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Mi, 22. Januar 2014, 23:17

Gesellschaft::Politik/Recht

Debatte über »Contributor License Agreements«

Die Entscheidungsfindung über ein neues Init-System bei Debian hat jetzt eine distributionsübergreifende Diskussion über Contributor License Agreements (CLA) entfacht.

Der Aufhänger ist in diesem Fall Canonicals CLA, der unter anderem auch Upstart, einer der Kandidaten für Debians nächstes Init-System, unterliegt. Der Tenor der Debatte geht dahin, dass Systemd möglicherweise nie entstanden wäre, wenn Code-Beiträge zu Upstart nicht das Unterschreiben der Canonical CLA erforderlich machten. Kay Sievers als einer der Entwickler von Systemd bestätigt, dass vor vier Jahren Gespräche mit Canonicals Anwälten stattgefunden haben, es habe aber keinerlei Spielraum für Verhandlungen gegeben.

Jetzt bringt sich auch Matthew Garrett, der Canonicals CLA bereits im Zusammenhang mit dem Display Manager Mir gerügt hatte, mit einem Blogeintrag zum Thema unter der Überschrift »Not All CLAs Are Equal« in die Debatte ein. Er definiert CLAs im Normalfall als ein Instrument, das die Bedingungen regelt, unter denen geistiges Eigentum zu einem Unternehmen oder Projekt beigetragen wird, wenn diese Bedingungen die in der Lizenz bereits definierten Rechte und Pflichten überschreiten. Er beschreibt, dass CLAs im Bereich freier Software weder neu noch selten anzutreffen sind. Bereits seit mindestens 1985 schreibt die FSF den Projekten unter ihrem Dach in den Bestimmungen vor, das Urheberrecht an die FSF abzutreten. Dafür haben die Projekte die Garantie, dass die Software immer unter einer Copyleft-Lizenz vertrieben wird.

Seit über zehn Jahren verlangt die Apache Software Foundation (ASF) von assoziierten Projekten und Entwicklern die Zustimmung zu einer CLA, die zwar das Copyright beim Entwickler belässt, der ASF allerdings das Recht einräumt, die Software nach Belieben zu relizenzieren. Da die Apache Lizenz, die, wie die BSD-Lizenzen auch, keine Copyleft-Lizenz ist, dies aber ausdrücklich erlaubt, gibt es wenig Grund für Beanstandungen.

Bereits 2011 trat Simon Phipps Mark Shuttleworths Aussagen aus einem Interview entgegen, der die Ansicht vertrat, CLAs seien eine Voraussetzung für Open-Source-Wachstum und wer sie verweigere, behindere kommerziellen Erfolg.

Viele der Firmen und Projekte aus dem Bereich Open Source, die eine CLA einsetzen, unterliegen Apache- oder BSD-Lizenzen, da diese in der Hinsicht auf Doppellizenzierung freizügiger sind als die GPL. Dazu zählen auch Projekte wie Django, Eclipse, JBoss und Openstack. Es gibt aber auch Beispiele für die Verwendung von CLAs bei Projekten, die Lizenzen der GPL-Familie verwenden, wie etwa Joomla, Bacula und Diaspora. Diese versprechen, Code nur innerhalb der GPL-Familie zu lizenzieren. Bekanntestes Beispiel hier ist Qt, das mindestens seit dem Verkauf durch Trolltech einer CLA unterliegt. Dies war unabdingbar, um eine rechtlich fundierte Grundlage sowohl für die bisherigen Lizenznehmer als auch für neu Beitragende zu schaffen. Hierin ist allerdings geregelt, dass, sollte Digia als jetziger Besitzer den Code zu Qt nicht mehr frei verteilen, der KDE e.V, berechtigt ist, den Code bis zu diesem Stand zu forken. Diese Beispiele erlauben beiden Seiten, abgeleitete Werke einer proprietären Lizenz zu unterstellen (ASF, BSD) oder untersagen dies beiden Parteien (GPL-Familie).

Somit unterscheiden sich die meisten CLAs, die im Bereich freier Software existieren, von Canonicals Lizenzvereinbarung, die in dieser Hinsicht ein Ungleichgewicht schafft. Canonical liefert Software unter Lizenzen der GPLv3-Familie (GPL, AGPL und LGPL) aus, verlangt aber von Beitragenden die schriftliche Zustimmung, die Canonical eine Relizenzierung unter einer proprietären Lizenz erlaubt. Dabei wäre es kein Problem für Canonical, dieses Ungleichgewicht zu beseitigen. Das Harmony Project, das Canonicals CLA zugrunde liegt, hält dafür bereits einen Passus bereit. Wie Garrett schreibt, hätte Canonical in den Bestimmungen unter Sektion 2.1(d) lediglich Option 1 anstatt Option 5 wählen müssen.

Die Diskussion wird auf Google+ mit Wortmeldungen von KDE-Entwickler Martin Gräßlin, den Kernel-Gurus Greg Kroah-Hartman und Linus Torvalds und Red Hats Jan Wildeboer fortgesetzt. Debian hat im Positionspapier zur Entscheidungsfindung für das Technische Komitee zu Upstart klargestellt, was Upstarts Position bei Debian schwächt: Als einziger Kontrapunkt ist hier die CLA aufgeführt. Auch auf Debians Entwicklerliste lässt Debian-Entwickler und Komitee-Mitglied Don Armstrong keinen Zweifel, was er von Canonicals Regelwerk hält. Debian-Urgestein Ian Jackson, der selbst einmal Canonical-angestellter war, sieht dagegen die CLA nicht als Hinderungsgrund für Debian, wie er Intels Keith Packard erläutert. Nach einem Fork würde nach seiner Meinung die maßgebliche Entwicklung von Upstart künftig bei Debian stattfinden. Er sieht auch kein Problem darin, dass das Debian defacto zum Upstream für Upstart machen würde.

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