ab. Da OSM aber im Wesentlichen geographische Fakten sammelt, ist die Kreativleistung dabei nicht besonders hoch. Fakten und deren Sammlung unterliegen jedoch nicht in jedem Rechtssystem dem Urheberrechtsschutz. Das in Europa bestehende Datenbankrecht wird beispielsweise durch die CC-Lizenzen (noch) gar nicht berücksichtigt.

OpenStreetMap: Venedig

openstreetmap.org

OpenStreetMap: Venedig

Doch auch praktische Probleme bereiteten den Mitgliedern Sorgen: Die CC-By-SA fordert bei Verwendung für jeden einzelnen Urheber eine Namensnennung. Urheber sind aber alle Mapper bei OSM, die in einem bestimmten Bereich gearbeitet haben. Folglich ist eine derartige Forderung praktisch nicht mehr zu leisten, weil tausende von Nutzernamen aufgeführt werden müssten, sobald der Bereich groß genug ist. Ein weiteres Problem ist der Begriff des »abgeleiteten Werkes« bzw. der »Abwandelung«, der in den Lizenzen verwendet wird. Es besteht unter Projektteilnehmern und Datenverwendern Unsicherheit darüber, was genau ein abgeleitetes Werk ist und was nicht.

Die OpenStreetMap-Foundation (OSMF) gründete daher Ende 2008 eine Arbeitsgruppe (»License Working Group« bzw. »LWG«), mit der Aufgabe, die Lizenzsituation zu verbessern und ggf. eine neue Lizenz zu finden. Wichtig war dabei, dass die Arbeit an den Lizenzierungsmodalitäten offen stattfindet, denn die Ergebnisse betreffen jeden Teilnehmer und Nutzer von OSM. Daher wurde auch sichergestellt, dass die Teilnahme an der Arbeitsgruppe jeder interessierten Person offen stand. Über die üblichen Kommunikationskanäle im Projekt konnte auch über den Fortschritt und die Perspektiven der neuen Lizenz diskutiert werden, so dass sich auch Teilnehmer, die nicht direkt in der Arbeitsgruppe mitarbeiten wollten, einbringen konnten.

OpenStreetMap: Vatikan

openstreetmap.org

OpenStreetMap: Vatikan

Da OSM ja bereits eine Creative Commons Lizenz hatte, hat die LWG sich zuerst an die CC gewandt, um gemeinsam eine Lösung für die spezielle Situation von Datenbanken auszuarbeiten. Diese Beratungen blieben aber ergebnislos und führten letztlich zu dem Vorschlag, die Datenbank im Sinne des Open Access Data Protocols freizugeben, was faktisch einer »Public Domain«-Lizenzierung gleichkommt und von vielen OpenStreetMap-Mitwirkenden nicht gewünscht wird. Im nächsten Schritt begann die OSMF daher zusammen mit den Open Data Commons, einem Projekt der Open Knowledge Foundation, an einer komplett neuen Lizenz zu arbeiten.

Die Zusammenarbeit mündete in der Erstellung der Open Database License (ODbL), die nun die alte Lizenz ablösen soll. An der Erstellung waren maßgeblich die beiden einschlägig ausgewiesenen Juristen Jordan Hatcher und Charlotte Waelde beteiligt, die auch schon das Open Access Data Protocol für CC ausgearbeitet hatten. Die ODbL behält die wichtigen Punkte der CC-By-SA-Lizenz bei (Namensnennung der Urheber, Share-alike), fasst diese aber genauer, gerade was Umsetzung und Umfang der Pflichten von Datennutzern angeht. Durch die Verwendung von Vertrags- und Datenbank-Urheberrecht soll diese Lizenz für Datenbanken in einer größeren Zahl an Rechtssystemen Bestand haben. Nach Fertigstellung der neuen Lizenz wurde in der OpenStreetMap-Foundation abgestimmt, ob die neue Lizenz für OSM übernommen werden soll. 89% der Teilnehmer bejahten dies, so dass die OSMF OSM nun auf die ODbL umstellen möchte.

Da die existierenden Daten in OpenStreetMap nicht ohne Zustimmung der Urheber, also der bei OpenStreetMap angemeldeten Teilnehmer, neu lizenziert werden dürfen, ruft das Projekt nun alle Mapper auf, in ihrem Account die eigenen Daten unter die neue ODbL-Lizenz zu stellen. Bereits seit Mai 2010 haben neue Benutzer bei ihrer Anmeldung automatisch zugestimmt, ihre Beiträge unter der ODbL zur Verfügung zu stellen. Seit April 2011 können existierende Benutzer, die der neuen Lizenz noch nicht zugestimmt haben, keine Daten mehr hinzufügen. Da die Umstellung auf die neue Lizenz also schon sehr lange läuft, sind bereits heute bis zu 97% aller OSM-Daten in Deutschland unter den Bedingungen der ODbL verfügbar. Weltweit sehen diese Werte ähnlich aus. Trotzdem gibt es noch Projektteilnehmer, meistens aus der Frühphase des Projekts, die der neuen Lizenz noch nicht zugestimmt haben.

Ab dem 1. April 2012 müssen Mitglieder damit rechnen, dass ihre nicht relizenzierten Daten aus dem Bestand entfernt werden. Dies ist laut Aussage des Projektes notwendig, da ausnahmslos alle Daten der ODbL unterliegen müssen, damit OSM seinen Gesamtdatenbestand unter dieser Lizenz verteilen darf. Im Moment wird noch an der Software gearbeitet, um diese nicht neu lizenzierten Daten zu entfernen, weshalb der genaue Termin, zu dem die Altdaten gelöscht werden und der Lizenzwechsel damit vollzogen wird, noch nicht fest steht. Es wird das zweite Quartal 2012 angestrebt, frühestens 1. April 2012.

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