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Mo, 14. Juli 2014, 12:14

Software::Multimedia

Zukunft von Ardour als unabhängiges Projekt gefährdet

Ardour ist eine Software für die Bearbeitung und das Abmischen von Audioaufzeichnungen, die sich vor kommerziellen Produkten wie Pro Tools von Avid nicht zu verstecken braucht. Trotzdem kämpft Haupt-Entwickler Paul Davis seit Jahren ums finanzielle Überleben.

Editieren von Audio

ardour.org

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Paul Davis hat in einem Blogeintrag kürzlich erklärt, er werde vermutlich das Angebot eines Unternehmens annehmen müssen, das Produkte auf der Basis von Ardour entwickeln möchte. Das würde zwar nicht bedeuten, dass die Arbeit an Ardour stillsteht, die weitere Entwicklung werde aber zwangsläufig nicht gänzlich frei von den Interessen seines künftigen Arbeitgebers sein.

Ardour wird seit dem Jahr 2000 entwickelt und erhielt im Verlauf dieser Zeit Unterstützung von Firmen sowie aus der Gemeinschaft. Dies reichte aber nicht aus, um Davis eine Vollzeitentwicklung auf gesicherter Basis zu ermöglichen. In den ersten fünf Jahren nahm Davis nach eigenen Angaben auf diese Art insgesamt lediglich 6.000 US-Dollar ein. Die bis dahin genutzten Ersparnisse gingen zur Neige.

Im Jahr 2007 führte Davis ein Subskriptionsmodell für Binärpakete von Ardour ein, während der Quellcode frei erhältlich blieb. Das heute noch genutzte Modell sieht für Privatanwender Preise von einem, vier und zehn US-Dollar monatlich oder 50 US-Dollar jährlich für den Bezug von Binärpaketen und deren Updates vor. Derzeit veranschlagt Davis für sich einen Bedarf von mindestens 4.500 US-Dollar monatlich. In seinem Blog werden heute, zur Monatsmitte, knapp 1.500 US-Dollar als Einnahmen verzeichnet. Die Spenden für den Monat Juli sind mit knapp 90 US-Dollar ebenfalls sehr überschaubar. Zudem liefern viele Distributionen Binärpakete von Ardour mit aus, sodass viele Anwender vermutlich nichts von den Nöten des Entwicklers wissen.

In einem ausführlichen Interview im Linux Journal äußert Davis 2009 wiederum Bedenken über die finanzielle Grundlage des Projekts. Im Jahr 2012 veröffentlicht Davis ein auf Ardour basierendes Programm namens Harrison Mixbus für Windows und bietet dies für 149 US-Dollar oder im Subskriptionsmodell für einmalig 49 US-Dollar plus monatlich 9 US-Dollar an.

Davis betont in seinem Blogeintrag, dies sei kein Aufruf zu einer Spendenaktion. Er gibt sich eher verwundert, dass nützliche und professionellen Ansprüchen genügende freie Software nicht in der Lage ist, auch nur einen Entwickler zu ernähren. Er sieht aber auch die Größenordnung der Anwenderbasis für solche Software als wesentlich kleiner an als etwa für Spiele. Ein gutes Beispiel ist hier Angry Birds, das viele Millionen US-Dollar eingespielt hat.

In dem Kommentaren zu seinem Blogeintrag erfährt Davis allerdings auch Kritik. Das Subskriptionsmodell, das auf PayPal aufsetzt, funktioniere nicht immer zufriedenstellend und verringere so die erzielbaren Einnahmen. Zudem hätte Davis die Windows-Version bei der gegebenen breiten Masse der Nutzer dieses Betriebssystems auch für günstigere 10 US-Dollar monatlich anbieten können.

2013 wurde Ardour 3.0 veröffentlicht, das unter anderem volle MIDI-Unterstützung bietet, sowie Ardour 3.5, das Audio- und Midi-I/O, die Sitzungsverwaltung sowie die Video-Export-Funktionalität verbessert.

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