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Di, 26. Februar 2013, 09:48

Software::Kernel

UEFI Secure Boot: Schlüssel-Signierung vorerst nicht im Linux-Kernel

Linus Torvalds hat einen Patch des Red Hat-Entwicklers David Howells abgelehnt, der einem Kernel, der unter dem UEFI Secure Boot-Modus läuft, die Möglichkeit gibt, neue Schlüssel hinzuzufügen.

Larry Ewing

Red Hat und die Linux Foundation hatten in der Vergangenheit immer wieder betont, dass UEFI Secure Boot durchaus nützlich sei, auch wenn es einige Schwierigkeiten bereite, beispielsweise die, dass von Microsoft signierter Code der einzige ist, der die Chance hat, von allen Systemen ohne weitere Einstellungen akzeptiert zu werden, und das Verfahren, nach dem Microsoft solche Signaturen ausstellt, komplex ist.

Dass die maßgeblichen Kernel-Entwickler dies ganz anders sehen, wurde noch einmal klar, als David Howells von Red Hat einen Patch vorstellte, der einem Kernel, der unter dem UEFI Secure Boot-Modus läuft, die Möglichkeit gibt, neue Schlüssel hinzuzufügen. Wie Howells schreibt, darf in diesem Modus ein Schlüssel nur hinzugefügt werden, wenn er mit einem bereits bekannten signiert ist. Dies funktioniert bereits mit X.509-Zertifikaten, doch Microsoft signiert nur unter EFI ausführbare Dateien im PE-Format. Daher kamen die Entwickler auf die Idee, einen X.509-Schlüssel in einer PE-Datei unterzubringen und diese signieren zu lassen. Der Patch befasst sich größtenteils damit, den Schlüssel wieder aus der PE-Datei zu extrahieren.

Torvalds lehnte den Patch ab, solange er nicht ausgiebig diskutiert worden sei. Die Schnittstellen, die er erzeugt, seien dumm und übermäßig komplex, und das alles aus völlig schwachsinnigen Gründen. Auf den Einwurf von Matthew Garrett, dass es anders als mit PE-Dateien nicht zu machen sei, antwortete Torvalds: »Das ist hier kein Schwanzlutsch-Wettbewerb«. Torvalds akzeptiert auch Dinge, die ihn selbst nicht interessieren, so hat er auch grundsätzlich nichts gegen das Parsen von PE-Dateien. Nur könne das in einem normalen Anwenderprogramm durchgeführt werden und habe daher nichts im Kernel zu suchen. Im Kernel gebe es bereits X.509, und das sei der Standard für Signaturen.

Torvalds vertrat weiter die Ansicht, dass Red Hat sowieso die proprietären Treiber von AMD und Nvidia signieren werde, was alles mit dem Kernel nichts zu tun habe. Daraufhin stellte Peter Jones von Red Hat klar, dass Red Hat keine Signaturen durchführen werde.

In der weiteren Diskussion wurde klar, dass auch weitere Entwickler UEFI Secure Boot kritisch sehen. Theodore Ts'o bezeichnete das komplette System als geisteskrank. Andere sehen noch zahlreiche technische Probleme, beispielsweise bei der Frage, wie das Zurückziehen von Signaturen korrekt gehandhabt werden kann. Auch besteht noch keine Einigkeit darüber, wie strikt der Kernel den Secure Boot-Modus durchsetzen soll. Die Spannweite reicht dabei von Red Hats Ansicht, dass der Kernel keinerlei unsignierte Module nachladen dürfe, bis zu der Meinung, dass der Systemverwalter nach dem Booten des Kernels freie Hand haben solle. Die Ansicht von Red Hat, vertreten von Garrett, wird dabei von der Befürchtung getrieben, dass Microsoft die Signatur für den Bootloader zurückziehen könnte, sobald über diesen eine infizierte Version von Windows in Umlauf gelangt. Torvalds und andere sehen dies als unrealistisch an.

Die resultierende Diskussion, die von Greg Kroah-Hartman angestoßen wurde, resultierte in einem weiteren Ausbruch von Torvalds in Richtung Garrett: »Hör auf, darüber zu diskutieren, was MS will. Das ist uns egal. Wir kümmern uns um die Anwender. [...] Das einzige, was zählt, ist, was unsere Benutzer von uns wollen, und ihre Rechte zu schützen.«

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