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Mo, 4. Juni 2012, 08:58

Software::Kernel

Linux-Kernel 3.5 tritt in die Testphase ein

Linux-Initiator Linus Torvalds hat die Kernel-Version 3.5-rc1 als erste Testversion für Linux 3.5 freigegeben. Die wohl größten Neuerungen sind der neue Paket-Scheduler CoDel und das utrace-Framework.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Nur 13 Tage nach Linux 3.4 liegt bereits die erste Testversion von Linux 3.5 vor. Wie Linus Torvalds in seiner Ankündigung von Linux 3.5-rc1 mitteilte, wollte er den Entwicklern statt der normalen 14 Tage eigentlich nur 12 Tage Zeit lassen, um erstens Änderungen, die in letzter Minute erst eintreffen, zurückzuweisen und zweitens, um in einer Woche bereits die zweite Testversion veröffentlichen zu können, bevor er zu einer Reise aufbricht. Wegen einiger Probleme mit den Sperren im TTY-Code verzögerte sich die Freigabe aber um einen Tag.

Trotz der leicht verkürzten Frist konnte Torvalds wieder genauso viele Änderungen integrieren wie in den Versionen zuvor. Eine der bedeutendsten Änderungen dabei dürfte der neue »Controlled Delay« (CoDel) Paket-Scheduler sein. Ein Paket-Scheduler kümmert sich um die Bereitstellung der Datenpakete an den Netzwerkschnittstellen. Der neue Scheduler versucht das Problem zu beseitigen, das von Jim Gettys erstmals formuliert und von ihm Buffer Bloat genannt wurde. Es äußert sich in zu langen Latenzzeiten, die in der Folge Paketverluste, unnötige Wiederholungen oder gar Verbindungsabbrüche auslösen. Die von Gettys als Ursache genannte gedankenlose Vergrößerung der Paketpuffer in allen Komponenten, die die bisherigen TCP-Algorithmen wirkungslos werden ließ, lässt sich jedoch kaum rückgängig machen. Zwar wurden im Linux-Kernel schon einige Verbesserungen vorgenommen, aber das löst nur einen geringen Teil des Problems. Der neue Scheduler hingegen implementiert einen neuen Algorithmus der Internet-Veteranen Kathleen Nichols und Van Jacobson, der in Linux erstmals zum Einsatz kommt.

Weitere Neuerungen sind die Reparatur-Schnittstelle für TCP/IP-Verbindungen, die für Checkpoint-Funktionalität benötigt wird, früheres erneutes Senden von Netzwerkpaketen nach RFC 5827, womit das Fortsetzen nach einem Paketverlust schneller werden soll, der Seccomp Filters-Mechanismus, der die erlaubten Systemaufrufe für Prozesse einschränkt, ein Umbau des Log-Mechanismus, der Meldungen jetzt in Datensätze aufteilt und die Ausgabe zusätzlicher Informationen ermöglicht, ein neu geschriebener NUMA-Scheduler und ein Block I/O-Controller für die Control Groups. Neue Systemaufrufe für den Zugriff auf den Speicherbereich eines anderen Prozesses wurden hinzugefügt, sie sind jedoch optional.

Ein Autosleep-Patch implementiert ein Suspendieren ähnlich den Wakelocks in Android, aber mit einer anderen Schnittstelle. Außerdem wurden uprobes, ein Trace-Mechanismus für Benutzerprozesse, nach langer Entwicklungszeit integriert. Damit kann nun die gleiche Schnittstelle, die für Tracing im Kernel verwendet wird, auch mit Benutzerprogrammen genutzt werden. Das Programm perf, dessen Quellcode zusammen mit dem Kernel-Quellcode vertrieben wird, wurde entsprechend erweitert.

Anders als normalerweise üblich wurde in dieser Version auch eine Menge alter Code entfernt. Während ein Teil davon nicht mehr genutzt oder durch andere Möglichkeiten ersetzt wurde, wurden auch einige sehr alte Treiber Opfer der Maßnahmen, die ihren Grund wohl darin haben, dass niemand mehr diesen Code pflegt oder testen kann. Betroffen sind der ixp2000-Netzwerktreiber, Unterstützung der SPARC-CPU Sun4c, der ARMv3-Prozessoren und IXP2xxx-Prozessoren, Token Ring, Microchannel, das Econet-Protokoll, ST-Ericsson U5500-Entwicklerboards und der Treiber für die serielle Schnittstelle des Motorola 68360, also Komponenten, die außerhalb von Museen wohl nicht mehr anzutreffen sind.

Die zahlreichen weiteren Änderungen sind im Änderungslog von Git zu finden. Kernel und Patch-Dateien sind von zahlreichen Spiegelservern von kernel.org herunterzuladen.

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