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Mi, 21. November 2012, 16:15

Gesellschaft::Politik/Recht

Freiburg beschließt Umstieg auf MS Office

Der Gemeinderat der Stadt Freiburg hat wie befürchtet gestern die Rückmigration von OpenOffice zu MS Office 2010 beschlossen.

Mirko Lindner

Die Beschlussvorlage des Bürgermeisteramtes wurde vom Gemeinderat mit 25 gegen 20 Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen. Laut Heise Online stimmten die Fraktionen von CDU, SPD und freien Wählern, zwei der 13 Stadträte der Grünen sowie der Oberbürgermeister Salomon (Grüne) gegen seine eigene Fraktion für den Beschluss.

Im Ergebnis wird der im Jahr 2007 gefasste Beschluss, der unter anderem das Verwenden des Open Document Format (ODF) als Standardformat festlegte und OpenOffice flächendeckend in allen Freiburger Ämtern einführte, aufgehoben. Vermeintliche Probleme mit OpenOffice.org und ein zunächst geheimgehaltenes externes Gutachten brachten das Bürgermeisteramt dazu, die frühere Entscheidung kippen zu wollen. Dabei arbeitet das Amt mit allen zu Gebote stehenden Methoden, die demokratische Meinungsbildung zu erschweren: Das Gutachten wurde zunächst als Geheimnis deklariert, und die anstehende Abstimmung wurde mit einer Frist von nur einer Woche angesetzt.

Das genannte Gutachten stellte Kompatibilitätsprobleme im Datenaustausch mit MS Office und eine Reihe weiterer Probleme mit OpenOffice fest, die in Folge der sich zwischenzeitlich eingestellten Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern dazu geführt hätten, das OpenOffice häufig parallel mit der veralteten MS-Office-Version 2000 genutzt wurde, was zu erheblichen Mehrkosten in der IT-Abteilung geführt habe. Die in OpenOffice gesetzten Erwartungen seitens der Freiburger Verwaltung hätten sich nicht erfüllt und außer München und Jena habe bisher keine andere deutsche Gemeinde auf OpenOffice migriert. Letzteres sei nicht nur ein Anzeichen für eine stagnierende Weiterentwicklung der freien Office-Software, sondern weise auch darauf hin, dass sich eine aus Sicht von 2007 zu erwartende Bereitschaft anderer Gemeinden und öffentlicher Ämter zur Open-Source-Migration nicht bestätigt habe, was den Datenaustausch auf Basis des ODF-Formates auch in der Zukunft erschwert hätte.

Befürworter freier Software, darunter die Free Software Foundation Europe (FSFE) und die Open Source Business Alliance (OSBA), hatten die Beschlussvorlage stark kritisiert und den Gemeinderat aufgefordert, sie zu stoppen. Die Piratenpartei Freiburg, im Gemeinderat nicht vertreten, kritisiert das Ergebnis nun ebenfalls heftig und bezeichnete die für den Beschluss stimmenden Gemeinderatsmitglieder als ahnungslos. Sie liefert ferner einige Hintergrundinformationen. Demnach wird die Umstellung 600.000 Euro allein für Lizenzen kosten, die weiteren Kosten für die sicher erforderliche Schulung und zukünftige Upgrade-Kosten wurden »unter den Teppich gekehrt«.

Für die Piraten muss die Freiburger Verwaltung jetzt erklären, warum sie nicht schafft, »was kleinere Städte wie Isernhagen und größere Städte wie München erfolgreich umsetzen«. Die Verwaltung habe dem Ansehen freier Software und der Stadt Freiburg selbst geschadet. Nun entstehe der Eindruck, die eingesetzte freie Software sei nicht gleichwertig, was definitiv falsch sei.

Der Sachverständige, der das ominöse Gutachten erstellte, ist laut den Piraten Geschäftsführer und Gründer der Firma Excientes Management Consulting GmbH und außerdem Vorsitzender des Aufsichtsrates der Tricept AG, eines zertifizierten Microsoft-Partners, was Zweifel an der Unabhängigkeit des Gutachtens aufkommen lasse. Zweifel an der sachlichen Richtigkeit des Gutachtens hatte es schon vor der Abstimmung gegeben.

Der Server der Piraten war unter der Last, die das Interesse an der Meldung verursachte, zeitweise zusammengebrochen.

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