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Do, 2. Januar 2014, 16:03

Software::Distributionen::Debian

Debatte um das Init-System bei Debian 8 hält an

Der Bugreport mit der Nummer #727708, der den technischen Ausschuss Debians auffordert, zu entscheiden, welches Init-System Debian 8 haben soll, wird immer noch ausgiebig und kontrovers diskutiert.

Software in the Public Interest (SPI)

Bereits im Oktober des vergangenen Jahres hatte es umfängliche und erhitzte Debatten über den künftig zu verwendenden Init-Daemon gegeben. Da die Diskussionen mit der Zeit immer unsachlicher wurden, ohne einer Lösung näher zu kommen, wurde Ende Oktober der Technische Ausschuss (debian-ctte) eingeschaltet, der in solch verfahrenen Situationen eine technisch basierte Entscheidung fällen soll.

Der Ausschuss wird angerufen, indem jemand eine Fehlermeldung eröffnet, in diesem Fall ist dies #727708. Der Thread hat in etwas über zwei Monaten rund 2.000 Einträge angesammelt. Über die Jahreswende haben nun zumindest zwei der insgesamt acht Mitglieder des Ausschusses in ausführlichen Erklärungen ihre Präferenzen dargelegt. Bei einigen anderen kann man begründete Vermutungen anstellen, wohin sie tendieren.

Zur Wahl stehen neben dem derzeit von Debian genutzten SysV Init das hauptsächlich bei Red Hat entwickelte Systemd, Canonicals Alleingang Upstart sowie das bei Gentoo entwickelte OpenRC. Chancen werden lediglich Systemd und Upstart eingeräumt. Ein Verbleiben bei SysV Init ist unwahrscheinlich, OpenRC kann technisch und innovativ nicht mit Upstart oder Systemd mithalten. Immer mehr Linux-Distributionen wenden sich Systemd zu, während Upstart derzeit ausschließlich von Canonical verwendet wird, nachdem Red Hat es bei RHEL 6 und Fedora 9 einsetzte, für RHEL 7 aber auf Systemd setzt.

Die beiden Ausschussmitglieder, die ihre Meinung bereits kundtaten, sind der ehemalige Canonical-Angestellte Ian Jackson sowie Russ Allbery. Während Jackson Upstart favorisiert, spricht sich Allbery klar für Systemd aus. Zwei weitere Mitglieder, Colin Watson und Steve Langasek, beide bei Canonical angestellt, werden vermutlich nur Upstart unterstützen. Die weiteren Mitglieder sind Don Armstrong, Andreas Barth und der frisch ins Komitee gewählte Keith Packard sowie der Vorsitzende Bdale Garbee. Bei diesen kann man lediglich aus den Äußerungen von Andreas Barth vermuten, dass er zu Systemd tendiert. Garbee hatte in der Vergangenheit Systemd wegen seiner konzeptionellen Beschränkung auf Linux kritisiert. Im Falle einer Patt-Situation entscheidet der Vorsitzende.

Naturgemäß fällt diese Entscheidung für Debian nicht leicht, denn beide Init-Systeme haben neben ihren Vorteilen auch jeweils zumindest einen gravierenden Nachteil. Systemd ist derzeit nur auf Linux-Systemen einsetzbar und somit für die Debian-Architekturen kFreeBSD und Hurd nicht verfügbar, da deren Kernel keine cgoups unterstützen. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Systemd bei aller technischen Überlegenheit das alte Unix-Prinzip des »one tool for the job« völlig außer Acht läßt und außer dem Systemstart mit Journal und Logind weitere Systemverwaltungsaufgaben übernimmt. Upstart ist bei Debian in der Kritik, da es derzeit unter Linux lediglich von Canonical eingesetzt wird.

Allzuviel Zeit sollte sich der Ausschuss mit seiner Entscheidung nicht lassen, falls diese für Debian 8 »Jessie« relevant sein soll, denn das Einfrieren der Paketbasis für die Veröffentlichung von Jessie begint bereits am 5. November.

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