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Mo, 2. Juli 2012, 15:39

Software::Desktop::Gnome

Theodore Ts'o macht Bekanntschaft mit Gnome 3

Kernel-Entwickler Theodore Ts'o hat sich nach einer Installation von Debian Testing erstmals Gnome 3.4 angesehen. Sein Urteil »unbenutzbar« löste, wie schon bei anderen prominenten Entwicklern zuvor, eine längere Diskussion aus.

Theodore Ts'o

Linux Foundation

Theodore Ts'o

Wie Theodore Ts'o, Hauptentwickler des Dateisystems ext4, auf Google Plus schreibt, installierte er Debian Testing auf seinem neuen Laptop und erlebte dadurch zum ersten Mal Gnome 3.4, das im kommenden Debian 7.0 die Standard-Desktopumgebung ist, selbst. Nachdem er die Umgebung schnell als unbenutzbar abgekanzelt hatte, installierte er Xfce, hatte aber auch mit dieser Umgebung einige Probleme. Sein Blog-Beitrag dreht sich im Wesentlichen um zwei Schwierigkeiten, die er mit Xfce hatte. Sein Versuch, die betroffenen Programme durch Gnome-Programme zu ersetzen, war jedoch auch nicht von Erfolg gekrönt.

Sein erstes Problem betrifft den Wireless-Manager wicd, der mit Xfce standardmäßig zum Einsatz kommt. Dieser kann nach seiner Feststellung nur schlecht mit einer großen Zahl von Access Points umgehen, die denselben Netzwerknamen haben. Daher installierte er network-manager, doch das Programm zeigte unter Xfce nicht die Passwort-Eingabeaufforderung an, die beim Wechsel des Netzes nötig ist. Es gibt einen Workaround für das Problem, der für Ts'o aber nicht vollständig zufriedenstellend ist.

Sein zweites Problem war der Terminal-Emulator, der die vt100-Grafikzeichen, die das E-Mail-Programm mutt benötigt, nicht richtig anzeigt. Ersatzweise versuchte er es unter anderem mit gnome-terminal, was nicht nur seine Installation nach seinen Worten mit »all dem unnötigen Mist, den Gnome mit sich bringt«, aufblähte, sondern auch schwere Probleme in der Bedienung aufwies. Es sei ihm nahezu unmöglich gewesen, den aktiven Tab von den inaktiven zu unterscheiden, und es sei ziemlich unmöglich, ein anderes Theme auszuwählen, das die Sichtbarkeit verbessert. In einer Gnome-Sitzung funktioniere das Terminal viel besser, unter anderen Umgebungen dagegen fehle wohl irgendetwas. Ts'o vermutet ein DBUS-Protokoll oder »undokumentierten XML-Mist« hinter dem Problem.

Im Verlauf der Diskussion wurden dem Entwickler verschiedene andere Terminal-Emulatoren vorgeschlagen, die er testen will. Aber auch andere Desktopumgebungen wie LXDE, Windowmaker oder KDE wurden ihm nahegelegt. Einige der Kommentatoren verteidigten auch Gnome und stellten fest, dass mit den Erweiterungen der Gnome-Shell und dconf fast jedes gewünschte Verhalten konfigurierbar sei. Sogar das von ihm verlangte feste Desktop-Layout mit 3 x 3 Arbeitsflächen sei einstellbar. Ts'o hielt dem entgegen, dass die Erweiterungen auf interne APIs der Gnome-Shell zugreifen und es keine Garantie gebe, dass sie in der nächsten Version noch funktionieren.

Auch Linus Torvalds schaltete sich in die Diskussion ein und feuerte eine Breitseite auf die »f*cking gnome3 fanboys«. Das Problem mit Gnome 3 sei, dass sehr viele nützliche Einstellmöglichkeiten verlorengegangen seien. In einem weiteren Kommentar nannte er noch eine Reihe solcher Einstellungen, die Gnome 3 mittlerweile fehlen. Dabei sei Gnome 3.4 technisch mittlerweile nahe an der Benutzbarkeit. Aber die Einstellung der Gnome-Entwickler, die alle Beschwerden ignorieren oder auf Erweiterungen verweisen, sei verachtenswert. Auch über die Distributionen beklagt er sich. Eine Distribution sollte ohne wochenlanges Editieren der Konfigurationsdateien funktionieren, ja sogar ohne jedes Editieren.

Als vorläufiges Fazit der Diskussion kann Ts'os letzter Beitrag gelten, in dem er schreibt, dass das Ändern der Einstellungen derzeit so schwierig ist, dass er die aktuellen Trends der Desktop-Umgebungen verabscheut. Es gebe zuviele Komponenten, die nicht dokumentiert sind, und sich ständig ändernde Interaktionen zwischen diesen. Und wenn etwas nicht mehr funktioniere, werde es entfernt statt repariert.

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