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Mo, 18. August 2014, 13:15

Gesellschaft::Politik/Recht

LiMux: Expertengruppe soll mögliche Rückkehr zu Windows prüfen

Das von Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Christian Ude eigentlich als abgeschlossen erklärte Migrationsprojekt sämtlicher 15000 PCs der Stadtverwaltung auf Linux kommt nicht zur Ruhe. Jetzt will Udes Nachfolger Dieter Reiter (ebenfalls SPD) offenbar eine Expertengruppe einsetzen, die eine mögliche Rückkehr zu Windows prüfen soll.

Stadt München

Das geht aus einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag hervor. Die Initiative geht eigentlich vom zweiten Bürgermeister Josef Schmid (CSU) aus, Reiter schließt sich Schmids Meinung aber offenbar an. Der äußerte gegenüber der SZ, er habe aus jedem Referat erfahren, dass Mitarbeiter unter dem Wechsel zu Linux leiden, was geändert werden müsse. Daher solle eine unabhängige Expertengruppe den Umstieg auf Linux erneut prüfen. Falls diese eine Rückkehr zu Windows empfehle, sei das für ihn nicht ausgeschlossen.

Ähnlich hatte sich zuvor schon OB Reiter im Behördenmagazin Stadtbild mit der Ansicht geäußert, dass freie Software unter Linux »gelegentlich Microsoft-Anwendungen hinterherhinke«, wovon er »selbst ein Lied singen« könne, denn er habe nach seinem Amtsantritt wochenlang auf sein Dienst-Handy warten müssen, welches erst für den externen E-Mail-Server eingerichtet werden musste. In diesem Zusammenhang beklagt sich auch Schmid über das Fehlen eines einheitlichen Programms für E-Mails, Kontakte und Termine. Auch die damalige Spitzenkandidatin der Grünen, Sabine Nallinger, hatte sich Anfang des Jahres in ähnlicher Weise geäußert und die erneute Diskussion um LiMux damit erst losgetreten. Laut Nallinger funktioniere der Datenaustausch nicht richtig, weil viele Bürger und fast alle Behörden außerhalb Münchens auf Microsoft-Anwendungen setzten. Dazu Schmid: »Wenn die ganze Welt mit einem Standardprogramm arbeitet, dann ist es wichtig, dass wir auf dem gleichen System sind«.

Laut Schmid sei der im Jahr 2004 beschlossene Wechsel von Microsoft zu Linux hauptsächlich politisch motiviert gewesen. »Als CSU-Fraktion hatten wir damals schon den Eindruck, dass es sehr stark darum ging, einem Monopolisten Grenzen aufzuzeigen. Uns war damals schon klar, dass sich das nicht durchsetzen wird, weil wir als Kommune nicht die ganze Welt verändern können«, so Schmid gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Schmid teilt offenbar auch das Kostenargument nicht, dessentwegen die Linux-Migration von Ude seinerzeit auch primär begründet worden war. Erst im vergangenen Jahr hatte eine von HP in Auftrag gegebene Studie für Wirbel gesorgt, die das bezifferte Einsparpotenzial öffentlich infrage gestellt hatte. Dazu Schmid: »Wir haben den Eindruck, dass Linux sehr kostenintensiv ist, weil sehr viel selbst programmiert werden muss«.

Microsoft werden Aussagen dieser Art zu diesem Zeitpunkt nicht ungelegen kommen, denn der Software-Riese plant, seine Deutschland-Zentrale 2016 von Unterschleißheim nach München Schwabing zu verlagern. Ein Unternehmenssprecher von Microsoft erwähnte gegenüber der SZ, man sei »ein guter Verlierer« und habe »irgendwann akzeptiert«, dass ausgerechnet München das eigene Betriebssystem ablehne. Man sei aber zu Gesprächen jederzeit bereit.

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