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Do, 28. November 2013, 08:15

Software::Büro

LibreOffice: Entwicklung eines Forks unter wissenschaftlicher Betrachtung

Zwei schwedische Wissenschaftler haben eine Arbeit im Journal of Systems and Software veröffentlicht, die sich mit der Entwicklung von LibreOffice nach der Abspaltung von OpenOffice.org beschäftigt. Es ist nach ihrer Ansicht die erste Arbeit, die dies genau untersucht.

Anzahl der monatlichen Commits für OpenOffice.org (schwarz), LibreOffice (dunkelgrau) und Apache OpenOffice (hellgrau)

Jonas Gamalielsson und Björn Lundell

Anzahl der monatlichen Commits für OpenOffice.org (schwarz), LibreOffice (dunkelgrau) und Apache OpenOffice (hellgrau)

Die Schweden Jonas Gamalielsson und Björn Lundell untersuchen in ihrer Arbeit, wie dauerhaft Open-Source-Software nach einem Fork ist. Diese Untersuchung nahmen sie am Beispiel LibreOffice vor, wofür sie einige Beitragende in der LibreOffice-Gemeinschaft direkt befragten. Bisher wurde nach ihren Angaben keine vergleichbare Studie veröffentlicht, so dass die Arbeit zu neuen Erkenntnissen führen soll. Die Arbeit mit dem genauen Titel »Sustainability of Open Source software communities beyond a fork: How and why has the LibreOffice project evolved?« ist im Journal of Systems and Software erschienen und online im HTML- und PDF-Format bei ScienceDirect kostenlos lesbar.

Die Dauerhaftigkeit eines Projektes, so schreiben die Autoren, ist nicht nur für die Anwender, die die Software jahrzehntelang einsetzen, sondern auch für die Gemeinschaften des Projektes selbst von entscheidender Bedeutung. Daher untersuchen sie, wie es um diese Dauerhaftigkeit nach einem Fork bestellt ist. Als Beispiel wählten sie LibreOffice nach seiner Abspaltung von OpenOffice.org.

Die Entwicklung über die Zeit lässt sich anhand der monatlichen Commits ins Quellcode-Repositorium betrachten. Bei OpenOffice.org (OOo) lag diese Zahl bis Mitte 2008 sehr hoch, um dann mit der Freigabe von OOo 3.0 drastisch abzufallen. LibreOffice (LO) war von Anfang an das wesentlich aktivere Projekt, seine Entwicklung ähnelt der von OOo zwischen September 2000 und Oktober 2002. LO lag stets um ein Mehrfaches über OOo und dessen Nachfolger seit Mitte 2011, Apache OpenOffice (AOO). Ganz anders sah die Anzahl der Beitragenden aus. Von Anfang 2003 bis Anfang 2009 wurde die hohe Zahl von Beiträgen von nur 10-20 Beitragenden geleistet, mit abnehmender Tendenz. Außerhalb dieser Zeit erscheint ihre Zahl weitgehend proportional zur Anzahl der Beiträge.

Die Autoren untersuchten auch, welche Entwickler zu mehr als einem der drei Projekte beigetragen haben. Ihre Zahlen lassen darauf schließen, dass AOO alle ursprünglichen Entwickler bis auf einen verloren hat. Die meisten Entwickler, insbesondere die aktivsten, sind zu LO abgewandert. LO konnte außerdem bei weitem die meisten neuen Entwickler gewinnen, allerdings traten viele auch nach dem Beitragen von wenigen Änderungen nicht mehr in Erscheinung. Ein Abwärtstrend ist bei LO jedoch nicht zu entdecken, bei AOO dagegen schon.

Desweiteren haben die Autoren die Erfahrungen von Mitgliedern der LO-Gemeinschaft analysiert. Dazu führten sie persönliche Interviews mit vorbereiteten Fragen mit 12 ausgewählten aktiven Entwicklern durch. Die Befragten sollten dabei ihr Verhältnis zu LO angeben. Dabei wurden viele verschiedene Angaben gemacht, aber die Copyleft-Lizenz wurde generell als wichtig angesehen. Auch der Spaß spielt eine Rolle, für viele passt aber die Arbeit an LO zu ihrer regulären Arbeit, oder sie werden sogar dafür bezahlt oder leisten kommerziellen Support für LO-Anwender. Die Zukunft von LO wird von fast allen sehr optimistisch gesehen.

Die Autoren finden in ihrer Analyse, dass OOo und LO über zehn Jahre lang stabile Veröffentlichungen und bedeutende Aktivitäten aufzuweisen haben. Anzeichen eines Verfalls sind nicht zu erkennen. Sowohl in LO als auch ein AOO gibt es einen relativ kleinen Kern von Entwicklern, der den überwältigenden Teil der Arbeit leistet. Diese bleiben meist für viele Jahre bei dem Projekt.

Der bisherige Erfolg von LO scheint auch damit zu tun zu haben, dass es Neueinsteigern leicht gemacht wird. Viele Mentoren stehen bereit, um bei Fragen weiterzuhelfen. Dies ist bei weitem nicht bei allen Projekten der Fall. Die von den Entwicklern angegebenen Gründe für die Mitarbeit entsprechen weitgehend denen, die bereits in früheren Studien ermittelt wurden.

Autoren der Studie halten LO für einen erfolgreichen Fork, angesichts der bisher untersuchten 33 Monate sei aber noch keine endgültige Aussage möglich und man müsse die Projekte in einigen Jahren noch einmal untersuchen. Mit entscheidend für die Langlebigkeit eines Projektes sei die Art und Weise, wie es geführt wird, somit war die Gründung der Document Foundation wohl ein sehr wichtiger Schritt. Auch die Lizenz war offenbar wichtig, da die Beitragenden fast alle eine abgeschwächte Copyleft-Lizenz bevorzugen und eine permissive Lizenz wie die Apache-Lizenz eher ablehnen. Open-Source-Gemeinschaften sind langlebiger als Open-Source-Projekte. Das bedeutet, wenn, wie im Fall LO, ein Projekt vor unüberwindlichen Hürden zu stehen scheint, kann ein Fork entstehen, zu dem fast die gesamte Gemeinschaft wechselt. Frühere Studien kamen zu dem Schluss, dass die meisten Forks keinen Bestand haben. Es gibt aber auch Gegenbeispiele wie das seit 18 Jahren entwickelte OpenBSD. Auch LO wird mit ziemlicher Sicherheit von Dauer sein.

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