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Di, 29. Oktober 2013, 10:03

Software::Distributionen::Debian

Debian ruft seinen Technischen Ausschuss zur Klärung über das künftige Init-System an

Die Debian-Entwicklergemeinschaft ist sich uneins, welches Init-System zukünftig Debian starten soll. Jetzt soll der Technische Ausschuss entscheiden, ob künftig Systemd, Upstart, OpenRC oder, wie bisher, Sysvinit verwendet werden soll.

Software in the Public Interest (SPI)

Im Verlauf der letzten Woche wurde auf der Debian-Entwickler-Mailingliste heftig über das Init-System für die nächste Veröffentlichung »Jessie« und darüber hinaus gestritten. Ausgelöst wurde die Diskussion von der Anfrage eines Anwenders, ob die Abhängigkeit von Gnome von Systemd irgendwelche Gefahren birgt, ohne dass Systemd effektiv als Init-System aktiviert ist. Er beginnt seinen Beitrag in der Hoffnung, dies werde nicht in einen »Flame War« enden, was natürlich prompt doch geschah.

Der Hintergrund ist, dass in Debian Sid seit kurzem das Paket gnome-settings-daemon von Systemd abhängt. Während es in Debian noch keine Entscheidung zu einem zukünftigen Init-System gibt, würde Gnome für Jessie Systemd als aktiven Init-Daemon voraussetzen. Dazu hat der Anwender ebenfalls einen Fehlerbericht erstellt, dessen bisherige Antworten klar machen, dass Gnome auch weiterhin auf Systemd setzen wird, ohne Rücksicht auf Debian.

Aus dieser Anfrage auf der Mailingliste wurden über das Wochenende mehrere Stränge mit hunderten teils hitziger Einträge, die wegen der schieren Menge kaum noch überschaubar waren. Ein Seitenstrang regte an, die Gnome-Abhängigkeit zu entschärfen, indem man Systemd aufteilt. Ein weiterer Nebenschauplatz war die Idee, Gnome als Standard-Desktop von Xfce ablösen zu lassen, gefolgt von der Frage, warum es überhaupt einen Standard gibt, anstatt dem Anwender bei der Installation die Wahl freizustellen.

Am Wochenende wurde dann klar, dass dieses Problem eine umfassende technische Herausforderung darstellt, die Debian spaltet, und die über eine derart erhitzte Diskussion nicht zu lösen ist. Für solche Fälle hat Debian mehrere Regularien, wovon zwei auf der Liste vorgeschlagen wurden. Zuerst kam der Wunsch auf, das Problem per Wahl (GR, General Resolution) unter den Entwicklern entscheiden zu lassen. Zur Wahl stünden Sysvinit als Status quo, Systemd, Upstart und OpenRC. Hinzu käme die Frage, ob ein oder mehrere Init-Systeme unterstützt werden sollen oder nur eins, darüber hinaus müsste geklärt werden, ob eine eventuelle Änderung bereits mit Jessie umgesetzt werden soll. Da dies aber ein rein technisches Problem ist, hat sich im Endeffekt die Idee durchgesetzt, Debians Technischen Ausschuss entscheiden zu lassen.

Die Fragestellung, über die der als tech ctte firmierende Ausschuss zu entscheiden hat, hat weitreichende Auswirkungen. Sysvinit wird in jedem Fall abgelöst, die Frage ist nur, wann. OpenRC, das kein eigener Init-Dämon ist, sondern eher eine Erweiterung von Sysvinit, dürfte keine Chance haben, zum jetzigen Zeitpunkt als Standard zu fungieren. Upstart hat das Problem, eine Insellösung von Canonical zu sein, ist aber als Paket in Debian vorhanden. Systemd funktioniert derzeit nur unter Linux, was sich auch von Seiten der bei Red Hat beschäftigten Entwickler nicht ändern wird. Damit wären die von Debian veröffentlichten Architekturen kFreeBSD und Hurd außen vor. Systemd bietet allerdings auch die Möglichkeit, mit den bisherigen Init-Skripten arbeiten zu können, was eine Lösung für diese Architekturen bieten könnte.

Die aufgeworfene Forderung, Debian solle wahlfrei mehrere Init-Systeme unterstützen, wurde von Maintainern nicht trivialer Init-Skripte wie etwa bei Apache, kategorisch abgelehnt, da es zeitlich nicht machbar sei, mehrere Versionen dieser Skripte zu pflegen. Technisch gesehen bietet Systemd die meisten Vorteile, jedoch gibt es in Debian die Meinung, Gnome unterstütze Red Hat mit Systemd dabei, gegen Canonicals Upstart Stellung zu beziehen, und Debian sei nur Spielball in diesem Prozess.

Somit ist nach dem Verlauf der Diskussion der Technische Ausschuss die richtige Instanz, zu entscheiden, welches Init-System in Zukunft bei Debian eingesetzt wird. Dabei wird bestimmt auch die Umfrage unter Entwicklern und Anwendern zu Systemd, die im Mai durchgeführt wurde, Beachtung finden.

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Kommentare (Insgesamt: 120 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[3]: Alles andere als systemd wäre eine politische Entscheidung (Arne Babenhauserheide, Do, 21. November 2013)
Re: Alles andere als systemd wäre eine *strategische* Entscheidung (Arne Babenhauserheide, Do, 21. November 2013)
OpenRC keine Chance? (Arne Babenhauserheide, Do, 21. November 2013)
Re[5]: Was haben nur alle gegen Systemd? (Arne Babenhauserheide, Do, 21. November 2013)
Re: Insellösung ... (blubb, Fr, 8. November 2013)
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