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Di, 11. Juni 2013, 13:55

Software::Kernel

Kommentar: Über Mütter und tote Hamster

Die Entwicklung des Kernels macht müde oder die Welt geht vor die Hunde. Wie sonst soll man sich die Tatsache erklären, dass sogar Linus Torvalds, der nicht gerade durch seine diplomatischen Umgangsformen bekannt war, die Beschimpfungen ausgegangen sind. Ein Kommentar.

Torvalds' Meinung zu Nvidia

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Torvalds' Meinung zu Nvidia

Was würde Linus Torvalds tun? Zugegeben, eine Frage der eher leichteren Sorte für die Anhänger von freier Software und von Linux im Speziellen. Denn die Reaktionen von Torvalds waren in der Vergangenheit stets mit einem Hauch von Berechenbarkeit behaftet. Mal zeigte er den Mittelfinger. Das andere Mal polterte er über die orale Befriedigung von Microsoft. Zumindest aber musste ein unflätiger Vergleich her. Notfalls zu Nazis, wenn Tiere nicht zugegen waren.

Amüsiert klatschten dann die Medien in die Hände und freuten sich über den pöbelnden Entwickler, der zwar in seiner Leistung zu Genialität neigte, den Umgang mit anderen Menschen dann doch noch üben sollte. Denn wenn es um eine Sache ging, so war auf Torvalds stets Verlass: Seine Kontinuität. Er polterte, fluchte und beleidigte. Und das war auch gut so. Denn man war es schlicht nicht anders gewöhnt. Es gehörte dazu.

Nun aber passierte das Unvermeidliche, für manch einen gar das Unmögliche, denn Torvalds sind scheinbar die Beleidigungen ausgegangen. Der Ausgangspunkt dieser Geschichte ist die jüngste Version des Testkernels. Nachdem sich abzeichnete, dass der Umfang der Korrekturen der RC5 von Linux 3.10 den des Kernels 3.10 RC4 übertreffen würde, war eine gute Show eigentlich vorprogrammiert. Bedenkt man, dass die Freigabe eigentlich nur der Korrektur von Fehlern dienen sollte und sogenannte »Cleanups« eigentlich früheren Versionen vorbehalten waren, wäre es gar verständlich, wenn der Hauptentwickler von Linux einen verbalen Rundumschlag durchzieht.

Doch die Menge wartete vergebens. Statt eines gepflegten Rants kam lediglich eine Drohung, beim nächsten Mal die Entwickler, die Mütter der Entwickler oder vielleicht den verstorbenen Hamster beleidigen zu wollen. Öhm. Ja.

Zwar glucksten vereinzelte Seiten, doch zu einem Aufschrei, wie in der Vergangenheit, kam es nicht. Denn wer will eine Drohung sehen? Spätestens seit diverse Diktatoren periodisch wüste Drohungen in den Äther pusten, wissen Interessierte, dass sich solch eine Strategie mittelfristig abnutzt. Ihr Potenzial dauert höchstens wenige Wochen an, bis die Wirkung zu verschwinden beginnt.

Und nun? Man darf sich durchaus die berechtigte Frage stellen, ob Torvalds noch der Entwicklung des Kernels gewachsen ist. Seine Schwäche könnte zugleich als Schwäche von Linux ausgelegt werden – und das, noch bevor das freie Betriebssystem den Durchbruch auf dem Desktop schaffte. So kurz davor. Bleibt also zu hoffen, dass die Torvaldische Nachsicht bei Abtrünnigen, Ketzern und Andersdenkenden lediglich eine Episode in der sonst makellosen Bilanz des Entwicklers darstellt und er sich wieder auf seine Kernkompetenz besinnt.

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