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Do, 29. August 2013, 16:52

Software::Grafik

Standards für farbige Schriften erscheinen

Das Erstellen von Dokumenten mit mehrfarbigen Zeichen war bisher nur auf Umwegen möglich, da Schriften nur in einer einfarbigen Darstellung vorliegen. Erweiterungen des OpenType-Standards, eine von Microsoft und eine von Adobe und Mozilla, sollen bald mehrfarbige Zeichen ermöglichen.

Zeichen, die mehr als nur eine Farbe enthalten, sind im Grafik-Design zwar gängig, erfordern aber Software, mit der man diese Zeichen mehr oder weniger aufwendig selbst definiert. Grafik-Designer wünschen sich daher Schriften, die bereits mehrere Farben enthalten. Bisher existiert aber noch kein Standardformat, um solche Schriften zu definieren.

Die Notwendigkeit, eine Lösung zu finden, wurde durch die wachsende Beliebtheit von Emoji verstärkt. Diese Ideogramme, verwandt mit Smileys, aber wesentlich vielfältiger, sind besonders in Japan populär und können mehrere Farben enthalten. Sie können prinzipiell als kleine Bilder dargestellt werden, doch spätestens seit ihrer Aufnahme in Unicode 6.0 besteht der dringende Wunsch, sie als Zeichen zu behandeln.

Apple unterstützt farbige Emoji seit iOS 6, und Microsoft will sie in Windows 8.1 ebenfalls unterstützen. Während Apple eine proprietäre Lösung verwendet, hat Microsoft seine Lösung als Erweiterung des ISO-Standards OpenType (ISO/IEC 14496-22) implementiert. Sie wurde dem zuständigen ISO-Gremium als Standardisierungsvorschlag vorgelegt. Die Implementierung nutzt die Möglichkeit, OpenType um neue Tags zu erweitern, ist also nur eine von bereits vielen vorhandenen OpenType-Erweiterungen.

Das erste Tag dieser Erweiterung, colr (es gibt wohl eine Konvention, maximal vier Buchstaben für den Tag zu verwenden), definiert zu einem Zeichen eine Liste von weiteren Zeichen, die in bestimmter Reihenfolge über das ursprüngliche Zeichen gezeichnet werden und jeweils eine bestimmte Farbe besitzen, ausgedrückt durch einen Index in eine Farbpalette. Das zweite Tag, cpal, ist die Farbpalette, deren Farben in RGBA-Werten ausgedrückt werden. Es sind mehrere Paletten in einer Schrift möglich. Der Vorteil der Lösung ist, dass sie bereits in Kürze, unabhängig von der Standardisierung, viele Benutzer erreichen wird, Nachteile sind ihre beschränkte Funktionalität und der Implementierungsaufwand, da sie nicht auf Bestehendes aufsetzt.

Ein alternativer Vorschlag kommt von einer W3C-Arbeitsgruppe, hauptsächlich von Adobe und Mozilla. Beide hatten ursprünglich unterschiedliche Vorschläge gemacht, diese jedoch im Juli vereinigt. Auch dieser Vorschlag definiert eine Erweiterung von OpenType, diese aber soll eine Tabelle von SVG-Objekten zu einer Schrift hinzufügen. SVG ist ein umfassendes Vektorgrafik-Format, das auf einer XML-Syntax aufbaut. Somit fällt nur wenig Implementierungsaufwand an, da die ohnehin vorhandene SVG-Bibliothek genutzt werden kann. Es sind außerdem mehr Funktionen möglich, beispielsweise Farbverläufe oder gar Animationen. Für die Verwendung in OpenType würde allerdings nur eine Untermenge von SVG spezifiziert, die bei Bedarf später vielleicht noch erweitert werden könnte.

OpenType mit SVG lässt sich bereits testen: Der Mozilla-Entwickler Robert O'Callahan hat diese Funktion in seinen eigenen Zweig von Firefox eingebaut und stellt eine Webanwendung zur Verfügung, die SVG-Unterstützung zu vorhandenen OpenType-Dateien hinzufügt. Testversionen von Firefox im Nightly Build sollen die OpenType-Erweiterung schon seit einem Jahr unterstützen, was allerdings manuell eingeschaltet werden muss. Auch der Entwurf von Adobe und Mozilla soll ISO-Standard werden, und es ist laut O'Callahan wahrscheinlich, dass beide letztlich zum OpenType-Standard hinzugefügt werden.

Die erwähnte Implementation von Apple, die in iOS 6 und auch Mac OS X vorliegt, wurde inzwischen von FreeType nachgebaut. Sie nutzt, wie auch eine Google-Implementierung, ebenfalls das OpenType-Format, fügt diesem aber Bitmaps hinzu. Diese sind naturgemäß nicht so gut skalierbar wie Vektorformate, erfüllen aber ihren Zweck in einfachen Anwendungen.

Weitere Einzelheiten sind in einem Artikel auf LWN, der ab dem 5. September allgemein zugänglich sein wird, nachzulesen.

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