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Di, 20. Mai 2014, 13:22

Software::Systemverwaltung

Tux3-Dateisystem will in den Standard-Kernel

Die Entwickler des freien Tux3-Dateisystems haben eine Anfrage an die LKML geschickt und um eine Aufnahme in den Kernel gebeten. Es darf allerdings angezweifelt werden, ob ihr stattgegeben wird. Denn das System scheint noch nicht komplett zu sein.

Larry Ewing

Seit der Ankündigung von Tux3 im Juli 2008 durch Daniel Phillips hat sich viel um Tux3 getan. Tux3 hat ebenso wie das bereits fertiggestellte Btrfs das Ziel, die vorhandenen Dateisysteme, die teilweise an ihre Grenzen kommen, abzulösen. Es will sich von anderen Dateisystemen durch die Datenversionierung, die platzsparend arbeiten soll, abheben. Es soll eine effizientere Verwaltung von Snapshots und Replikationsmethoden für das Zumastor NAS-Projekt bieten. Ein weiteres Ziel von Tux3 ist es, alle Features von Suns ZFS zu bieten und dabei bei jeder Operation gleich schnell oder schneller zu sein. Während ZFS aber schon aus Lizenzgründen nicht unter Linux nutzbar ist und sich dem Vorwurf stellen muss, die Trennung der Ebenen von Volume Manager und Dateisystem massiv zu verletzen, soll sich Tux3 ganz auf die Dateisystemfunktionen konzentrieren und sauber in Linux integrieren.

Schon kurz nach der ersten Verfügbarkeit von Code wurde Tux von Conrad Meyer und Tero Roponen auf FUSE portiert, womit das Dateisystem als normale Anwendung laufen kann und eine einfachere Fehlersuche und Verbesserung möglich ist. Mitte November 2008 begann Hirofumi Ogawa mit der Implementierung von Tux3 im Linux-Kernel, und zwei Wochen darauf konnte er bereits Erfolg vermelden. Der Code für den Kernel und der für FUSE besitzen eine gemeinsame Basis.

Doch in den Kernel hielt das neue Dateisystem nie Einzug. Su musste beispielsweise die Block-Allokation überarbeitet werden, um Fragmentierung zu vermeiden. Ein Filesystem-Check (fsck) war ebenfalls noch nicht fertiggestellt, genauso wie die Features Block-Migration, Defragmentierung und das Verhindern doppelter Datenhaltung. Noch vor einem Jahr vermittelte das Team das Gefühl, dass noch viel Arbeit von den Entwicklern erledigt werden muss.

Doch nun soll Tux3 in den Kernel aufgenommen werden. Wie Phillips in einer Email an die LKML (Linux Kernel-Mailingliste) schreibt, sei es ihm nun daran gelegen, dass andere Entwickler sich den Code anschauen und über eine Aufnahme entscheiden. Er selbst betont zwar, dass Tux3 noch keinesfalls den Status eines stabilen Systems erreicht habe, doch wolle man, ähnlich Btrfs, das System im Kernel weiter ausbauen.

Dave Chinner, einer der Entwickler von XFS, hat sich den Code von Tux3 nun angeschaut und sein Fazit fällt verheerend aus. Bereits seine Einleitung lässt nichts Gutes erahnen. So schreibt er, dass es sich bei seiner E-Mail keinesfalls um ein Review, sondern um eine Warnung handelt, damit andere Entwickler ihre Zeit nicht mit einer Analyse der Quellen verschwenden.

Bereits die Struktur der Quellen lässt nichts Gutes hoffen, so Chinner. So verfüge das System über eine Vielzahl an »totem Code«, der entweder auskommentiert ist oder einfach nicht benötigt wird. Wer sich in der Entwicklung des Kernels bewegt, wird bereits hier schon erahnen, dass damit die Aufnahme der Quellen faktisch ausgeschlossen ist. Doch auch funktionell und technisch hält Chinner das System für nicht gelungen. So fehlen Tux3 immer noch diverse Kernfunktionen. »Es sieht für mich aus, als wenn Tux3 da steht, wo Btrfs vor 5-6 Jahren gestanden ist«, so Chinner. Die Kernidee ist zwar da, aber der Weg muss noch beschritten werden.

In Anbetracht der Kritik von Chinner darf angezweifelt werden, ob Tux3 eine Chance hat, momentan in den Kernel aufgenommen zu werden. Phillips selbst hat zu der Kritik noch keine Stellung bezogen.

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