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Mi, 19. Juni 2013, 12:16

Software::Datenbanken

Oracle ändert Lizenz der MySQL-Dokumentation (Update)

Ohne eine Ankündigung hat Oracle, Eigentümer des freien RDBMS MySQL, die Lizenzierung der Man-Pages geändert. Fortan stehen die Dokumente nicht mehr unter den Bedingungen der GNU GPL, sondern dürfen nur noch eingeschränkt vertrieben werden.

oracle.com

Nachdem Oracle in der Vergangenheit zusehends die Gemeinschaft rund um das freie relationale Datenbankverwaltungssystem MySQL ausschloss und beispielsweise keine Tests, die die Beseitigung von Fehlern überprüfen, mehr veröffentlicht, ändert das Unternehmen nun auch die Bedingungen, unter denen Teile des Systems vertrieben werden dürfen. So berichtet Colin Charles im Blog von MariaDB, dass Oracle mit der Freigabe von MySQL 5.5.31 die Verbreitung des Systems indirekt diversen Restriktionen unterwarf.

Konkret handelt es sich bei den Änderungen, die im Übrigen weder öffentlich diskutiert noch in den Veröffentlichungshinweisen erwähnt werden, um eine Relizenzierung der Man-Pages von MySQL. Standen diese noch bis zur Version 5.5.30 unter den Bedingungen der GNU General Public License, so hat Oracle sie nun unter eine eigene, proprietäre Lizenz gestellt. Explizit erwähnt Oracle dabei, dass die Dokumentation nicht mehr unter der GPL steht und dementsprechend auch nicht unter den Bedingungen der Lizenz vertrieben werden darf. Betroffen von der Änderung sind alle neuen Versionen von MySQL, einschließlich des aktuell stabilen Zweigs 5.6.12.

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Im Vorfeld der Übernahme von Sun durch Oracle stellte MySQL den mit Abstand am heftigsten umstrittenen Punkt dar. Kritiker befürchteten vor allem, dass die Übernahme den Wettbewerb im Datenbank-Segment massiv einschränken würde. Als Grund sahen sie den Druck von MySQL auf den Datenbankgiganten im unteren Preissegment. Vor allem in diesem Bereich verfügte das freie MySQL-System über eine Dominanz, die Oracle schwer zu schaffen mache und einen direkten Einfluss auf die Preise im oberen Segment habe. Knapp vier Jahre nach dem Wechsel des Eigentümers sehen sich viele Kritiker bestätigt.

Inwieweit nun die Änderung der Dokumentation, die ein fester Bestandteil des Server-Pakets ist, sich auch auf die Distribution des Servers auswirkt, muss zweifelsohne noch geklärt werden. Es ist allerdings durchaus vorstellbar, dass eine Kollision zwischen der Oracle-Lizenz und freien Lizenzen kommen kann. Sollte sich allerdings der bisherige Trend verfestigen, so könnte sich die Problematik, ähnlich der Xfree86-Geschichte, von alleine lösen. Denn die meisten wichtigen Linux-Distributionen haben mittlerweile dem RDBMS den Rücken gekehrt und sich einem der zahlreichen Forks angeschlossen. So kündigte zuletzt Red Hat an, in der kommenden Version der Unternehmensdistribution nicht mehr MySQL, sondern MariaDB unterstützen zu wollen.

Update (21.06.2013): Wie Tomas Ulin schreibt, wurde die Umstellung der Lizenz durch einen Fehler im Build-System verursacht. Die Manpages stehen laut Ulin ab sofort wieder unter den Bedingungen der GNU General Public License. Ein entsprechender Bug, der nach der Veröffentlichung des Beitrags erstellt wurde, ist aktualisiert worden.

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