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Fr, 31. Mai 2013, 10:03

Software::Distributionen::Ubuntu

Kommentar: Mark Shuttleworth schließt Ubuntu Bug #1

Am 20.8.2004, noch vor dem Erscheinen der ersten Ubuntu-Version, verfasste Mark Shuttleworth den ersten Fehlerbericht, den bekannten Ubuntu Bug #1. Heute, nach fast 9 Jahren, schloss er ihn. Zu Recht?

Mark Shuttleworth

Mirko Lindner

Mark Shuttleworth

Der als kritisch eingeordnete Fehler, den Bug #1 zu beheben gedacht war, war die Tatsache, dass Microsoft eine beherrschende Stellung im PC-Markt innehat. Der Canonical-Chef ist heute der Meinung, das treffe nicht mehr zu, und schloss den Fehler mit dem Status, es sei eine Korrektur vorhanden.

In der Fehlerbeschreibung zitierte Shuttleworth damals die Ubuntu-Philosophie: »Wir werden in unserer Arbeit angetrieben von der Überzeugung, dass Software frei und allen zugänglich sein sollte.« Dies traf für Microsofts Software nicht zu. Zum Nachvollziehen des Fehlers empfahl er, einen Computerladen zu betreten und zu versuchen, einen PC ohne proprietäre Software zu erwerben. Das Ergebnis sei, dass fast jeder PC mit einem Windows-Betriebssystem ausgeliefert werde. Wenn man vereinzelt auf einen PC mit Linux oder gänzlich ohne Betriebssystem stoße, so seien meist die Treiber und/oder das BIOS proprietär.

Was sollte nun Bug #1 genau bewirken? Shuttleworth meinte 2004 dazu: »Die Mehrheit der verkauften Rechner sollte nur freie Software enthalten.« Unbestritten hat Ubuntu neben zweifelhaften Errungenschaften auch eine Menge Positives in der Linux-Szene bewirkt. Dazu gehört, dass Canonical dafür gesorgt hat, dass mehr Rechner als jemals zuvor mit Ubuntu vorinstalliert über die (virtuellen) Ladentheken gehen. Deswegen aber gleich Bug #1 als erledigt zu erklären, erschließt sich daraus nicht. Schauen wir also einmal, was Mark Shuttleworth überzeugt hat, der Fehler sei erledigt, und was die vermeintliche Korrektur ist.

Heute, fast 2.000 Kommentare nach jener Fehlerbeschreibung im Jahr 2004 schließt der Ubuntu-Gründer den Fehler mit dem Tenor, das Angebot sei heute mit Smartphones, Tablets, bis hin zu Textilien mit eingebauter Hardware und weiteren neuen Geräten ein wesentlich anderes als 2004. Aus wettbewerblicher Sicht herrsche in diesem Markt, der unser digitales Leben bestimme, ein gesunder Konkurrenzkampf, in dem iOS und Android bedeutende Anteile haben. Somit gebe es Wettbewerb und eine breite Aufstellung für freie Software im PC-Markt. Damit sieht Shuttleworth eine Verschiebung zugunsten der Ziele von Ubuntu und der Open-Source-Szene insgesamt, die es anzuerkennen gelte. Somit könne Bug #1 geschlossen werden.

Bug #1

Ubuntu

Bug #1

Wenn wir also heute einen Computerladen betreten, finden wir dort überwiegend PCs mit freier Software oder ohne Betriebssystem? Mitnichten! Was will uns also Mark Shuttleworth mit dem Schließen dieses Fehlers, der für viele Ubuntu-Anwender auch ein Stück weit Anspruch und Richtlinie war, mitteilen? Ist der Stellenwert von PCs und Notebooks bereits so gering, dass es ausreicht, wenn der Markt viele bunte Smartphones und Tablets mit freier Software bietet? »Android to the rescue?« Das ist genauso verlogen, wie wenn andernorts die steigende Verbreitung von Android herangezogen wird, um die Prozentzahlen von Linux als Betriebssystem schönzureden.

Wenn Shuttleworth dann noch Microsoft lobt, dass sie Ubuntu und andere Distributionen an ihre Azure-Cloud anbinden, geht wohl der Realitätssinn etwas verloren. Es steht doch eher zu vermuten, dass Microsoft damit den Wünschen seiner Kunden nachkommt, die neben Windows auch Linux-Anbindung in zunehmendem Maß verlangen.

Abschließend bleibt nur zu bemerken, wäre der Autor Ubuntu-Anwender, würde er einen Fehler eröffnen, um Bug #1 wieder zu öffnen. Nicht, um ein Feindbild aufrecht zu erhalten, sondern um klar zu sagen: Wir sind noch lange nicht am Ziel von Bug #1 angekommen.

Hinweis: Der Inhalt dieses Kommentars gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.

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