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Do, 21. August 2014, 14:55

Software::Kernel

Torvalds: Desktop-Dominanz bleibt ein Ziel

Die von Linux-Schöpfer Linus Torvalds im Scherz zum Ziel ausgerufene »World Domination« hat Linux überall erreicht, nur auf dem Desktop nicht. Doch Torvalds hat sie noch nicht aus den Augen verloren, wie er in einer Diskussionsrunde verkündete.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Es muss wohl 1999 oder schon früher gewesen sein, als Torvalds in einer scherzhaften Bemerkung die »World Domination« von Linux als Ziel vorgab. Damals zeichnete sich ein steigender Bekanntheitsgrad von Linux ab, und Torvalds' Bemerkung war hauptsächlich auf den Desktop hin orientiert. Viele Jahre später ist diese Dominanz tatsächlich fast überall erreicht, doch ausgerechnet auf dem Desktop ist sie ausgeblieben. Schuld daran waren im Wesentlichen Netzwerkeffekte, die die Verdrängung des eine Monopolstellung einnehmenden Windows, das zahlreiche Abhängigkeiten nach sich zog, weitgehend verhinderte.

Torvalds war Teilnehmer einer Diskussionsrunde auf der Konferenz LinuxCon, die gerade in Chicago stattfindet. Moderiert wurde die Runde von Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman, der konstatierte, dass Linux überall läuft, und Torvalds die Frage stellte, was als nächstes passieren sollte. Torvalds antwortete unter dem Applaus der Zuhörer, dass er immer noch die Desktop-Dominanz anstrebe. Das sei aber kein Kernel-Problem und damit außerhalb seines Einflusses. Es sei vielmehr ein Problem der gesamten Infrastruktur. Trotzdem glaube er, dass es eines Tages soweit sein werde.

Das war allerdings nur eine Aussage unter mehreren zum Thema des Kernel-Status im Jahr 2014. Wie man einem Artikel in eWeek entnehmen kann, forderte Torvalds die Benutzer zum verstärkten Testen auf, besonders zum Testen der Treiber auf älterer Hardware. Zwar finden umfangreiche Tests bei den Entwicklern statt, diese würden jedoch hauptsächlich aktuelle Hardware nutzen. Es sollte daher mehr Benutzer geben, die den aktuellen Kernel auf älterer Hardware testen.

Probleme sieht er außerdem mit der Größe des Kernels. Nicht auf aktuellen Server- und Desktop-Systemen, für deren hochgradig parallele Hardware der Kernel ja gerade optimiert ist. Auch nicht auf Mobilgeräten, deren Leistungsfähigkeit nur wenige Jahre hinter Desktop-Systemen zurückliegt. Schwierigkeiten macht die Größe des Kernels dagegen auf echten eingebetteten Systemen, die nur wenige Megabytes an Speicher besitzen. Denn der Kernel ist selbst in der Minimalkonfiguration im Lauf der Jahre immer größer geworden, was daran liegt, dass zu viel Funktionalität immer vorhanden ist und nicht durch eine Option herausgenommen werden kann. Einige Kernel-Entwickler wollen sich allerdings, wie im einer Sitzung im Kernel-Summit erörtert wurde, des Problems annehmen. Wahrscheinlich werden zusätzliche Kernel-Optionen das Mittel dafür sein, auch wenn sie von einigen Entwicklern nicht gern gesehen werden. Einige solche Optionen sind allerdings schon heute vorhanden.

Natürlich sieht Torvalds noch weitere Bereiche, in denen der Kernel besser werden könnte. So haben Teile des Kernel-Codes nur einen einzigen Betreuer, was zu Problemen führen kann, wenn dieser einmal ausfällt oder auch nur Urlaub macht. Mehrere gleichberechtigte Betreuer, wie sie in vielen Subsystemen bereits aktiv sind, helfen solche Probleme zu vermeiden. Dass immer wieder Teile des Kernels neu geschrieben werden, ist laut Torvalds zwar manchmal eine Herausforderung, aber habe auch Vorteile. Es zeige, dass der Code nicht tot sei, sondern verbessert und an neue Anforderungen angepasst werde. So gesehen gebe es keinen Code, der als endgültig angesehen werden kann.

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